Tierquäler in Rechnitz in U-Haft – Pfotenhilfe sieht Wende

Pia ProdingerPia Prodinger
©APA/EVA MANHART (Symbolbild)

Ein Mann, der in Rechnitz eine Katze mit einer Rohrzange getötet und gefilmt hat, sitzt in Untersuchungshaft. Die Tierschutzorganisation Pfotenhilfe wertet die Entscheidung der Staatsanwaltschaft als möglichen Paradigmenwechsel in der Justiz.

Die Tierschutzorganisation Pfotenhilfe zeigt sich überrascht über die von der Staatsanwaltschaft angeordnete Untersuchungshaft gegen einen Mann, der in Rechnitz eine Katze mit einer Rohrzange erschlagen, ihr den Kopf abgetrennt und die Tat gefilmt hat. Nach Angaben der Organisation habe es eine solche Maßnahme in vergleichbaren Fällen bisher nicht gegeben, obwohl sie wegen Wiederholungs- oder Verdunkelungsgefahr oft angebracht gewesen wäre.

Jürgen Stadler, Sprecher der Pfotenhilfe, fragt sich, ob dies der Beginn einer neuen Ära sei. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Gerichtsverfahren wegen Tierquälerei und fordert seit langem, dass diese von der Justiz ernstgenommen werden müssen. Abscheulich grausame Taten gebe es relativ häufig, so Stadler. Als Beispiel nennt er den Fall des Katers Schmotzer, der mit einem Bolzenschussgerät und einer Schaufel zu Tode gequält wurde. Der Freispruch in diesem Fall sei nach Ansicht der Pfotenhilfe ein Fehlurteil, das allein schon wegen der Signalwirkung nicht bestehen bleiben dürfe.

Verbindung zwischen Tiergewalt und Gewalt gegen Menschen

Die Pfotenhilfe hofft auch auf einen Paradigmenwechsel beim Umgang mit dem Zusammenhang von Gewalt an Tieren und Menschen. Als aktuelles Beispiel führt Stadler den Fall Marchtrenk an, wo die Ex-Frau des Haupttäters berichtet habe, dass dieser den Familienhund massiv misshandelt habe. Das Tier habe sich aus Angst bei seinem Anblick eingenässt.

Forderung nach höherem Strafrahmen

Die Organisation fordert eine Erhöhung des Strafrahmens für Tierquälerei auf fünf Jahre. Die derzeitige Rechtslage sei eine Verhöhnung der Opfer, erklärt Stadler. Zudem verlangt die Pfotenhilfe verpflichtende Schulungen für Justizbehörden, damit Tierquälerei nicht länger als Kavaliersdelikt behandelt werde. Kriminalpsychologen würden seit langem warnen, dass die nächsten Opfer oft Menschen seien. Viele Gewalttaten wären möglicherweise verhinderbar, wenn Tierquälerei endlich ernstgenommen würde, so Stadler.

Auf die meisten Betrugsfälle stünden drei bis zehn Jahre Freiheitsstrafe, gibt der Sprecher zu bedenken. Er richtet sich direkt an Justizministerin Sporrer mit der Frage, ob ein fühlendes, leidensfähiges Lebewesen wirklich so viel weniger wert sei. Tiere seien keine Sachen, wie sie im Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) von Kaiser Franz I. aus dem Jahr 1812 noch immer bezeichnet würden, sondern fühlende Lebewesen. Auch hier müsse dringend novelliert werden.

Wissenschaftliche Bestätigung des Zusammenhangs

Univ.-Prof. Dr. Birgit U. Stetina von der Psychologischen Fakultät der Sigmund-Freud-Universität Wien hielt 2023 einen Vortrag zu diesem Thema. Sie stellte fest, dass signifikante Zusammenhänge zwischen Tierquälerei, Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung, häuslicher Gewalt, Misshandlung älterer Menschen und anderen Formen von Gewalt bestehen. Forscher bestätigten, dass die Misshandlung von Tieren nicht mehr als isolierter Vorfall angesehen werden könne, der ignoriert werden dürfe. Gewalt gegen Tiere sei oft ein Indikator oder ein Prädiktor für Kriminalität und ein Warnzeichen dafür, dass andere Familienmitglieder im Haushalt möglicherweise nicht sicher seien.

Quelle: OTS

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