Tennengau feiert 130 Jahre als eigenständiger Bezirk

Pia ProdingerPia Prodinger
Schloss und Stadt Gmunden am Traunsee mit Bergkulisse
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Der Tennengau wurde am 1. September 1896 vom Bezirk Salzburg-Land abgetrennt und ist damit der jüngste Bezirk des Bundeslandes. Ein Festakt in Hallein würdigt das Jubiläum mit historischen Anekdoten zur Gründung.

Der Tennengau besteht seit 130 Jahren als eigenständiger Verwaltungsbezirk. Aus Anlass des Jubiläums findet am 1. September in der Bezirkshauptmannschaft Hallein ein Festakt statt, an dem die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Bezirks teilnehmen. Historiker Wolfgang Wintersteller wird dabei einen Festvortrag halten und besondere sowie kuriose Fakten rund um die Bezirksgründung präsentieren.

Zu groß für eine Verwaltung mit dem Pferdegespann

Die Trennung vom Bezirk Salzburg-Land erfolgte vor allem aus organisatorischen Gründen. In der Zeit der Monarchie galt die Vorgabe, dass ein Bezirkshauptmann mit dem Pferdegespann selbst die entlegensten Orte seines Zuständigkeitsbereichs an einem Tag erreichen und wieder zurückkehren können sollte. Im rund 1.700 Quadratkilometer großen Bezirk Salzburg-Land war dies jedoch nicht mehr möglich. Als ideale Größe für einen Verwaltungsbezirk galten damals etwa 1.000 Quadratkilometer.

Bereits seit 1868 bestanden im Herzogtum Salzburg die Bezirke Salzburg-Land, Pinzgau, Pongau und Lungau. Vor allem für ältere Menschen aus weiter entfernten Gemeinden war der Weg zum Bezirkshauptort oft kaum zumutbar, erklärt Wintersteller.

Petition ebnete den Weg zur Bezirksgründung

Im Jahr 1894 starteten mehrere Gemeinden im Süden des Bezirks Salzburg-Land eine Petition mit dem Ziel, eine eigene Bezirkshauptmannschaft zu erhalten. Im selben Jahr brachte der Salzburger Landtagsabgeordnete Julius Haagn einen entsprechenden Antrag ein. Unterstützung erhielt das Vorhaben vom damaligen Halleiner Bürgermeister Josef Schöndorfer, der darin eine Aufwertung für die Stadt sah.

Der Salzburger Landespräsident Sigmund Graf von Thun und Hohenstein beantragte schließlich 1895 beim k.k. Innenministerium die Errichtung einer Bezirkshauptmannschaft im Tennengau. Noch im selben Jahr genehmigte Kaiser Franz Joseph das Vorhaben. Mit 1. September 1896 trat die Gründung offiziell in Kraft.

Streit um den Standort der Bezirkshauptmannschaft

Die Zusammensetzung des neuen Bezirks orientierte sich an den Gerichtsbezirken Abtenau, Golling und Hallein. Alle Gemeinden, die diesen Sprengeln zugeordnet waren, wurden Teil des Tennengaus.

Im Jahr 1895 entbrannte zwischen Hallein und Golling ein Streit um den Sitz der neuen Bezirkshauptmannschaft. Das k.k. Innenministerium brachte zwischenzeitlich die Einbindung des Bezirksgerichts Werfen ins Spiel, was die Lage Gollings begünstigt hätte. Die Gemeinde Golling warb daraufhin mit einem Bericht an das Ministerium für sich und verwies unter anderem auf die gute Luftqualität, sauberes Trinkwasser sowie den Umstand, von Epidemien verschont geblieben zu sein. Letztlich fiel die Entscheidung jedoch zugunsten von Hallein.

Eingemeindung durch politisches Manöver

Noch bevor Hallein 1896 Bezirkshauptort wurde, kam es 1895 zu einer bedeutenden Gebietsänderung. Die bis dahin selbstständigen Gemeinden Burgfried und Taxach-Rif wurden mit Hallein vereint. Unter der Führung von Landeshauptmann Albert Schumacher wurde die Eingemeindung durch ein politisches Manöver im Landtag ermöglicht.

Bei der entscheidenden Abstimmung stand es zunächst elf zu elf. Schumacher legte daraufhin den Vorsitz zurück und konnte dadurch selbst abstimmen. Ein Gegner der Eingemeindung übernahm den Vorsitz. Am Ende wurde die Eingemeindung mit zwölf zu zehn Stimmen beschlossen. Später erhob der Kaiser Schumacher in den Adelsstand, wobei dieser den Titel „Ritter vom Tännengau“ wählte.

Einschnitt während der NS-Zeit

Zwischen März 1938 und Mai 1945 bestand im Tennengau keine Bezirkshauptmannschaft. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde stattdessen ein sogenanntes Landesratsamt eingerichtet. Der damalige Bezirkshauptmann Rudolf Dworzak wurde unmittelbar nach dem Anschluss verhaftet und bei öffentlichen Reinigungsarbeiten gedemütigt. Dabei musste er Parolen des Ständestaates entfernen.

Dworzak galt den Nationalsozialisten als Feindbild, da er zuvor regelmäßig Arbeitskolonnen aus Sozialisten, Kommunisten und Nationalsozialisten zusammengestellt hatte, um politische Parolen beseitigen zu lassen. Während der NS-Zeit wurde unter anderem Oberalm nach Hallein eingemeindet. Nach Kriegsende führte dies zu heftigen Konflikten zwischen den beiden Gemeinden. Erst 1952 erhielt Oberalm seine Selbstständigkeit zurück.

Bevölkerung deutlich gewachsen

Seit der Bezirksgründung hat sich die Einwohnerzahl des Tennengaus nahezu verdreifacht. Während im Jahr 1900 rund 22.400 Menschen im Bezirk lebten, waren es zu Jahresbeginn 2026 exakt 62.185 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit stieg die Bevölkerungszahl um den Faktor 2,8. Stärker fiel das Wachstum lediglich im Flachgau und in der Stadt Salzburg aus, berichtet Landesstatistiker Gernot Filipp.

Mit einem Durchschnittsalter von 42,9 Jahren war der Tennengau im Jahr 2025 zudem der jüngste Bezirk Salzburgs. Der Anteil der unter 20-Jährigen lag bei 20,8 Prozent. Zwischen dem 1. Jänner 2015 und dem 31. Dezember 2024 verzeichnete Hallein aufgrund eines Geburtenüberschusses ein Bevölkerungsplus von 2,3 Prozent und erreichte damit den höchsten Wert im Bezirk.

Breites Aufgabenspektrum der Bezirksverwaltung

Schon vor mehr als 2.500 Jahren war der Tennengau ein bedeutendes Wirtschaftszentrum. Grundlage dafür war der Salzabbau am Dürrnberg. Auch im Mittelalter und in der frühen Neuzeit trug das „weiße Gold“ maßgeblich zum Wohlstand Salzburgs bei. Mit der Industrialisierung entwickelten sich zudem zahlreiche Betriebe in Hallein.

„Der gesamte Bezirk hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sowohl als Wirtschafts- als auch als Wohnstandort stark entwickelt. Industrie, Landwirtschaft, Bildung, Sicherheit, Soziales und Verkehr: Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Aufgaben der Bezirkshauptmannschaft wider“, betont Bezirkshauptfrau Monika Vogl.

Der Tennengau in Zahlen

Der Tennengau umfasst eine Fläche von 668 Quadratkilometern und besteht aus 13 Gemeinden. Flächenmäßig größte Gemeinde ist Abtenau mit 186,95 Quadratkilometern, die kleinste Gemeinde ist Oberalm mit 6,39 Quadratkilometern.

Nach Einwohnerzahl liegt Hallein mit 21.607 Einwohnern (Stand: 1. Jänner 2026) an der Spitze. Damit lebt rund ein Drittel der Bezirksbevölkerung (34,8 Prozent) in der Stadt. Die kleinste Gemeinde des Bezirks ist Rußbach am Pass Gschütt mit 784 Einwohnern.

Der höchste Berg des Tennengaus ist der Hohe Göll mit 2.522 Metern Seehöhe. Als längster Fluss gilt die Lammer, größter See des Bezirks ist der Wiestalstausee.

Quelle: https://www.badvigaun.at/Tennengau_Salzburgs_juengster_Bezirk_existiert_seit_130_Jahren

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