Stelzer plant Privatisierung des Flughafens Linz

Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer will noch heuer private Investoren für den Flughafen Linz-Hörsching gewinnen. Das Land soll zudem den Anteil der Stadt Linz übernehmen, so der ORF.
Der Flughafen Linz-Hörsching hat das Land Oberösterreich bisher bis zu 36 Millionen Euro gekostet – allein für die Flugverbindung nach Frankfurt. Die Auslastung liegt deutlich unter den angestrebten 60 Prozent. Thomas Stelzer räumt Versäumnisse ein und spricht von schweren Zeiten für den Flughafen sowie Fehlern in den vergangenen Jahren.
Der Landeshauptmann verfolgt eine zweistufige Strategie: Das Land Oberösterreich soll den Anteil der Stadt Linz am Flughafen übernehmen. Darüber hinaus sollen private Investoren beteiligt werden. Diese könnten Bewegung ins Geschehen bringen und Kontakte mitbringen, es gebe bereits zahlreiche Interessenten. Die Ausschreibung müsse transparent ablaufen, wenn die öffentliche Hand Anteile abgebe. Auf die Frage, ob dies noch heuer geschehe, antwortet Stelzer: „Heuer wäre der Plan.“
Kurswechsel bei Eigentümerfrage
Im Sommergespräch 2025 hatte Stelzer noch erklärt, die Eigentumsverhältnisse würden kaum Einfluss darauf haben, ob neue Fluglinien nach Linz kommen. Nun ändert er seine Position: Mit privaten Investoren würden sich voraussichtlich mehr Unternehmen aus der Wirtschaft dafür interessieren, von Hörsching aus zu fliegen.
Der Landesrechnungshof prognostiziert, dass der Flughafen bis 2035 weitere 28 bis 45 Millionen Euro benötigen wird. Stelzer kommentiert dies knapp und überlässt solche Prognosen den Experten.
Windkraft-Verordnung soll noch 2026 kommen
Die oberösterreichische Klimastrategie aus dem Jahr 2023 ist rechtlich nicht bindend und enthält weder verbindliche Ziele noch einen CO2-Pfad. Der Landesrechnungshof hat sechs Empfehlungen ausgesprochen, fünf davon lehnte die schwarz-blaue Landesregierung ab. Stelzer betont, er wolle Emissionen reduzieren, aber nicht die Arbeitsplätze.
Nach zehn Jahren schwarz-blauer Regierung steht beim Windkraft-Ausbau nur ein einziges neues Windrad zu Buche. Die Steiermark verfügt bei vergleichbarer Fläche über viermal mehr Anlagen und sechsmal mehr Leistung. Stelzer weicht dem Vergleich aus und verweist stattdessen auf Arbeitsmarkt und Landesfinanzen: Oberösterreich habe, anders als die Steiermark, seine Finanzen im Griff.
Eine konkrete Zusage macht der Landeshauptmann dennoch: Die seit langem angekündigten Verordnungen zu Verbots- und Beschleunigungszonen für Windkraft sollen noch heuer beschlossen werden.
Google-Rechenzentrum: Strom aus dem Markt
Das geplante Google-Rechenzentrum in Kronstorf wertet Stelzer als Standorterfolg. Das Unternehmen könne sich weltweit Standorte aussuchen, dies sei ein Kompliment für Oberösterreich. Im Vollausbau wird das Rechenzentrum allerdings fast so viel Strom verbrauchen wie alle oberösterreichischen Haushalte zusammen.
Die Stromversorgung sieht Stelzer gelassen: Der Strommarkt sei international, die Versorgung werde durch Verträge gesichert. Google müsse den Strom selbst am Markt beschaffen, das Land trete nicht als Stromversorger auf. Er nennt laufende Projekte: Rund neun Windkraftprojekte seien derzeit in Verfahren, die Energie AG baue das große Pumpspeicherkraftwerk Traunsee und investiere in das Traunfall-Kraftwerk. Zusätzlich kämen laufend neue Agri-PV-Anlagen durch private Investoren.
ÖVP will Haushaltsabgabe wieder abschaffen
Mit einem neuen Vorstoß überrascht die ÖVP: Die erst vor drei Jahren von der Partei selbst eingeführte Haushaltsabgabe soll wieder abgeschafft werden. Stattdessen soll künftig das Budget den ORF finanzieren. Es handle sich um einen Vorschlag zu Beginn der Reform-Diskussion. Stelzer fordert eine offene Debatte, in der alle Beteiligten, die das Beste für das Unternehmen wollen, sämtliche Ideen gemeinsam diskutieren.
Klar stellt er dabei ein Ziel heraus: ein öffentlich-rechtliches Medienangebot in Österreich, das auch die Demokratie funktionsfähig hält.
Landtagswahl 2027
Ein Jahr vor der Landtagswahl präsentiert sich die Ausgangslage für die ÖVP schwierig: Bundesweit liegt die Partei laut APA Wahltrend bei 19,7 Prozent. In Oberösterreich hat die FPÖ erstmals realistische Chancen auf den Landeshauptmann-Posten. Politische Beobachter vermissen bei der ÖVP ein scharfes Profil, da zu vieles hinter die Koalitionsräson mit der FPÖ gerückt sei.
Stelzer weist diese Einschätzung zurück und verweist auf die Leistungsbilanz des Landes: Oberösterreich habe die Finanzen im Griff, die Wirtschaft nehme Fahrt auf, und trotz Schwierigkeiten zähle das Land zu jenen mit den besten Arbeitsmarktdaten – ein Beleg dafür, dass man gut unterwegs sei.
Auf die Frage nach einem Plan B angesichts des FPÖ-Aufwinds reagiert Stelzer mit einem Sportvergleich: Wer bereits am Start an Plan B denke, komme sicher nicht als Erster ins Ziel. Sein einziger Plan bestehe darin, wieder stärkste Kraft zu werden. In Richtung seiner Mitbewerber merkt er an, dass er jeden Tag fürs Land arbeite, während sich andere offenkundig damit beschäftigten, wie es ihnen persönlich oder ihrer Partei gehe – das sollten die Leute bewerten.
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