Stolpersteine für Familie Jagoda in Graz verlegt

Mona HopfingerMona Hopfinger
Stolpersteine werden in Wien gereinigt, ein Mann wischt mit Schwamm und Eimer.
© Alexander Danner

Sieben Stolpersteine erinnern seit Freitag in der Netzgasse an die jüdische Familie Jagoda. 16 Nachfahren aus den USA, Israel und der Schweiz reisten zur Gedenkfeier nach Graz.

Vor dem Haus Netzgasse 11 wurden am 2. Oktober 2026 sieben Stolpersteine für die Familie Jagoda verlegt. Zur Gedenkfeier kamen 16 Nachfahren aus den USA, Israel und der Schweiz nach Graz, um an das Schicksal ihrer Vorfahren zu erinnern.

Bürgermeisterin Elke Kahr empfing die Gruppe im Rathaus und betonte die Bedeutung der Stolpersteine: „Es ist wichtig, den Menschen, die von den Faschisten verfolgt wurden, mit den Stolpersteinen einen Namen zu geben“, sagte sie. Graz sei eine Stadt mit einem offenen Herz für alle Menschen, die ihnen ein gutes Zuhause gebe – unabhängig von ihrer Herkunft.

Vom Erfolg zur Flucht

Leo und Thekla Jagoda hatten 1908 in Plock in Polen geheiratet und sich danach in Graz mit einer Schneiderwerkstätte in der Netzgasse 11 eine erfolgreiche Existenz aufgebaut. Das jüdische Paar führte ein beschauliches Leben und zog fünf Kinder groß: Wilhelm, Emilie, Adolf, Erich und Otto.

Der Anschluss Österreichs 1938 bedeutete einen dramatischen Einschnitt: Leo wurde verhaftet und ins KZ Dachau deportiert, das Familienunternehmen musste aufgegeben werden. Nach Leos Freilassung gelang der Familie im September 1938 die Flucht in die Schweiz. Die Kinder fanden später Zuflucht in Großbritannien, Palästina und den USA.

Bewohner nahmen an Gedenkfeier teil

Besonders berührend für die Nachfahren: Die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses ermöglichten ihnen nicht nur einen Blick ins Innere des Wohnhauses, sondern nahmen auch an der Gedenkfeier teil.

An der Veranstaltung nahmen zudem Tristan Ammerer, Obmann des Vereins für Gedenkkultur in Graz, sowie Kulturstadträtin Claudia Unger teil. Der Verein für Gedenkkultur organisiert die Stolpersteinverlegungen in Graz.

Heribert Macher-Kroisenbrunner vom Museum Joanneum führte die Teilnehmenden durch die Geschichte der Familie Jagoda. Zwei Angehörige schilderten persönliche Erinnerungen an ihre Vorfahren, die in der Familie bis heute von Generation zu Generation weitererzählt werden. Zuvor führte ein geleiteter Rundgang durch die Stadt, ehe die Verlegung stattfand.

Quelle: https://www.graz.at/cms/beitrag/10473813/8114224/Zeichen_der_Erinnerung.html

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