Stumm fördert Fuß- und Radverkehr

Die Zillertaler Gemeinde Stumm setzt auf nachhaltige Mobilität im Alltag. Mit gezielten Maßnahmen und Aktionen werden Wege für Fußgänger und Radfahrer sicherer und attraktiver gestaltet.
Wie Straßen und Wege gestaltet sind, entscheidet darüber, ob Kinder eigenständig zur Schule kommen, ältere Menschen ihre Einkäufe erledigen oder Berufstätige mit dem Rad zur Arbeit gelangen können. Stumm im Zillertal geht hier mit gutem Beispiel voran und verbindet konkrete Verbesserungen der Infrastruktur mit gemeinschaftlichen Aktionen.
Beratungsprozess analysiert Schwachstellen
Das Klimabündnis Tirol unterstützt Gemeinden mit den Programmen PRO-BYKE und PRO-FUSS dabei, Rad- und Fußverkehr systematisch zu verbessern. Gemeindevertreter und Bürger nehmen dabei die Wege vor Ort gemeinsam unter die Lupe: Wo lauern Gefahrenstellen? Wo fehlen sichere Querungen oder Abstellmöglichkeiten?
Bei einer gemeinsamen Radfahrt oder Begehung untersuchen die Beteiligten die Gemeinde. Mobilitätsexperten entwickeln daraus konkrete Maßnahmen, die Schritt für Schritt umgesetzt werden können. David Mittelholz, Mobilitätsexperte des Klimabündnis Tirol, erklärt: „Ziel der beiden Begleitprozesse ist, gemeinsam mit Politik, Verwaltung und Bevölkerung konkrete Verbesserungen für den Rad- bzw. Fußverkehr zu entwickeln und umzusetzen.“
Der Prozess gliedert sich in sechs Phasen: vom Startgespräch über die Bildung eines lokalen Teams und die gemeinsame Begehung bis hin zu Maßnahmenworkshops. Am Ende steht ein konkreter Plan, der vom Gemeinderat beschlossen wird. In betreuten Gemeinden wurden innerhalb von zwei Jahren durchschnittlich rund 50 Prozent der beschlossenen Maßnahmen realisiert.
Gehwege ergänzt und Pilotversuch
In Stumm wurden seit der Beratung mehrere Gehwegabschnitte errichtet und damit Lücken im Fußwegenetz geschlossen. Der Gemeinderat beschloss zudem einen viermonatigen Pilotversuch mit einer Einbahnregelung, um mehr Platz für Fuß- und Radverkehr zu schaffen. Mit Aktionen wie der GEHmeindeRADsitzung, einem Open-Air-Kino und dem RetroRide nahm Stumm an der Europäischen Mobilitätswoche teil.
Mittelholz betont die Vorteile: „Investitionen in den Fuß- und Radverkehr verbessern die Lebensqualität, erhöhen die Verkehrssicherheit, stärken den lokalen Handel, reduzieren Infrastrukturkosten und unterstützen Klima- und Gesundheitsziele.“ Kaum eine andere kommunale Maßnahme erziele so viele positive Effekte mit vergleichsweise geringem Mitteleinsatz.
Gemeinderat steigt aufs Rad
Im September fand die GEHmeindeRAD-Sitzung statt. Die Gemeinderatsmitglieder waren eingeladen, zu Fuß oder mit dem Rad zum Gemeindeamt zu kommen. Die klimafreundliche Anreise sollte Vorbildwirkung entfalten und einen Perspektivenwechsel ermöglichen: Wer selbst zu Fuß geht oder Rad fährt, nimmt die Verkehrssituation anders wahr als aus dem Auto.
Bürgermeister Franz Kolb berichtet: „Die Rückmeldungen waren sehr unterschiedlich: Einige sind tatsächlich zu Fuß oder mit dem Rad gekommen, andere haben es diesmal noch nicht geschafft.“ Wichtig sei, das Thema kontinuierlich positiv zu begleiten. Es gehe nicht um Verpflichtung, sondern um ein gemeinsames Ziel.
RetroRide als gemeinschaftliches Erlebnis
Beim RetroRide Zillertal kommen historische Fahrräder, Retro-Outfits und die Freude am Radfahren zusammen. Die Veranstaltung lädt Teilnehmende ein, mit Oldtimerrädern und passender Retro-Kleidung zu fahren.
Kolb erklärt: „Die Veranstaltung dient als geselliger Abschluss der Tiroler Radsportsaison und bietet die Gelegenheit, den Sommer in entspannter Runde ausklingen zu lassen.“ Durch die Information des Klimabündnis Tirol sei man auf die Europäische Mobilitätswoche aufmerksam geworden und sofort positiv überzeugt gewesen.
Möderl sieht in solchen Aktionen die beste Möglichkeit, auf umweltbewusste Mobilität aufmerksam zu machen und die Bürger zu sensibilisieren. Gerade die aktuell hohen Treibstoffpreise würden auch ein Umdenken bewirken.
Bewerbung für 2027 möglich
Gemeinden, die ihre Wege sicherer gestalten möchten, können sich für PRO-BYKE und PRO-FUSS 2027 bewerben. Die Programme werden vom Land Tirol gefördert, für die Gemeinden bleibt lediglich ein Selbstbehalt von 500 Euro plus 0,03 Euro pro Einwohner.
Mittelholz fasst zusammen: „Menschen gehen oder fahren im Alltag dann gerne mit dem Fahrrad, wenn es einfach, sicher, direkt und angenehm ist. Gemeinden, die diese Bedingungen schaffen, erzielen meist die höchsten Anteile an Fuß-und Radverkehr und profitieren gleichzeitig von mehr Lebensqualität, Gesundheit und Verkehrssicherheit.“
Bürgermeister Kolb rät anderen Gemeinden: „Nicht warten, sondern handeln.“
Quelle: https://tirol.klimabuendnis.at/idee-des-monats-sicher-zu-fuss-und-mit-dem-rad
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