„The Stories“ bringt Familiengeschichte ins Kino

Der ägyptische Regisseur Abu Bakr Shawky mit österreichischen Wurzeln präsentiert ab Freitag seinen dritten Langfilm in den heimischen Kinos. Das tragikomische Werk basiert auf der Geschichte seiner eigenen Eltern.
Abu Bakr Shawky verarbeitet in seinem neuen Film die Lebensgeschichte seiner Eltern und seiner ägyptischen Kindheit. Nach „Yomeddine“ und dem mehrfach ausgezeichneten „Hajjan“ legt der Filmemacher nun mit „The Stories“ sein drittes Langfilmprojekt vor. Seine Mutter stammt aus Villach.
Fünf Episoden durch zwei Jahrzehnte
Das Werk gliedert sich in fünf Episoden und spielt überwiegend in Ägypten zwischen 1967 und 1984. Jede Episode ist zeitlich mit bedeutenden historischen Ereignissen verknüpft: vom Sechstagekrieg über Proteste gegen Wirtschaftsreformen bis zur Ermordung von Anwar as-Sadat und der Regierungszeit von Hosni Mubarak. Nur die zweite Episode spielt teilweise in Wien.
Von der Brieffreundschaft zur Liebe
Die Geschichte beginnt damit, dass der junge Ahmed (gespielt von Amir El-Masri) Post aus Österreich erhält. Eine gewisse Elisabeth hat auf seine Anfrage nach einer internationalen Brieffreundschaft geantwortet. Ahmed wohnt mit seinen Eltern, Brüdern und mehreren fußballbegeisterten Onkeln in einer beengten Wohnung in Kairo. Seine musikalischen Versuche an einem verstimmten Klavier bringen den Nachbarn regelmäßig zur Weißglut. Die erste Episode endet mit dem Ausbruch des Sechstagekriegs, in dem Zwillingsbruder Hassan eingezogen wird.
Sechs Jahre später erhält Ahmed ein Stipendium für ein Musikstudium in Österreich. Die Brieffreundschaft mit Elisabeth, mittlerweile Liz genannt (dargestellt von Valerie Pachner), hat sich zu einer Liebesbeziehung entwickelt. Die österreichische Familie – Maria Hofstätter und Johannes Krisch spielen die Eltern – steht der Verbindung unsicher gegenüber. Als Ahmed erfährt, dass sein Bruder im Jom-Kippur-Krieg gefallen ist, reist er überstürzt nach Ägypten zurück und arbeitet dort als Musiklehrer.
Besuch in Kairo und Hochzeit
Vier Jahre später kommt Liz nach Ägypten und macht Bekanntschaft mit Ahmeds chaotischer Großfamilie. Sie fängt an, die Geschichten, die ihr dort begegnen, niederzuschreiben, und entwickelt den Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Als in Kairo Unruhen wegen harter Wirtschaftsreformen ausbrechen, plant Liz zunächst die Rückkehr nach Österreich. Doch noch vor dem Abflug ändert sie ihre Meinung, und die beiden heiraten. Danach folgen erneut schwierige Zeiten.
Historische Details und sentimentale Helden
Die farbenfrohe, aufwendig produzierte Handlung wird von historischen Originalfilmausschnitten begleitet. Besonders auffällig ist die einfühlsame Darstellung von Menschen, die scheinbar vom Pech verfolgt werden – allen voran Ahmed. Seine Erlösung findet er, als er nach seinem ersten öffentlichen Konzertauftritt ein Foto mit dem Präsidenten erhält – eine Auszeichnung, die einst auch seinem Vater zuteilwurde.
Der Film besticht durch seine Liebe zu historischen Details, von der Ausstattung bis zur zeittypischen Musik – martialische Märsche in Ägypten, „Ziwui Ziwui“ im österreichischen Radio. Zwischen nüchtern erzählter Epik und einer etwas zu sentimentalen Darstellung der kleinen Helden pendelnd, überzeuge „The Stories“ vielleicht nicht vollständig, sei aber großangelegtes Leinwandkino, das internationales Publikum anziehen werde, heißt es.
Quelle: APA
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