Sprenger und Obonya fordern mehr politische Bildung

Schauspielerin Kristina Sprenger und Kammerschauspieler Cornelius Obonya sprechen über demokratische Beteiligung junger Menschen. Beide sehen Bedarf an mehr politischer Bildung in Österreich.
Im Rahmen des Jahresschwerpunkts „teilhaben teilsein“ des Parlaments haben die Schauspielerin und Intendantin Kristina Sprenger sowie Kammerschauspieler Cornelius Obonya ihre Sichtweise zur demokratischen Beteiligung junger Menschen dargelegt. Die Parlamentskorrespondenz führte Gespräche mit den beiden Persönlichkeiten über ihre Erfahrungen und Einschätzungen. Übereinstimmend fordern sie einen Ausbau der politischen Bildung.
Für Sprenger begann die Auseinandersetzung mit Politik bereits in der Familie. Aktuelle politische Fragen wurden am Frühstückstisch offen diskutiert. Eine Diskussionskultur, bei der auf Argumente eingegangen und zugehört werde, sei sowohl in der Familie als auch gesamtgesellschaftlich notwendig, betont sie. Diesen Zugang gebe sie an ihre 15-jährige Tochter weiter, die sich mittlerweile selbst gesellschaftlich engagiere. Parteipolitisch sei sie nicht aktiv, lege aber Wert darauf, zu gesellschaftspolitisch und sozial relevanten Themen Haltung zu zeigen.
Internet veränderte Beteiligungsformen
Obonya erklärt, die politische Gemeinschaft bedeute ihm viel. Beteiligung sei für ihn gleichbedeutend mit tatsächlicher Teilhabe am demokratischen Geschehen. In seiner Kindheit und Jugend habe er außer Wahlgängen wenige prägende Beteiligungsmöglichkeiten wahrgenommen. Der staatliche Rundfunk habe die Informationslandschaft dominiert, später seien Privatmedien hinzugekommen. Parallel dazu habe sich die Desinformation zunehmend entwickelt, was bis heute anhalte.
Seine politische Sozialisation hätten die 1980er-Jahre mit der Waldheim-Affäre und dem politischen Aufstieg von Jörg Haider geprägt. Antisemitismus sei in dieser Zeit wieder verstärkt aufgekommen. Das einzige Positive daran sei gewesen, dass das Leugnen des Vergangenen in der bisherigen Form plötzlich nicht mehr möglich gewesen sei.
Die Beteiligungsmöglichkeiten hätten sich hauptsächlich über das Internet geändert, so Obonya. Die Abstimmung per Mausklick sei zwar eine technische Möglichkeit, für ihn aber nicht unbedingt wünschenswert. Demokratie solle und müsse auch Mühe machen. Das Internet habe in gewisser Weise auch zu einer Verschlechterung geführt, etwa durch eine gewisse verstärkte Anstandslosigkeit mit Verweis auf Phänomene wie Hasskommentare.
Wahlbeteiligung als trauriges Signal
Junge Menschen würden heute ihre Informationen de facto nur mehr aus dem Netz beziehen, stimmt Sprenger zu. Früher sei dies anders gewesen, auch sei die Gesellschaft und die Parteienlandschaft weniger vielfältig gewesen. Was sich nicht verändert habe: Man müsse die Menschen in ihren Lebensrealitäten und in ihren Kanälen erreichen. Es sei wichtig, dass sie wählen gehen und sich für gesellschaftliche Zusammenhänge interessieren.
Die negative Entwicklung der Wahlbeteiligung im Langzeitvergleich findet Sprenger verwunderlich. Das sei für die Demokratie ein ganz trauriges Signal, dem man begegnen müsse. Generell sei es wichtig, dass Demokratie gelebt werde und man sich für aktuelle Themen und weltpolitische Zusammenhänge interessiere. Eltern wie auch die Gesellschaft müssten dies den jungen Menschen mitgeben und vermitteln.
Schulpflichtfach als Lösung
Beteiligung setze ein gewisses Maß an Wissen und Kenntnis voraus, ist Obonya überzeugt. Bevor die direkte Demokratie ausgebaut werden solle, brauche es mehr politische Bildung. Die demokratiepolitische Bildung könnte etwa über ein Schulpflichtfach ausgebaut werden. Sprenger kann dem einiges abgewinnen. Es wäre wichtig, Teilhabe über politische Bildung in der Schule zu vermitteln. Dabei dürfe man aber die Eltern nicht aus der Pflicht nehmen. Teilhabe beginne schon im Elternhaus, wenn man sich gemeinsam mit Dingen beschäftige und über den Tellerrand blicke.
In einer weiteren Parlamentskorrespondenz werden kommende Woche junge prominente Personen zu Wort kommen. Der Sänger Cosmó, die Influencerin Hanna Niedrist und die Vorsitzenden der Bundesjugendvertretung werden erzählen, was ihnen Teilhabe bedeutet, wie sie sich engagieren, welche Rahmenbedingungen sie notwendig finden und wie sie sich Beteiligung in 50 Jahren vorstellen.
Quelle: PK
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