Theaterfestival in Litschau wird internationaler

Mathias FischerMathias Fischer
© Donald Tong / Pexels (Symbolbild)

Das Festival „Hin & Weg“ in Litschau zeigt heuer unter dem Motto „Schuld und Schönheit“ eine stark internationale Ausrichtung. Neben heimischen Produktionen beeindruckten vor allem Ensembles aus Tschechien und der Ukraine beim ersten Festivalwochenende.

Das erste Wochenende des Theaterfestivals „Hin & Weg. Tage für zeitgenössische Theaterunterhaltung“ im waldviertlerischen Litschau hat die thematische Vielfalt des heurigen Mottos „Schuld und Schönheit“ deutlich gemacht. Besonders ins Auge stach dabei die zunehmende Internationalität der gezeigten Aufführungen.

Festivalleiter Zeno Stanek nutzte die Eröffnung am Freitag für ein klares politisches Bekenntnis. Jeder Krieg sei eine Zumutung, betonte er und rief dazu auf: „Wir empören uns gegen die Krieger, Mörder, Weltruinierer. Aktivieren wir die Trotzmacht des Geistes!“ Im Anschluss zeigte das Südböhmische Theater Budweis die Tanzperformance „Young, beautiful and forever“ – eine scharfe Auseinandersetzung mit dem medialen Contest-Wahnsinn, angesiedelt zwischen „A Chorus Line“ und „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“.

Von Müll-Märchen bis ukrainischer Elegie

Der tschechische Müll-Zirkus „Lacna-Cna“ präsentierte ein postapokalyptisches Märchen aus Abfall auf der grünen Wiese. Die Wienerwälder Klageweiber luden zu einer therapeutischen Wanderung, bei der gemeinsam gejammert und geklagt werden durfte.

Eine besonders eindringliche Produktion zeigte ein junges ukrainisches Ensemble im Herrenseetheater: In „Not Edens Garden“ berichten fünf junge Frauen von ihren durch den Krieg geprägten Jugendjahren. „Die Hälfte meines Lebens habe ich mit dem Krieg verbracht“, lautet eine der Aussagen. Die Frauen verstehen sich jedoch nicht als Opfer und erinnern an die heimatlichen Traditionen, Lieder und die Natur.

Körperunzufriedenheit und Religionskritik

Mit der Unzufriedenheit von Menschen mit ihren Körpern – und umgekehrt – beschäftigt sich die Produktion „KörperSchafft“ mit Jo Bertl, Anne-Sophie Delmas und Amina Mostageer. Klaustrophobische 30 Minuten bietet Harold Pinters Zweipersonenstück „Der stumme Diener“, eine Kooperation mit dem Max Reinhardt Seminar, in dem zwei überforderte Auftragskiller in einem Keller ausharren.

In „Oh mein Gott!“ von Anat Gov liefern Katharina Stemberger als distinguierte Psychotherapeutin und Wolf Bachofner als depressiver Gott treffende Religionskritik: Gott werden analytisch Verlustängste, Eifersucht und Machtneurosen diagnostiziert. Als ebenso unterhaltsam wie intelligent erwies sich „Jimmy. A ridiculous tragedy“ über Erwachsenwerden und Männlichkeit. Richard Kimberley bietet mit Comedy, Pantomime, Körpersprache und britischem Humor eine köstliche Studie über Rollenverhalten und bindet das Publikum geschickt ein.

Frühstücksgespräche mit prominenten Gästen

Die Frühstücksgespräche mit Ö1-Redakteur Bernhard Fellinger widmeten sich dem Thema „Wunsch und Wirklichkeit“. Am Samstag sprach Adelsexpertin Lisbeth Bischoff über Skandale an Europas Königshöfen, Gudrun Hamböck (Ö1) über die Sehnsucht nach Schönheit.

Am Sonntag war die ehemalige Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky zu Gast und sprach offen über ihre Krebserkrankung. „Nicht aufgeben!“ lautet ihr Appell. Sie mache nur noch, was ihr Freude bereite, so Kdolsky, die ihre Zeit als Ministerin als schwierige Erfahrung beschrieb. Maskenbildnerin Karin Schön, Florist Andreas Bamesberger und „Jimmy“-Darsteller Kimberley steuerten ihre Perspektiven zum Thema Schönheit bei, die letztlich im Auge des Betrachters liege.

Jubiläum und Landesausstellung

Das Festival wird seinem Ruf als Ort spannender Theatererlebnisse in entspannter Atmosphäre an verschiedenen Spielstätten und in unterschiedlichen Formaten und Genres sowie mit Workshops zwischen den Wochenenden weiterhin gerecht. Intendant Stanek kündigte an: „Die Internationalisierung wird auch zum Zehn-Jahre-Jubiläum von Hin & Weg 2027 fortgesetzt und findet einen Höhepunkt im Rahmen der NÖ Landesausstellung 2028, die von Litschau über Gmünd bis Groß Gerungs stattfinden wird – und mit Budweis, der Kulturhauptstadt Europas 2028, eine grenzen-lose Zusammenarbeit lebt.“

Das Festival „Hin & Weg. Tage der zeitgenössischen Theaterunterhaltung“ läuft noch bis 16. August in Litschau.

Quelle: APA

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