Steirische Unis warnen vor Budgetkürzungen des Bundes

Die fünf steirischen Universitäten schlagen Alarm: Geplante Kürzungen des Bundes für die Leistungsperiode 2028 bis 2030 würden den Wissenschaftsstandort massiv schwächen. Bei einem Runden Tisch in Graz forderten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft eine tragfähige Finanzierung.
Auf Initiative der Universität Graz haben sich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu einem Runden Tisch getroffen, um über die künftige Finanzierung der steirischen Universitäten zu beraten. Eingeladen hatten ÖH-Vorsitzende Valentina Simschitz und Rektor Peter Riedler. Hintergrund sind die geplanten Budgetkürzungen des Bundes für die nächste Leistungsvereinbarungsperiode.
Die Universität Graz, die Technische Universität Graz, die Medizinische Universität Graz, die Kunstuniversität Graz sowie die Montanuniversität Leoben sehen dabei dringenden Handlungsbedarf. Zwar seien die Hochschulen bereit, einen Beitrag zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte zu leisten, gleichzeitig müsse jedoch ihre Leistungsfähigkeit in Forschung, Lehre und Ausbildung gesichert bleiben.
Universitäten orten Finanzierungslücke von 2,5 Milliarden Euro
Für die Leistungsperiode von 2028 bis 2030 haben die österreichischen Universitäten gemeinsam mit der Universitätenkonferenz einen Finanzierungsbedarf von 18 Milliarden Euro errechnet. Der Bund kalkuliert jedoch weiterhin mit 16,5 Milliarden Euro. Zusätzlich sollen rund eine Milliarde Euro, die bisher aus anderen Budgettöpfen finanziert wurden, in diesen Betrag eingerechnet werden. Nach Berechnungen der Universitäten würde dadurch eine Finanzierungslücke von insgesamt 2,5 Milliarden Euro entstehen.
Bis Ende Oktober müssen die Weichen für die nächste dreijährige Leistungsvereinbarungsperiode gestellt werden. Die steirischen Hochschulen fordern daher zunächst Klarheit über Umfang und Struktur des vorgesehenen Universitätsbudgets. Sämtliche Kosten müssten nachvollziehbar und transparent ausgewiesen werden.
Auswirkungen auf Forschung und Studium befürchtet
Die Universitäten warnen, dass eine Finanzierungslücke die Steiermark besonders stark treffen würde. Die Region zählt zu den führenden Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsstandorten Europas. Einsparungen könnten sich auf die Forschungsleistung, die Qualität von Lehre und Studium, die Betreuungssituation sowie die Vielfalt des Studienangebots auswirken.
Monika Köppl-Turyna, Direktorin von Eco Austria, verweist auf die wirtschaftliche Bedeutung der Hochschulen. Diese erwirtschafteten jährlich rund 1,25 Milliarden Euro Wertschöpfung und sicherten etwa 20.000 Arbeitsplätze. Bereits ein Rückgang der Zahl der Absolventinnen und Absolventen um fünf Prozent würde Österreich langfristig jährlich rund 3,2 Milliarden Euro kosten.
Studierende als wichtiger Faktor für die Region
Auch die Universitätsstädte Graz und Leoben wären von Kürzungen betroffen. In Graz leben rund 50.000 Studierende, was etwa einem Sechstel der Bevölkerung entspricht. In Leoben machen die rund 3.000 Studierenden mehr als zehn Prozent der Einwohner aus. Etwa drei Viertel der Studierenden gehen neben ihrem Studium einer Beschäftigung nach und tragen damit wesentlich zur regionalen Wirtschaft bei.
Eine Analyse der Karrierewege von Absolventinnen und Absolventen der Universität Graz zeigt zudem, dass von den mehr als 5.000 Studienanfängerinnen und Studienanfängern des kommenden Wintersemesters 49 Prozent aus der Steiermark stammen. Nach dem Studienabschluss bleiben 58,1 Prozent in der Region und bringen ihr Wissen in den steirischen Arbeitsmarkt ein. Drei Jahre nach dem Masterabschluss sind 84 Prozent berufstätig.
Forschung als Motor der Wirtschaft
Mit einer Forschungsquote von 5,3 Prozent erbringt die Steiermark mehr als ein Fünftel der österreichischen Forschungs- und Entwicklungsleistungen. Rund ein Viertel davon entfällt auf die öffentlichen Hochschulen. Zudem werden acht der 15 österreichischen COMET-Projekte von steirischen Universitätsinstituten geleitet.
Laut Köppl-Turyna gehen drei bis zehn Prozent des realen Wirtschaftswachstums auf universitäre Forschung und Lehre zurück. Innovative Unternehmen seien auf jene Fachkräfte angewiesen, die an den Hochschulen ausgebildet werden.
Kooperationen als Erfolgsmodell
Die steirischen Universitäten verweisen auf ihren verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln. Bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten setzen sie verstärkt auf Kooperationen. Beispiele dafür sind NAWI Graz, BioTechMed-Graz, Kunst-TU, iHub Graz, die Gründungsgarage sowie die gemeinsame Lehramtsausbildung.
Auch bei Infrastrukturprojekten wie dem GCP, dem Cori-Gebäude oder dem Geozentrum würden Synergien genutzt und Ressourcen gebündelt.
Seit Mai warnen die Universitäten gemeinsam mit der Österreichischen HochschülerInnenschaft vor kurzfristigen Einsparungen, die langfristig hohe Folgekosten verursachen könnten. Rund 85 Prozent der Universitätsbudgets entfallen auf Personal, das Forschung auf hohem Niveau ermöglicht und zukünftige Fachkräfte ausbildet.
Deutliche Kritik an Sparplänen
Rektor Peter Riedler betonte, Universitäten seien grundsätzlich in der Lage zu sparen. Entscheidend sei jedoch, dass Einsparungen nicht jene Strukturen gefährden, die über viele Jahre aufgebaut wurden und für die Bewältigung künftiger Herausforderungen notwendig seien. Gerade Allgemeinuniversitäten könnten durch die Verbindung verschiedener Disziplinen gesellschaftliche Zukunftsfragen umfassend bearbeiten.
ÖH-Vorsitzende Valentina Simschitz warnte davor, dass Kürzungen nicht nur die Hochschulen, sondern auch die Zukunft von rund 60.000 Studierenden in der Steiermark beeinträchtigen würden. Zudem seien Chancengleichheit und demokratische Entwicklung betroffen.
Landeshauptmann Mario Kunasek sprach von einem Angriff auf den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Steiermark. Nach den aktuellen Plänen müssten die steirischen Universitäten Einsparungen von rund 500 Millionen Euro bewältigen. Dies könnte laut Kunasek die Qualität von Forschung und Lehre beeinträchtigen sowie zahlreiche Arbeitsplätze gefährden.
Auch die Bürgermeister der beiden Universitätsstädte unterstrichen die Bedeutung der Hochschulen. Elke Kahr verwies auf die enge Verbindung zwischen der Entwicklung von Graz und seinen Universitäten. Kurt Wallner betonte, die Montanuniversität sei für Leoben weit mehr als eine Bildungseinrichtung und eng mit Wirtschaft, Industrie und Arbeitsmarkt verknüpft.
Appell für eine gemeinsame Zukunft
Mit dem Runden Tisch soll eine sachliche und lösungsorientierte Diskussion über die Finanzierung der Universitäten angestoßen werden. Ziel ist es, eine tragfähige Grundlage für die Verhandlungen über die Leistungsvereinbarungen für die Jahre 2028 bis 2030 zu schaffen und Perspektiven für die Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandorts zu erarbeiten.
Im Zentrum steht dabei die gemeinsame Verantwortung für einen starken Forschungs-, Bildungs- und Wirtschaftsstandort Steiermark sowie für die Universitätsstädte Graz und Leoben.
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