Sturm Graz sucht vor CL-Quali noch Verstärkung

Österreichs Vizemeister startet am Dienstag gegen Hearts of Midlothian in die Champions-League-Qualifikation. Trainer Fabio Ingolitsch sieht „viele Fragezeichen“ nach schwieriger Vorbereitung. Noch fehlen ein Linksverteidiger und ein Strafraumstürmer.
Sturm Graz eröffnet bereits am Dienstag die neue Fußball-Saison aus österreichischer Sicht. In der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation trifft der Vizemeister auf Hearts of Midlothian aus Schottland. Trainer Fabio Ingolitsch bezeichnet den Gegner als „ganz harte Nuss“. Nach einer von Verletzungssorgen geprägten Vorbereitung stehen zum Saisonstart „viele Fragezeichen im Raum“.
Das Einkaufsprogramm der Grazer ist noch nicht abgeschlossen. Auf der Wunschliste von Ingolitsch stehen weiterhin ein Linksverteidiger als Ersatz für den in die USA gewechselten Emir Karic sowie ein Strafraumstürmer. Dieser soll dem vom LASK entthronten Meister von 2024 und 2025 die gewünschte Durchschlagskraft verleihen. Die Suche gestaltet sich auf einem inflationsgetriebenen und durch die WM spät anlaufenden Transfermarkt schwierig. Erschwerend kommt hinzu, dass Sturm trotz des Höhenfluges der vergangenen Jahre den Gürtel finanziell enger zieht. Kaderkosten reduzieren, Strukturen verschlanken und Rücklagen bilden lautet das Credo an der Mur.
Acht Angreifer im Kader – Weiper als möglicher Neuzugang
Aktuell stehen acht Angreifer im Kader der Grazer. Zu viele, weshalb Sportchef Michael Parensen händeringend nach Abnehmern sucht. Dennoch hofft Ingolitsch auf baldige Verstärkung. „Die Suche läuft weiterhin auf Hochtouren“, erklärte der Trainer. „Wir brauchen mehr Präsenz in der Box für Situationen, wo wir weniger Raum haben. Eine solche Erweiterung unseres Werkzeugkoffers würde uns gut stehen.“ Laut Medienberichten könnte der Gesuchte Nelson Weiper (21) heißen, der in Mainz auf wenig Spielzeit kam.
Der zweiterfolgreichste Liga-Torschütze hinter Spielmacher Otar Kiteishvili (15 Tore) war in der Vorsaison Seedy Jatta mit vier Toren. Der Norweger wird vereinsintern für sein Arbeitspensum geschätzt, zum Goalgetter wird er aber wohl nicht mehr. Während Transferflop Maurice Malone bei einem Angebot keine Steine in den Weg gelegt würden, gilt Rückkehrer Szymon Wlodarczyk als Gewinner der Vorbereitung. „Er spielt eine große Rolle in unseren Überlegungen“, sagte Ingolitsch über den zuletzt mehrmals verliehenen Polen. Auch Axel Kayombo sowie die Bundesliga-Neuzugänge Jürgen Heil (Hartberg) und Simon Seidl (Blau-Weiß Linz) konnten die spielfreie Zeit für Eigenwerbung nutzen.
Verletzungssorgen in der Kreativabteilung
Ein Kreativ-Trio bereitete Ingolitsch hingegen Sorge. Otar Kiteishvili (Wade), Gizo Mamageishvili (Rücken) und Filip Rozga (neuerliche Oberschenkelverletzung) verpassten viele Einheiten. „Wir hatten unsere Kreativabteilung in der Vorbereitung nicht an Bord und versuchen, das anders aufzufangen“, sagte Ingolitsch. Die beiden Georgier Kiteishvili und Mamageishvili kamen bei der Generalprobe gegen Pogon Stettin (1:0) immerhin wieder zum Einsatz. Ob Kiteishvili angesichts der „suboptimalen Vorbereitung“ für den Ernstfall am Dienstag bereit ist, ließ Ingolitsch offen. Der Stellenwert des zweifachen Bundesliga-Spielers der Saison ist kein Geheimnis. „Alle wissen, dass Otar das Um und Auf in unserem Spiel ist“, bemerkte Ingolitsch.
Zwei Innenverteidiger nicht mehr gewollt
Nicht mehr in Graz gewollt sind die beiden Innenverteidiger Emanuel Aiwu und Niklas Geyrhofer. Ihre Versetzung in die zweite Mannschaft brachte die Fußballergewerkschaft VdF auf den Plan. Der Vorwurf von Mobbing stand im Raum. Nach einer Intervention sind beide Spieler wieder im Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft und verhalten sich laut Ingolitsch „sehr professionell“. Die Ausbootung habe aus rein sportlichen Motiven stattgefunden, betont der Sturm-Coach. „Wir bieten ihnen, solange sie da sind, das bestmögliche Training, hoffen aber gleichzeitig, dass sie zeitnah eine neue Herausforderung finden.“ Aiwus gut dotierter Vertrag läuft noch zwei Jahre.
Auftaktprogramm mit Pflichtsieg-Charakter
Wie zuletzt geht Sturm die Saison an, ohne einen Tabellenplatz auszugeben. Lediglich das Erreichen eines internationalen Startplatzes ist das Ziel des Clubs, der in den jüngsten fünf Saisonen nie schlechter als Ligazweiter war. An den Prinzipien hat Ingolitsch in der Vorbereitung nicht gerüttelt. „Die Basis muss sein, wenig Tore zu kriegen und einfach schwer zu schlagen zu sein.“ Danach gehe es darum, sich auch offensiv zu steigern. „Wir haben in der vergangenen Saison speziell zu Hause zu oft Unentschieden gespielt. Einen Block zu bespielen und mehr Lösungen im letzten Drittel zu finden, ist etwas, das wir besser machen wollen.“
Eingebettet in die wichtigen ersten Europacup-Spiele sind mit Seekirchen (Cup), WSG Tirol, Hartberg, Altach und Lustenau nationale Aufgaben mit Pflichtsieg-Charakter. Ingolitsch: „Ein guter Start kann ein extremer Multiplikator sein, in welche Richtung es für uns geht.“
Quelle: APA
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