Techkonzerne werden zu Großschuldnern am Anleihenmarkt

Pia Prodinger
Laptop mit Spiegelung einer Frau am Tisch in einem Büro
© fh-joanneum.at

Alphabet, Amazon und andere Technologieriesen nehmen Milliarden am Kapitalmarkt auf, um ihre Investitionen zu finanzieren. Die Hyperscaler vereinnahmen mittlerweile rund zehn Prozent aller Anleihenemissionen – eine strukturelle Verschiebung mit Folgen für alle Anleger.

Die großen Technologiekonzerne verändern den Anleihenmarkt grundlegend. Während sie vor wenigen Jahren noch auf enormen Barreserven saßen und Aktienrückkäufe tätigten, benötigen sie nun frisches Kapital. Alphabet, Amazon und andere sogenannte Hyperscaler haben in den vergangenen Monaten Milliardenbeträge über Anleihen aufgenommen.

Allein Alphabet rechnet damit, in den kommenden Jahren 200 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung investieren zu müssen – das entspricht nahezu einem Drittel der jährlichen Wirtschaftsleistung Österreichs. Der Grund: Die Unternehmen müssen massiv investieren, um im Wettbewerb nicht abgehängt zu werden.

Cloud-Wachstum bei gleichzeitigem Kapitalbedarf

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen das Dilemma. Das Cloud-Segment von Alphabet wuchs um 82 Prozent – ein beeindruckendes Ergebnis. Doch um dieses Tempo zu halten, sind enorme Investitionen nötig. Auch Tesla kämpft mit dieser Herausforderung: Der Umsatz stieg zwar um 26 Prozent, der Gewinn brach jedoch deutlich ein. Gleichzeitig sanken die Cash-Reserven um mehr als 1,1 Milliarden Dollar.

Diese Kapitalknappheit betrifft viele große Technologieunternehmen. Sie müssen investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben – und holen sich das Geld am Anleihenmarkt.

Zehn Prozent aller Emissionen gehen an Techkonzerne

Die Hyperscaler vereinnahmen mittlerweile zusammen rund zehn Prozent aller Anleihenemissionen. Das ist eine strukturelle Änderung an den Kapitalmärkten. Anleihenindizes waren bisher im Gegensatz zur Dominanz in den Aktienmärkten nahezu Tech-frei. Doch die Bedeutung und damit auch die Abhängigkeit von Technologieunternehmen nimmt zu – sowohl für private als auch für institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen.

EZB lässt Zinsen unverändert

Parallel dazu hat die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen unverändert gelassen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde verwies auf die fragile geopolitische Lage und trübe Wachstumsaussichten für Europa. Die Inflationsrisiken hätten nach dem Anstieg der Energiepreise weiter zugenommen. Der Ölpreis ist seit Anfang Juli um über 30 Prozent gestiegen, der Dieselpreis hat wieder die Marke von 2 Euro überschritten.

Lagarde sprach von einem exogenen Energieschock – das Argument, weshalb die EZB trotz gestiegener Inflationssorgen die Zinsen nicht angehoben hat.

Quelle: https://www.fh-joanneum.at/news/woechentlicher-boersenbrief-155

Worüber spricht Graz morgen?

Bald verfügbar: Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.