Suizidprävention: Ältere Menschen besonders gefährdet

Das Suizidrisiko steigt mit dem Alter stark an. Bei über 85-Jährigen ist es fast fünfmal so hoch wie im Bevölkerungsdurchschnitt. Der Pensionistenverband fordert anlässlich des Welttags der Suizidprävention mehr Unterstützung für Seniorinnen und Senioren in Krisensituationen.
Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), verlangt zum Welttag der Suizidprävention am 10. September verstärkte Maßnahmen für die psychische Gesundheit älterer Menschen. Die Statistik zeige dringenden Handlungsbedarf.
Im Jahr 2024 nahmen sich in Österreich 1.219 Menschen das Leben – 972 Männer und 247 Frauen. Die Gefahr wächst mit den Lebensjahren erheblich: In der Altersgruppe der 75- bis 79-Jährigen liegt das Risiko mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Bevölkerung. Ab 85 Jahren ist es beinahe fünfmal so hoch.
„Diese Zahlen sind ein deutlicher Auftrag zum Handeln. Gerade im Alter können Einsamkeit, gesundheitliche Einschränkungen, der Verlust nahestehender Menschen oder das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, zu schweren Krisen führen. Niemand darf damit allein gelassen werden“, erklärt Gerstorfer.
Forderung nach mehr Prävention und Beratung
Der PVÖ verlangt, Einsamkeit im Alter gezielt zu bekämpfen und mehr Möglichkeiten für Begegnung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu schaffen. Zudem sei ein niederschwelliger, flächendeckender und leistbarer Zugang zu psychosozialer Beratung und professioneller Hilfe notwendig – auch in anonymer Form.
Ältere Menschen müssten stärker in die Gesellschaft eingebunden werden, psychische Krisen im Alter sollten früher erkannt werden. „Suizidprävention beginnt mit Hinschauen und Zuhören. Wir brauchen soziale Netze, die auffangen, und Hilfsangebote, die tatsächlich erreichbar sind. Psychische Gesundheit darf auch im Alter kein Tabuthema sein“, so Gerstorfer.
Kostenlose Lebensberatung und Informationsbroschüre
Der Pensionistenverband bietet seinen Mitgliedern kostenlose Lebensberatung an. Gemeinsam mit dem Kriseninterventionszentrum stellt der Verband die Broschüre „Ich will so nicht mehr weiterleben! – Die Herausforderungen des Älterwerdens meistern“ bereit. Sie klärt darüber auf, wie Suizidgefährdung erkannt werden kann, welche Warnsignale es gibt und welche Hilfsmöglichkeiten bestehen. Die Broschüre ist online sowie kostenlos in den Landesorganisationen des PVÖ erhältlich.
Gerstorfer abschließend: „Jeder Mensch muss auch im Alter Hoffnung, Halt und Perspektiven haben. Dafür tragen wir als Gesellschaft gemeinsam Verantwortung.“
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