Streng geschützter Eremitenkäfer in Seitenstetten entdeckt

Mathias FischerMathias Fischer
Familie mit vier Kindern und einer Ziege posiert vor einem Baumstamm in der Steiermark.
© Gemeinde Zeillern

In einem vom Sturm umgeworfenen Mostbirnbaum haben Landwirte in Seitenstetten eine Population des seltenen Eremitenkäfers gefunden. Die streng geschützte Art wurde erfolgreich in einen benachbarten Baum umgesiedelt.

Eine außergewöhnliche Entdeckung machte die Familie Sindhuber auf ihrem Biobauernhof in Seitenstetten im Juni heuer. In einem vom Sturm entwurzelten Mostbirnbaum der Sorte Schmotzbirne fanden sie eine Population des streng geschützten Eremitenkäfers.

Der alte Baum war umgestürzt, in einer Baumhöhle befand sich ein Bienenvolk. Christa und Bernhard Sindhuber öffneten den Stamm vorsichtig, um die Bienen zu retten. Dabei entdeckten sie zahlreiche auffällig große Larven sowie mehrere dunkel glänzende Käfer.

Seltener Nachweis im Mostviertel

Mathias Weis, Biologe von der LEADER-Region Tourismusverband Moststraße, bestätigte den Fund. Es handelt sich um den Eremiten- oder Juchtenkäfer (Osmoderma eremita), der bisher nur wenige Male im Mostviertel nachgewiesen wurde. Unterschiedliche Larvenstadien zeigten, dass im Inneren des Baumes bereits seit mehreren Jahren oder Jahrzehnten eine große Population leben musste.

„Der Fund zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll unsere alten Mostbirnbäume für die Artenvielfalt sind. Was für uns bereits wie ein abgestorbener oder nutzloser Baum wirkt, kann für seltene Tiere ein unersetzlicher Lebensraum sein“, erklärt Weis, der selbst in Seitenstetten wohnt. Der Schutz alter Obstbäume und Streuobstwiesen sei daher nicht nur eine Frage der Sortenvielfalt und des Landschaftsbildes, sondern auch des Naturschutzes.

Der Eremitenkäfer verbringt den Großteil seines Lebens verborgen in alten Baumhöhlen. Seine Larven entwickeln sich mehrere Jahre im sogenannten Mulm, dem zersetzten Holz in Baumhöhlen. Solche Lebensräume entstehen oft erst in sehr alten Bäumen und können nicht kurzfristig ersetzt werden.

Erfolgreiche Umsiedlung in benachbarten Baum

Wegen des strengen Schutzstatus wurde der Fund der Bezirkshauptmannschaft Amstetten behördlich gemeldet. Gemeinsam mit Fritz Hinterleitner, dem Naturschutz-Sachverständigen der BH, wurde nach einer Lösung gesucht. In der angrenzenden Schafweide der Familie Sindhuber fand sich ein geeigneter alter Mostbirnbaum mit einer ausreichend großen Höhle.

Die Käfer, Larven und das von ihnen bewohnte Material wurden vorsichtig aus dem umgestürzten Baum geborgen und in ihr neues Zuhause übersiedelt.

„Es ist sehr erfreulich, dass die Familie so verantwortungsbewusst mit diesem seltenen Fund umgegangen ist. Die erfolgreiche Umsiedlung ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt dieser streng geschützten Art in unserer Region“, betont Hinterleitner.

Christa und Bernhard Sindhuber war rasch klar, dass sie den bedrohten Käfern helfen wollten: „Wir waren natürlich überrascht, was da in unserem alten Birnbaum lebt. Als wir erfahren haben, wie selten diese Käfer sind, wollten wir unbedingt dafür sorgen, dass sie einen neuen Platz bekommen und weiterleben können.“

Die LEADER-Region Tourismusverband Moststraße setzt sich seit vielen Jahren für den Erhalt alter Obstsorten, der Streuobstwiesen und der einzigartigen Kulturlandschaft der Region ein. Alte Mostbirnbäume prägen nicht nur das Landschaftsbild der Moststraße, sondern sind auch wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tierarten.

Quelle: https://zeillern.gv.at/neuigkeiten/news/seltener-kaeferfund-in-seitenstetten-alter-birnbaum-wird-zur-arche-fuer-bedrohte-tierart

Worüber spricht Zeillern morgen?

Bald verfügbar: Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.