Talent Talks: Neue Berufsorientierung in der Steiermark

Pia ProdingerPia Prodinger
Vier Personen vor Schriftzug „Talent is only the starting point“ in Wien
© Uni Graz/Fischer

Die Wirtschaftskammer, die Arbeiterkammer und das AMS Steiermark starten ein gemeinsames Programm zur Berufsorientierung. Eine Umfrage unter 2.687 Jugendlichen zeigt: Nachbetreuung erhöht die Wirkung des Talentchecks deutlich.

Die WKO Steiermark, die Arbeiterkammer Steiermark und das AMS haben gemeinsam das neue Berufsorientierungsprogramm „Talent Talks“ entwickelt. Ziel ist ein durchgängiger Beratungsprozess für Jugendliche. Der Start der Initiative fällt mit dem Beginn des neuen Semesters sowie dem zehnjährigen Jubiläum des Talentcenters zusammen.

Eine aktuelle Befragung des Talentcenters unter 2.687 ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterstreicht den Stellenwert einer gezielten Nachbetreuung. Von jenen Jugendlichen, die ihren Talentreport in der Schule nachbereiteten, gaben 74,6 Prozent an, ihre Stärken und Talente gut oder eher gut zu kennen. Ohne schulische Nachbereitung lag dieser Wert bei 66,5 Prozent. Die Differenz beträgt 8,1 Prozentpunkte. Die Untersuchung wurde zwischen Februar und Juli 2026 durchgeführt.

Drei Partner übernehmen unterschiedliche Aufgaben

Das neue Modell verteilt die Berufsorientierung auf drei Institutionen. Die Arbeiterkammer ist für die Vor- und Nachbereitung in den Schulen zuständig. Das Talentcenter der WKO führt die Potenzialanalysen durch, während die BerufsInfoZentren des AMS individuelle Beratungsgespräche anbieten. Jugendliche sollen dadurch nicht nur einen Talentreport erhalten, sondern auch Unterstützung bei der Ableitung konkreter Bildungs- und Berufsentscheidungen bekommen.

WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk verweist auf die volkswirtschaftliche Bedeutung passender Bildungsentscheidungen. Wenn junge Menschen Ausbildungen wählen, die ihren Fähigkeiten entsprechen, profitierten sowohl die Jugendlichen als auch die Betriebe und die Volkswirtschaft. Angesichts des demografischen Wandels sei es besonders wichtig, vorhandene Talente zu erkennen und zu fördern.

Nachbereitung verbessert Orientierung

Die Befragung zeigt weitere positive Effekte der Nachbetreuung. So entdeckten 35 Prozent der Jugendlichen mit schulischer Nachbereitung durch den Talentreport neue Stärken an sich. Bei Jugendlichen ohne Nachbereitung lag dieser Anteil bei 24,2 Prozent. Das entspricht einem Unterschied von 10,8 Prozentpunkten.

Auch der Einblick in unterschiedliche Berufsfelder fällt größer aus: 53,2 Prozent der Jugendlichen mit Nachbereitung lernten neue Berufe kennen, ohne Nachbereitung waren es 46 Prozent.

Insgesamt geben 28,1 Prozent der Jugendlichen an, durch den Talentreport bisher unbekannte Stärken entdeckt zu haben. 48,6 Prozent wurden auf neue Berufsmöglichkeiten aufmerksam. Zudem steigert der Talentcheck die Sicherheit bei der Ausbildungsentscheidung: 75,3 Prozent der ehemaligen Teilnehmer würden sich erneut für dieselbe Ausbildung entscheiden, bei Jugendlichen ohne Talentcheck liegt dieser Wert bei 71,6 Prozent.

Kostenlose Unterstützung für Schulen

Die Arbeiterkammer Steiermark stellt Schulen seit mehr als zehn Jahren die Berufsorientierungsmappe „My Future“ kostenlos zur Verfügung. Damit können Lehrkräfte Themen wie Interessen, persönliche Fähigkeiten und Ausbildungswege im Unterricht behandeln. Ergänzend bietet die AK für Schulen in Graz und Graz-Umgebung die Workshops „14 Jahre – was nun?“ zur Nachbereitung des Talentreports an.

AK-Präsident Josef Pesserl betont, dass die Bildungslandschaft immer vielfältiger werde und sich auch die Arbeitswelt laufend verändere. Deshalb seien Information, Orientierung und persönliche Beratung wichtiger denn je. Die aktuellen Ergebnisse würden zeigen, dass eine gute Vor- und Nachbereitung das Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten stärkt und neue berufliche Perspektiven eröffnet.

Wissenschaftliche Potenzialanalyse

Im Talentcenter der WKO Steiermark absolvieren Schülerinnen und Schüler der siebenten und achten Schulstufe eine wissenschaftlich fundierte Potenzialanalyse. An 48 Teststationen werden Interessen, kognitive Fähigkeiten, berufsrelevante Kompetenzen, Motorik und Aufnahmefähigkeit erfasst. Auf dieser Grundlage entsteht ein individueller Talentreport mit Vorschlägen für passende Bildungs- und Berufswege über Lehre, Schule oder Studium.

Die BerufsInfoZentren des AMS Steiermark bieten darüber hinaus kostenlose Beratungen an Schulen in der gesamten Steiermark an, bei Bedarf auch gemeinsam mit den Eltern. Laut der stellvertretenden AMS-Landesgeschäftsführerin Yvonne Popper beraten die Expertinnen und Experten der mittlerweile zehn BerufsInfoZentren Schülerinnen und Schüler direkt vor Ort und besprechen die Ergebnisse der Talentreports im Rahmen persönlicher Bildungs- und Berufsberatungen. Das Angebot richtet sich grundsätzlich an Jugendliche und Erwachsene in der gesamten Steiermark.

Zehn Jahre Talentcenter

Die Vorstellung der „Talent Talks“ fällt mit dem zehnjährigen Bestehen des Talentcenters zusammen. Die von der WKO Steiermark gemeinsam mit dem Institut für Psychologie der Universität Graz entwickelte Einrichtung wurde im September 2016 eröffnet. Seither haben, unterstützt von der Bildungsdirektion Steiermark, 56.154 Jugendliche einen Talentcheck absolviert.

Universitätsrektor Peter Riedler bezeichnet die Wahl des Bildungs- und Berufswegs als eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben. Seit mittlerweile zehn Jahren unterstütze das Talentcenter junge Menschen auf diesem Weg. Grundlage dafür sei die wissenschaftliche Arbeit der Universität Graz, die mit wirtschaftlichem Praxiswissen verbunden werde.

Heute wird das Angebot von Schulen in allen Regionen der Steiermark genutzt. 61 Prozent der steirischen Mittelschulen und AHS-Unterstufen nehmen daran teil. 87 Prozent der Schülerinnen und Schüler bewerten den Besuch mit „sehr gut“ oder „gut“. Jährlich absolvieren rund 6.500 Jugendliche den Talentcheck, davon 60 Prozent aus Mittelschulen und 40 Prozent aus AHS-Unterstufen.

Eine internationale Auszeichnung erhielt das Talentcenter im Jahr 2019 beim Kongress der International Chamber of Commerce mit dem Preis „Best Education and Training Project“. Seit 2023 arbeitet zudem das Talentcenter in Bozen nach dem steirischen Modell und erreicht jährlich rund 3.500 weitere Jugendliche. Insgesamt werden nach diesem Konzept jedes Jahr rund 10.000 junge Menschen getestet.

Quelle: https://www.uni-graz.at/de/neuigkeiten/talent-talks-schliessen-luecke-in-der-berufsorientierung

Worüber spricht Graz morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.