Studie zeigt: Sozialarbeit im Kindergarten entlastet

Pia ProdingerPia Prodinger
Vier Männer halten Broschüren in Graz-Seckau vor dem KiB3-Logo und dem Caritas-Logo.
© Caritas

Ein zweijähriges Pilotprojekt in Graz belegt die Wirksamkeit von Kindergartensozialarbeit. Über 81 Prozent der befragten Eltern empfanden die Beratung als sehr hilfreich. Caritas und Kinderbildungsstiftung fordern nun eine dauerhafte Verankerung im Bildungssystem.

Die Caritas der Diözese Graz-Seckau und KiB3, die Kinderbildungsstiftung der Diözese, appellieren an die Verantwortlichen im Bildungsbereich, Kindergartensozialarbeit dauerhaft zu etablieren. Grundlage ist eine Evaluierung eines Pilotversuchs, der Ende Juli endet. Das Grazer Sozialforschungsinstitut X-Sample hat die Wirkung des Angebots wissenschaftlich untersucht.

Seit Herbst 2024 waren an 18 Standorten in Graz Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter zu festen Zeiten für Eltern da. Sie führten Gespräche, boten Beratung an und stellten Kontakte zu spezialisierten Beratungsstellen her. In konkreten Situationen begleiteten sie Familien auch persönlich zu weiteren Hilfsangeboten. Dem pädagogischen Personal standen sie bei psychosozialen Fragen und in der Zusammenarbeit mit Eltern zur Seite.

Fachliche Unterstützung für Pädagoginnen und Pädagogen

Walter Prügger, Geschäftsführer von KiB3, betont die Bedeutung der fachspezifischen Expertise. Diese ergänze die pädagogische Arbeit im Kindergarten wertvoll und trage zur Qualitätssicherung der Bildungseinrichtung bei.

Friedrich Mayer, Leiter der Kindergartensozialarbeit der Caritas Steiermark, erklärt, dass Familien mit sozialen Schwierigkeiten, gesundheitlichen oder psychosozialen Belastungen im Kindergarten erstmals sichtbar würden. Oft handle es sich um Probleme, die den pädagogischen Alltag überforderten. Frühe Hilfe entlaste das Personal und verhindere, dass Schwierigkeiten später in der Schule aufträten.

Hohe Zufriedenheit bei Eltern und Personal

Sozialforscher Thomas Lederer-Hutsteiner evaluierte das Projekt wissenschaftlich. Er befragte 57 Eltern, die Beratungen genutzt hatten, sowie 77 pädagogische Fachkräfte und sieben Leiterinnen und Leiter von Einrichtungen. Über 81 Prozent der Eltern bewerteten die Beratung als sehr hilfreich. Drei Viertel gaben an, die Beratung habe ihnen geholfen, selbst Lösungen zu finden. Mehr als 81 Prozent fühlten sich nach den Gesprächen sicherer im Umgang mit den besprochenen Problemen.

Die Pädagoginnen und Pädagogen berichteten von größerer Sicherheit bei der Einschätzung von Fragen des Kindeswohls und in Gefährdungssituationen. Deutlich über 80 Prozent schätzten das Angebot als hilfreich ein. Entscheidend für den Erfolg seien ein unkomplizierter Zugang, Diskretion und eine gute Vertrauensbasis sowie eine klare organisatorische Trennung von Sozialarbeit und pädagogischem Alltag.

Prävention mit gesellschaftlichem Nutzen

Caritas-Vizedirektor Thomas Ferk sieht einen Nutzen, der über die unmittelbaren Effekte hinausgeht. Problemlagen in Familien mit psychosozialen, gesundheitlichen oder finanziellen Dimensionen würden früh erkannt. Das reiche von Lernschwächen bis zu Gewaltthemen in der Familie. Kindergartensozialarbeit sei damit ein starker Hebel für mehr Bildungsgerechtigkeit und ein wertvolles Präventionsinstrument.

Das Pilotprojekt wurde aus Mitteln der MEGA-Bildungsstiftung, des Sozialministeriums und des Innovationstopfs der Diözese Graz-Seckau finanziert. Eine Fortführung ist durch weitere Mittel des Sozialministeriums vorläufig für ein Jahr möglich, allerdings in reduziertem Umfang. Ferk appelliert an die Entscheidungsträger, das Potential zu nutzen und Kindergartensozialarbeit dauerhaft strukturell im Bildungssystem zu verankern. Bei vergleichsweise geringem Mitteleinsatz könne ein großer gesamtgesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Gewinn erreicht werden.

Quelle: https://www.caritas-steiermark.at/ueber-uns/news-presse/news-detailansicht/news/100362-studie-belegt-wirksamkeit-von-kindergartensozialarbeit

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