Staatsbürgerschaft: 13.700 Einbürgerungen im ersten Halbjahr

Mona HopfingerMona Hopfinger
Österreich-Puzzle, Reisepass und Statistik mit steigenden Werten, Syrien, Türkei, Afghanistan
© Mit KI (Gemini) generiert

In den ersten sechs Monaten des Jahres erhielten 13.700 Personen die österreichische Staatsbürgerschaft. Das entspricht einem Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, wie die Statistik Austria bekannt gab.

Von Jänner bis inklusive Juni wurden 13.700 Personen eingebürgert, davon 3.950 mit Wohnsitz im Ausland. Im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres bedeutet das ein Plus von 2.035 Einbürgerungen beziehungsweise 17 Prozent.

Den stärksten Zuwachs verzeichneten Einbürgerungen von Ehepartnern und Kindern mit einem Anstieg von 55 Prozent. Die Zahl jener Personen, die nach mindestens sechsjährigem Aufenthalt in Österreich die Staatsbürgerschaft erhielten, stieg auf 4.829 – ein Plus von 32 Prozent.

„Die meisten Neo-Österreicher:innen wurden aufgrund ihres langjährigen Wohnsitzes in Österreich, nachgewiesenen Deutschkenntnissen und nachhaltiger Integration eingebürgert“, erklärte Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria.

Syrien, Türkei und Afghanistan an der Spitze

Von den 9.750 Personen, die in Österreich leben und eingebürgert wurden, stammten mehr als die Hälfte aus fünf Staaten. An erster Stelle liegt Syrien mit 2.319 Einbürgerungen (24 Prozent), gefolgt von der Türkei mit 1.058 (11 Prozent) und Afghanistan mit 968 (10 Prozent). Dahinter folgen der Iran mit 433 (4 Prozent) sowie Bosnien und Herzegowina mit 407 (4 Prozent).

Fast die Hälfte der Eingebürgerten waren Frauen (6.692 bzw. 49 Prozent). Rund ein Drittel war unter 18 Jahre alt (4.429 bzw. 32 Prozent). Etwas mehr als ein Fünftel der Personen wurde in Österreich geboren – das sind 3.080 Menschen oder 22 Prozent.

Kärnten mit stärkstem Zuwachs

In acht Bundesländern wurden mehr Personen eingebürgert als im Vergleichszeitraum. Die stärkste relative Zunahme verzeichnete Kärnten mit einem Plus von 93 Prozent auf 418 Personen. In Wien stieg die Zahl um 60 Prozent auf 3.333, in Niederösterreich um 45 Prozent auf 1.871. Auch Vorarlberg (plus 36 Prozent auf 648), die Steiermark (plus 27 Prozent auf 1.193) und Tirol (plus 24 Prozent auf 725) verzeichneten Anstiege. Einzig in Oberösterreich gab es einen Rückgang um 16 Prozent auf 1.028 Einbürgerungen.

Rechtsanspruch bei mehr als zwei Drittel

9.696 Eingebürgerte und damit 71 Prozent – mehr als zwei Drittel – hatten einen Rechtsanspruch auf die Staatsbürgerschaft. Darunter waren 4.829 Personen (35 Prozent), die nach mindestens sechsjährigem Wohnsitz und aus besonders berücksichtigungswürdigen Gründen eingebürgert wurden. 428 Personen erhielten die Staatsbürgerschaft aufgrund der Ehe mit einer Österreicherin oder einem Österreicher, 294 Personen aufgrund eines mindestens 15-jährigen Wohnsitzes und nachhaltiger Integration.

Weitere 756 Personen wurden im Ermessen eingebürgert, darunter 717 nach mindestens zehnjährigem Wohnsitz sowie 39 aufgrund außerordentlicher Leistungen im Staatsinteresse.

Nachkommen von NS-Verfolgten

Die Zahl der Einbürgerungen von politisch Verfolgten des Nationalsozialismus und deren Nachkommen sank um zehn Prozent. Von Jänner bis inklusive Juni erhielten vier politisch Verfolgte und 3.923 Nachkommen die österreichische Staatsangehörigkeit. Bis auf zwölf lebten alle im Ausland. Die größte Gruppe kam aus Israel (1.880 bzw. 14 %), gefolgt von den USA (1.233 bzw. 9 %) und Großbritannien (425 bzw. 3 %).

FPÖ kritisiert „alarmierende Bilanz“

FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz sieht in den Zahlen eine „alarmierende Bilanz des politischen Versagens“. Der Anstieg sei ein „fatales Signal“ und zeige, „wohin eine Politik der offenen Grenzen und der falschen Anreize“ führe. Gefordert wird stattdessen eine Verschärfung des Staatsbürgerschaftsrechts.

Schnedlitz sorgt sich besonders wegen der Herkunftsstatistik: „Wenn Syrer, Türken und Afghanen die Liste anführen, dann sehen wir hier eins zu eins die fatalen Früchte der verantwortungslosen Politik der offenen Grenzen von 2015.“ Statt „Schutz auf Zeit“ sei durch die Asylgewährung eine Einwanderungswelle durch die Hintertür losgetreten worden.

Die NGO „SOS Mitmensch" sieht die Zahlen anders. Zwar seien die Einbürgerungen gestiegen, von einer echten Trendwende könne aber keine Rede sein. Die Einbürgerungsrate liege bei nur einem Prozent – und damit deutlich unter dem EU-Schnitt von 2,6 Prozent.

Quelle: APA

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