Styriarte: Haydns „Schöpfung“ begeistert in Graz

Das Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn stand im Zentrum der diesjährigen Styriarte. Dirigent Patrick Hahn leitete am Dienstag in der Helmut-List-Halle eine überzeugende Aufführung mit dem Festspielorchester, der Camerata Styria und drei Solisten.
Das zweistündige Spätwerk von Joseph Haydn zählt zu den bedeutendsten Oratorien der Wiener Klassik. Bei den „Lichtspielen“ der Styriarte bildete es einen zentralen Programmpunkt. Patrick Hahn, derzeit noch beim Sinfonieorchester Wuppertal tätig, präsentierte das Werk am Dienstag mit großem musikalischem Glanz.
Bereits bei der „Vorstellung des Chaos“, die die musikalische Schöpfungsgeschichte einleitet, zeigte sich die Handschrift des Grazer Dirigenten. Der bald 32-Jährige sorgte für ein ausgewogenes Verhältnis der Instrumentengruppen und einen weichen, transparenten Klang. Beim berühmten C-Dur-Fortissimo zu „Und es ward Licht“ verzichtete Hahn auf übergroße Wucht, ohne die Wirkung dieser Schlüsselstelle zu mindern.
Überzeugende Gesangsleistungen
Die Solisten lieferten hervorragende Leistungen: Bass Philipp Schöllhorn eröffnete mit einem äußerst zart interpretierten Rezitativ, das allerdings von Hustengeräuschen aus dem Publikum beeinträchtigt wurde. Tenor Mario Lerchenberger bewies als Uriel seine lyrische Versiertheit. Tetiana Miyus' Sopran wirkte im Vergleich etwas härter, was jedoch bei den Terzetten im Zusammenklang einen besonderen Reiz erzeugte.
Bei den fröhlich gestalteten Passagen über die Erschaffung der Lebewesen – von Adler und Walfisch bis zum Menschen – ließ Hahn die Streicher hüpfen, die Flöten tirilieren und die Bläser tönen. Zart und romantisch gestaltete sich der dritte Teil mit der Erzählung über Adam und Eva im Paradies, wo Miyus und Schöllhorn im Duett glänzten.
Makelloser Chorklang
Die abschließenden Chorpassagen mit den Lobpreisungen Gottes fielen mächtig, aber nicht überladen aus. Der von Sebastian Meixner eingestellte Chor der Camerata Styria steuerte über die gesamte Länge des Stücks eine makellose Klangwolke bei.
Für die stimmige Gesamtleistung gab es am Ende verdienten, kräftigen Applaus. Einziger Kritikpunkt: Die wabernden, quasi-esoterischen Animationen auf der Leinwand im Bühnenhintergrund wären verzichtbar gewesen. Haydns Musik und die Interpretation des Abends hätten keine bildliche Erläuterung benötigt.
Die zweite und letzte Vorstellung von „Die Schöpfung“ findet heute, am 8. Juli, um 19 Uhr in der Helmut-List-Halle statt. Die Styriarte läuft noch bis 26. Juli 2026.
Quelle: APA
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