Steegen: Von der Steuergemeinde zur selbständigen Ortschaft

Mona HopfingerMona Hopfinger
Schloss Steegen: Entwicklung vom Schloss zur Brauerei, Notgeld, Pflegezentrum und Feuerwehrspritze
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Die oberösterreichische Gemeinde Steegen blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Seit der Konstituierung als politische Ortsgemeinde im Jahr 1850 erlebte sie mehrere Verwaltungsreformen, eine vorübergehende Eingemeindung und entwickelte sich zur heutigen eigenständigen Kommune.

Die Wurzeln der heutigen politischen Gemeinden in Österreich reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. 1850 wurden die Ortsgemeinden auf Basis der Steuergemeinden und des Gemeindegesetzes vom 17. März 1849 geschaffen. Dieses Gesetz übertrug den Gemeinden neben eigenen auch bedeutende übertragene Aufgaben.

Die Steuergemeinden selbst gehen auf Reformen unter Kaiser Josef II. zurück. Mit einem Patent aus dem Jahr 1783 wurde die Grundsteuer neu geregelt – jeder Grundbesitzer sollte entsprechend seinem Einkommen besteuert werden. Die Vermessung übernahm die Landbevölkerung unter Aufsicht der Obrigkeit, was im sogenannten Josefinischen Lagebuch dokumentiert wurde. Die Steuergemeinde Steegen gehörte damals zur Leitungsobrigkeit Peuerbach.

Wechselvolle Verwaltungsgeschichte

Bereits 1854 verloren die Gemeinden den übertragenen Wirkungsbereich nahezu vollständig, staatliche Kontrolle griff in alle Bereiche der inneren Verwaltung ein. Erst das Reichsgesetz vom 4. März 1862 und das Landesgesetz von 1864 stellten die Gemeindeautonomie in großem Umfang wieder her. Mit dem Gesetz von 1864 erhielten die Gemeinden auch das Schulpatronat. Steegen ist seit 1874 den Schulstandorten Natternbach, St. Willibald und Peuerbach zugeordnet.

1911 wurde die Bezirkshauptmannschaft Grieskirchen eingerichtet. Steegen wechselte von der Bezirkshauptmannschaft Schärding in den neuen Verwaltungsbezirk.

Erwähnenswert ist auch, dass das Innviertel erst 1779 nach dem Teschener Frieden zu Österreich kam. Damit verlor die Sallet ihre Funktion als Landesgrenze. Der Grenz- oder Landgraben im Salletwald trennt seither Innviertel und Hausruckviertel.

Jagd, Fischerei und frühe Infrastruktur

Nach Aufhebung der Grundherrschaften im Jahr 1850 wurde die Verpachtung der Jagd zu einer Einnahmequelle für die Gemeinde. Das Fischereirecht in den Bächen der Gemeinde erkannte die Statthalterei Linz 1899 der Gemeinde Steegen zu.

Bei der Volkszählung vom 31. Dezember 1880 zählte Steegen 193 Häuser und 1.127 Einwohner. Das Straßennetz hatte damals eine Länge von 5,9 Kilometern.

Vor der Jahrhundertwende entstanden zwei Feuerwehren: Die Feuerwehr Steinbruck (ursprünglich Feuerwehr Steegen) wurde 1896 gegründet, die Feuerwehr Obererleinsbach 1897. Die Feuerwehr Steinbruck wurde am 23. August 1992 nach Rückübersiedlung ins neue Feuerwehrhaus wieder in FF Steegen umbenannt. Die Feuerwehr Langenpeuerbach entstand 1921 aus einem Zug der Feuerwehr Steegen.

Bereits 1893 schaffte Gemeindevorsteher Johann Eisterer eine Fahrfeuerspritze um 900 Gulden und 600 Meter Schläuche an.

Eingemeindung und Wiedererlangung der Selbständigkeit

Nach der Annexion Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 wurde Steegen mit Wirkung vom 12. Jänner 1942 mit Peuerbach vereinigt. Die Verwaltungsgemeinschaft Peuerbach-Steegen bestand bis 31. Juli 1946.

Am 1. August 1946 wurde Steegen wieder selbständig. Im Sitzungsprotokoll des Gemeindeausschusses vom 26. Oktober 1941 war festgehalten, dass Gemeinderäte und Bürgermeister der Zusammenlegung nur wegen kriegsbedingter Umstände und unter der Voraussetzung zustimmten, dass die Selbständigkeit in jeder Hinsicht gewahrt bleibt.

Schloss Steegen und seine Besitzer

Gut und Mühle in Steegen waren 1371 ein zur schaunburgischen Herrschaft des Schlosses Peuerbach grunduntertäniges Objekt. Schloss und Edelgut Steegen werden bereits im 11. Jahrhundert erwähnt.

Ab 1621 war Steegen ein Freisitz. Nach den Besitzern Grafen Strattmann (1696–1726), Grafen Batthyany-Strattmann (1726–1820) und den Fürsten Montenuovo (1820–1882) erwarb Johann Schatzl aus Raab 1882 das Schloss. Ihm ging es um die Stilllegung der bislang gut gehenden Brauerei im Schloss.

Diese Brauerei war 1831 nach Abbruch eines großen Teiles des Schlosses Peuerbach in das Schloss Steegen von Philipp, Fürst von Batthyany-Strattmann, verlegt worden. Dieser baute 1851 das Schloss Steegen in größerem Maßstab um.

1882 wurde das Schloss allodisiert und an den Müllermeister Johann Eisterer von Steegen verkauft. Eisterer bekleidete lange das Amt des Bürgermeisters seiner Heimatgemeinde (1885–1897 und 1900–1919) und saß zudem im Landtag und im Reichsrat. Sein charaktervolles und christliches Wesen brachte ihm hohes Ansehen ein.

Weil seine Ehe mit Theresia Eisterer kinderlos blieb, ging die Mühle an Verwandte über. Das Schloss vermachte er 1930 per Testament dem Diözesan-Hilfsfonds in Linz. Johann Eisterer starb am 6. Jänner 1931.

Vom Schloss zum Caritas-Zentrum

Im März 1938 wurden beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht Soldaten im sogenannten Bräuhaus in Steegen einquartiert. Von 1943 bis Kriegsende war dort der weibliche Reichsarbeitsdienst untergebracht. Auch alliierte Soldaten nutzten es beim Einmarsch 1945 und während der Besatzungszeit als Unterkunft.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war von 1946 bis 1957 das Landes-Kinderheim im ehemaligen Schloss untergebracht.

Als die Caritas der Diözese Linz dringend ein Haus zur Unterbringung geistig und körperlich behinderter Kinder benötigte und sich das Schloss im Besitz des Bischöflichen Diözesanhilfsfonds befand, war der Grundstein für das heutige St. Pius gelegt.

Nach Adaptierungs- und Umbauarbeiten konnten im Oktober 1957 die ersten Kinder in das Pius-Heim aufgenommen werden. Das CMB St. Pius wird von der Caritas für Menschen mit Behinderungen geführt, wobei die Vöcklabrucker Schulschwestern bis zum Jahr 2000 die Heimleitung innehatten. Vier Schwestern (Franziskanerinnen) und weitere 195 Fachbetreuer und Bedienstete beaufsichtigen und betreuen derzeit rund 230 Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Bereits ab den 1960er-Jahren entstanden im Pius-Heim ein Schulgebäude, ein Kinderhort und ein Schulstandort für behinderte Kinder. Seit 1988 ergänzt ein Sonderhort für externe Schüler das Angebot, seit September 2003 laufen die Hortgruppen integrativ.

An das CMB St. Pius ist die Johann Eisterer Landesschule angeschlossen. Ab 1998 sanierte man Schulgebäude I komplett und erweiterte es um einen Zubau. Im Herbst 1999 ging das neue Gebäude erstmals in Betrieb, zugleich startete die erste Integrationsklasse an der Johann-Eisterer-Landesschule.

Damit erfüllte sich die im Testament Johann Eisterers festgelegte Auflage, das Schloss Steegen einem karitativen Zweck zuzuführen.

Quelle: https://www.steegen.at/Geschichtliches_zur_Gemeinde_Steegen

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