St. Pölten: Volksschule testet neues Deutschfördermodell

An der Franz-Jonas-Volksschule in St. Pölten wird ein integratives Deutschfördermodell erprobt. 40 von 283 Kindern haben Förderbedarf und können nun auch in Fächern wie Mathematik unterrichtet werden, so der ORF.
An der Franz-Jonas-Volksschule in St. Pölten wird neben den herkömmlichen separaten Deutsch-Klassen ein neues, integratives Modell eingesetzt. 40 der 283 Schülerinnen und Schüler haben geringe Deutschkenntnisse. Die Kinder sprechen Türkisch, Italienisch, Griechisch oder Arabisch als Muttersprache.
Das neue Modell ermöglicht es den Kindern, in allen Fächern unterrichtet zu werden. Direktorin Senta Paul erklärt, dass bisher andere Fächer vernachlässigt worden seien. „Beim alten Modell war es so, dass das Kind drei Stunden am Vormittag in der Deutschförderklasse unterrichtet worden ist, mit Augenmerk auf die Sprachförderung und die Lesekompetenz. Was nicht berücksichtigt wurde, war zum Beispiel Mathematik. Das haben wir jetzt im neuem Modell integriert“, so Paul.
Zwei Modelle parallel im Einsatz
Seit dem Schuljahr 2018/19 müssen Schulanfänger und Quereinsteiger aus dem Ausland, die beim Zuteilungstest nicht ausreichend abschneiden, separate Deutschförderklassen besuchen. Diese außerordentlichen Schülerinnen und Schüler werden bis zu zwei Jahre lang maximal 20 Stunden pro Woche in eigenen Klassen oder Gruppen in Deutsch gefördert. Gemeinsamer Unterricht mit der Stammklasse findet nur in Fächern wie Werken, Musik oder Turnen statt.
Vom integrativen Modell profitieren vor allem Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger wie Vanesa aus der Slowakei oder Misha aus der Ukraine. Sie können dem Mathematik-Unterricht in deutscher Sprache folgen, auch weil die Lernunterlagen sprachlich vereinfacht sind.
Welches Modell für welches Kind geeignet ist, wird individuell entschieden. Die klassische Deutschförderklasse gibt es weiterhin für jene, die sie brauchen. Dort wird ein Wortschatz aufgebaut und die grammatikalisch richtige Formulierung von Sätzen geübt. Petra Kastner, Leiterin der Sprachfördergruppe an der St. Pöltner Volksschule, sagt: „Das dauert ein halbes Jahr oder ein Jahr, dann sind sie so fit, dass sie dem Unterricht folgen können.“
Autonome Konzepte in Niederösterreich
Insgesamt 70 Schulen in Niederösterreich haben heuer ein autonomes Deutschförderkonzept eingereicht. Ziel ist es, den Kindern den Sprung von der Deutschförderklasse zur regulären Klasse zu erleichtern und Laufbahnverluste zu reduzieren.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) begründete zu Schulbeginn die Entscheidung, den Schulen mehr Autonomie zu geben: „Dass fast ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler im außerordentlichen Status zumindest ein Jahr in ihrer Schullaufbahn verlieren, ist eine Zahl, die viel zu hoch ist.“
Worüber spricht Sankt Pölten morgen?
Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.
Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.