Steiermark startet Pilotprojekt für Gewaltopfer

Pia ProdingerPia Prodinger
Check-in anonyme Hilfe: Hand schützt Karte auf Brücke über Österreich, Gebäude mit Sessel.
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Steiermark erprobt ab September ein neues Schutzangebot für Betroffene von Gewalt. Das Projekt „Check-in“ ermöglicht anonyme Aufenthalte in Jugend- und Familienhotels mit Beratung. Neun steirische Jufas nehmen teil.

Mit dem Projekt „Check-in“ erprobt die Steiermark in den kommenden sechs Monaten ein neues Angebot im Gewaltschutz. Die Initiative richtet sich an Menschen, die von Gewalt betroffen sind oder sich in einer Gefährdungssituation befinden. In neun steirischen JUFA-Hotels werden dafür Räume für Beratung und Unterstützung bereitgestellt.

Bei der Präsentation des Pilotprojekts in Graz erklärte Michaela Gosch von den Frauenhäusern Steiermark, dass mit dem Angebot Menschen erreicht werden sollen, die bestehende Hilfseinrichtungen bisher nicht in Anspruch nehmen. Soziallandesrat Hannes Amesbauer (FPÖ) sprach von einem innovativen Ansatz in einem besonders sensiblen Bereich.

Nicht alle Betroffenen werden erreicht

Wie Gosch betonte, zeigen 45 Jahre Erfahrung in der Gewaltschutzarbeit, dass bestimmte Zielgruppen bisher nur schwer erreichbar sind. Zwar verfüge Österreich und insbesondere die Steiermark über ein dichtes Netz an Schutz- und Beratungsangeboten, dennoch kämen nicht alle Betroffenen mit diesen Einrichtungen in Kontakt.

Viele Frauen würden in Krisensituationen Schuldgefühle entwickeln oder das Gefühl haben, versagt zu haben. Frauenhäuser seien zudem für manche Betroffene mit hohen Hemmschwellen verbunden.

Anonymes Angebot ohne Barrieren

Genau hier setzt das Projekt „Check-in“ an. Ziel ist ein niederschwelliges und anonymes Unterstützungsangebot, das ohne Stigmatisierung auskommt. Im Mittelpunkt steht der erste Kontakt, während die Entscheidung über weitere Schritte bei den Betroffenen selbst bleibt.

Über die Plattform www.beziehungs-check.at wird eine anonyme Beratung angeboten. Das Angebot richtet sich auch an Personen, die bisher nicht direkt von Gewalt betroffen waren, sich aber mit problematischen Beziehungssituationen auseinandersetzen möchten.

Im Rahmen des Pilotprojekts können Betroffene in Kooperation mit den JUFA-Hotels für zwei bis vier Tage kostenlos und anonym in einem von neun steirischen Standorten untergebracht werden. Während dieses Aufenthalts werden Beratungsgespräche, Sicherheitschecks, Clearing sowie die Planung weiterer Maßnahmen angeboten.

Ziel sei es auch, nach Möglichkeit beide Elternteile in die Beratungsarbeit einzubeziehen. Für Hochrisikofälle seien jedoch weiterhin spezialisierte Einrichtungen wie Frauenhäuser erforderlich.

Förderung in Höhe von 73.000 Euro

Finanziert wird das Pilotprojekt mit rund 73.000 Euro aus dem Ressort von Soziallandesrat Amesbauer. Er betonte, dass der Schutz von Frauen vor Gewalt weiterhin höchste Priorität habe. Entscheidend sei, frühzeitig zu handeln und gefährliche Entwicklungen nicht erst dann aufzugreifen, wenn bereits schwerwiegende Folgen eingetreten seien.

Die Steiermark verfüge bereits über ein breites Angebot an Hilfs- und Schutzeinrichtungen. „Check-in“ solle diese Strukturen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Ziel sei es, Betroffene früher zu erreichen und eine Eskalation von Gewalt zu verhindern.

Nach Abschluss der sechsmonatigen Testphase soll das Projekt evaluiert werden. Eine mögliche Fortführung werde auch von den Ergebnissen dieser Bewertung abhängen.

JUFA stellt Hotelstandorte zur Verfügung

Martin Seger-Omann von der JUFA-Unternehmenskommunikation verwies auf das langjährige soziale Engagement des Unternehmens. JUFA betreibt insgesamt 63 Hotels in Österreich, Deutschland und Liechtenstein.

Für das Pilotprojekt stehen neun Standorte in der Steiermark zur Verfügung. Weitere sieben JUFA-Häuser in anderen österreichischen Bundesländern beteiligen sich ebenfalls an der Initiative.

Frühe Prävention im Fokus

Christian Scambor von der Männerberatung Steiermark unterstrich die Bedeutung früher Präventionsarbeit. Gewalt müsse dort bekämpft werden, wo sie bereits stattfindet, idealerweise aber schon davor. Neben dem Opferschutz spiele daher auch die Arbeit mit Tätern und deren sozialem Umfeld eine wichtige Rolle.

Entscheidend sei, möglichst früh anzusetzen, etwa bei Beziehungskrisen oder Trennungskonflikten. Für diese Situationen steht die „Männerberatung 24/7“ zur Verfügung. Das Angebot ist rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0800 400 777 erreichbar oder unter https://www.maennerinfo.at/.

Quelle: APA

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