TFA-Belastung im Grundwasser in fünf Jahren verdoppelt

Die Konzentration der Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) im österreichischen Grundwasser ist an allen 16 wiederholt untersuchten Messstellen innerhalb von rund fünf Jahren gestiegen. Im Mittel erhöhte sich der Wert von 1,36 auf 2,86 Mikrogramm pro Liter.
Eine wissenschaftliche Auswertung amtlicher Messdaten zeigt einen deutlichen Anstieg der TFA-Belastung im Grundwasser. An sämtlichen 16 Messstellen, die wiederholt untersucht wurden, stieg die Konzentration der Chemikalie innerhalb von etwa fünf Jahren. An keiner einzigen Stelle blieb der Wert konstant oder sank.
„Diese Zahlen offenbaren nicht nur ein Belastungsproblem, sondern eines, das sich rasch verschärft. Genau diese Kombination aus bereits hohen Konzentrationen und weiterem Anstieg macht den Befund so beunruhigend“, erklärt Helmut Burtscher-Schaden, Erstautor der Studie und Umweltchemiker bei GLOBAL 2000. Er fordert einen Ausstieg aus PFAS-Pestiziden und fluorierten Gasen.
Die Analyse wurde von Burtscher-Schaden gemeinsam mit Thilo Hofmann (Universität Wien), Angeliki Lyssimachou (PAN Europe), Mattias Öberg (Karolinska Institutet) und Hans Peter Arp (Norwegian Geotechnical Institute / NTNU Trondheim) in einem wissenschaftlichen Preprint veröffentlicht. Die Messdaten stellte das Landwirtschaftsministerium (BMLUK) nach dem Umweltinformationsgesetz zur Verfügung.
Ackerbauregionen am stärksten betroffen
Das BMLUK untersuchte in beiden Messprogrammen jeweils rund 100 Grundwassermessstellen, meist an unterschiedlichen Standorten. Die höchsten mittleren TFA-Werte gab es 2024 – genau wie schon 2018/2019 – in den Bundesländern mit viel Ackerbau: Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark. Deutlich niedrigere Werte wurden in Vorarlberg, Tirol, Wien, Salzburg und Kärnten gemessen.
Burtscher-Schaden verglich die TFA-Belastungen auch mit Nitrat- und Pestizidrückständen. Dort, wo hohe TFA-Werte gemessen wurden, waren meist auch die Belastungen durch Nitrat und Pestizidrückstände höher. Der Umweltchemiker erklärt: Dieses räumliche Muster sei ein weiterer Hinweis darauf, dass PFAS-Pestizide deutlich zur TFA-Belastung des Grundwassers in Regionen mit viel Ackerbau beitragen.
Werte liegen deutlich über EU-Grenzwert
Für toxikologisch bedenkliche Abbauprodukte von Pestiziden gilt im Grundwasser ein EU-Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. TFA ist ein solches bedenkliches Abbauprodukt. Die mittlere TFA-Konzentration an den 2024 untersuchten Messstellen lag bei 2,4 Mikrogramm pro Liter – das ist rund 24-mal so viel wie erlaubt.
Auch die toxikologische Einschätzung ist strenger geworden: Im Juni 2026 empfahl die EU-Chemikalienagentur ECHA, TFA in die Kategorie 1B als fortpflanzungsgefährdend einzustufen. Folgt die EU-Kommission dieser Empfehlung, gilt TFA in ganz Europa als giftig für die Fortpflanzung. Im Juli senkte die EU-Lebensmittelbehörde EFSA außerdem die als sicher geltende tägliche Aufnahmemenge um mehr als 70 Prozent.
„Was in Österreich gemessen wurde, ist mehr als ein lokaler Befund: TFA reichert sich weltweit an, und was heute entsteht, bleibt im Wasserkreislauf“, sagt Mattias Öberg, Toxikologe am schwedischen Karolinska Institutet und Ko-Autor der Studie. Die entscheidende Frage sei nicht nur, ob die heutigen Konzentrationen bereits schädlich sind, sondern auch, welches Niveau künftigen Generationen hinterlassen werde.
GLOBAL 2000 fordert Ausstieg aus PFAS-Pestiziden
Die Umweltschutzorganisation fordert von Bundesregierung und EU-Kommission einen raschen Ausstieg aus PFAS-Pestiziden und eine entschlossene Umsetzung des europäischen PFAS-Gruppenverbots. Zudem brauche es ein dauerhaftes TFA-Monitoring mit wiederholten Messungen an denselben Standorten.
„Wenn toxikologisch relevante Abbauprodukte von Pestiziden das Grundwasser über 0,1 Mikrogramm pro Liter belasten können, müssen die betreffenden Zulassungen überprüft und gegebenenfalls geändert oder aufgehoben werden“, sagt Angeliki Lyssimachou, Senior Scientist bei PAN Europe. Die österreichischen Ergebnisse seien ein Warnsignal für die EU.
Anstieg in amtlichen Berichten nicht sichtbar
BMLUK veröffentlichte beide Messserien getrennt, ohne Vergleich – Anstieg bleibt in amtlichen Berichten unsichtbar. GLOBAL-2000-Geschäftsführerin Alexandra Strickner: Politik/Behörden müssen Gesundheit und Wasserressourcen vor chemischer Dauerbelastung schützen.
Forderung an Landwirtschaftsministerium/-kammer: Rahmenbedingungen für PFAS-Pestizid-Ausstieg schaffen, Landwirte bei Alternativen unterstützen. Fehlender Anstieg in amtlichen Berichten sei erklärungsbedürftig.
Hintergrundinformationen zu TFA
TFA ist ein sehr mobiles PFAS. In der Umwelt wird es praktisch nicht abgebaut, und mit normaler Trinkwasseraufbereitung lässt es sich kaum entfernen. Es entsteht unter anderem beim Abbau von fluorierten Pestiziden, Kältemitteln, Arzneimitteln und Industriechemikalien.
Die Höhe der TFA-Belastung im Grundwasser ist beispiellos: An 104 Messstellen, an denen Daten zu beiden Werten vorliegen, war die mittlere TFA-Konzentration 264-mal so hoch wie die mittlere Summe der übrigen 27 PFAS, die 2022 an denselben Stellen gemessen wurden.
Vergleicht man die beiden vollständigen Messserien, lag die durchschnittliche TFA-Belastung 2024 mit 2,42 Mikrogramm pro Liter mehr als dreimal so hoch wie 2018/2019 mit 0,78 Mikrogramm pro Liter. Da dabei aber meist unterschiedliche und gezielt "belastungsorientiert" ausgewählte Messstellen untersucht wurden, ist dieser Vergleich kein Beweis für einen zeitlichen Trend. Verlässlich ist dagegen die Verdopplung an den 16 wiederholt beprobten Messstellen.
Quelle: OTS
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