Tittler einstimmig bestätigt – Wirtschaftsbund setzt auf Standort

Pascal KeckPascal Keck
Vier Männer stehen in einer Reihe vor einer Industrieanlage in Vorarlberg.
© Dietmar Mathis

Der Wirtschaftsbund Vorarlberg hat Marco Tittler mit 100 Prozent als Landesobmann wiedergewählt. Bei der Hauptversammlung in Feldkirch präsentierte er die Arbeitsschwerpunkte: Bürokratieabbau, Fachkräfteoffensive und Verkehrslösungen ohne Denkverbote.

Bei der 27. Landesgruppen-Hauptversammlung im Montforthaus Feldkirch erhielt Landesrat Marco Tittler als Landesobmann einstimmige Zustimmung. Auch der gesamte Landesvorstand wurde mit 100 Prozent bestätigt. Im Zentrum der Veranstaltung standen die künftigen Arbeitsschwerpunkte unter dem Motto „Standort stärken, wettbewerbsfähig bleiben“.

„In wirtschaftlich turbulenten Zeiten benötigen Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen“, erklärte Tittler. Die Schwerpunkte umfassen die Bereiche Wirtschaftsstandort, Arbeitsmarkt und Lebensraum Vorarlberg.

Einheitlicher Auftritt und digitale Verfahren

Unter dem Leitsatz „Ein Standort. Ein Auftritt. Weniger Bürokratie.“ soll Vorarlberg künftig mit einer einheitlichen Positionierung im Wettbewerb der Regionen auftreten. Ein digitales Service-Portal soll Betriebsanlagenverfahren jederzeit einreichbar und nachverfolgbar machen. Der Abbau von Bürokratie müsse auch auf Bundes- und EU-Ebene konsequent vorangetrieben werden.

Fachkräfte, Netto-Entlastung und neue Anreize

Am Arbeitsmarkt lautet die Devise: „Mehr Fachkräfte. Mehr Netto. Neue Wege.“ Eine Fachkräfteoffensive soll mehr Menschen in Qualifizierung bringen, Lehrlinge und Betriebe gezielt unterstützt werden. Mehrarbeit müsse sich wieder lohnen: Überstunden sollen weiter steuerlich begünstigt, Leistungsprämien bis 3.000 Euro jährlich steuerfrei sein. Auch Anreize für „Arbeiten in der Pension“ und neue Ansätze bei der ökonomischen Zuwanderung sollen geprüft werden.

Verkehr, Gewerbeflächen und leistbarer Wohnraum

Beim Lebensraum fordert der Wirtschaftsbund Verkehrslösungen ohne Denkverbote – sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße in die Nachbarländer. Weitere Ziele sind ausreichend Gewerbeflächen und leistbarer Wohnraum. Die Bautechnikverordnung soll vereinfacht, mit dem „Gebäudetyp V“ praxisnahe Abweichungen von starren Normen geprüft werden. Projekte wie Wohnen550 sollen jungen Fachkräften leistbaren Wohnraum auf Zeit bieten.

Schultz: „Betriebe wollen einfach arbeiten dürfen“

Im Anschluss fand das 2. Vorarlberger Wirtschaftsgespräch mit WKÖ- und Wirtschaftsbund-Präsidentin Martha Schultz statt. Unter dem Titel „Österreich kann mehr: Machen wir Unternehmertum wieder einfacher“ sprach Schultz mit Wirtschaftsbund-Referent Jonas Mayrhofer, der das Gespräch moderierte.

Als Unternehmerin wisse sie, wo der Schuh drücke, so Schultz. Hohe Kosten, Fachkräftemangel und vor allem ausufernde Bürokratie bremsten die Betriebe. Von der Bundesregierung forderte sie Taten statt Ankündigungen: weniger Berichtspflichten, schnellere Genehmigungen und kein Gold-Plating.

„Unsere Betriebe wollen einfach arbeiten dürfen. Bürokratieabbau ist der größte Hebel und zugleich die günstigste Wirtschaftsförderung, die es gibt. Für jede neue Regel müssen zwei alte fallen, und wo es möglich ist, gilt: beraten statt strafen“, betonte Schultz.

Dass der Druck des Wirtschaftsbundes wirke, zeige die neue Gewerbeordnung. Nach der Stopp-Taste im September bringe sie spürbare Entlastung: PV-Anlagen und E-Ladestationen werden genehmigungsfrei, Unterlagen gehen digital an die Behörde, und rund 5.000 Kontrollbesuche pro Jahr – nur um nachzusehen, ob ein Ordner im Regal steht – gehören der Vergangenheit an. Das sei ein wichtiger erster Schritt, weitere müssten mit demselben Tempo folgen.

Mentoringprogramm und PolicyLab für junge Fachkräfte

Der Wirtschaftsbund blickt positiv in die Zukunft. Als größte wirtschaftspolitische Netzwerkplattform des Landes stellt er Transparenz, Programmatik und Interessenvertretung in den Mittelpunkt. Besonders erfreulich entwickeln sich das Mentoringprogramm und das neue „PolicyLab – Wirtschaft & Standort“ für Vorarlberger Studierende und junge Absolventinnen und Absolventen in Wien.

„Viele junge Vorarlbergerinnen und Vorarlberger studieren in Wien. Sie sind die Fachkräfte und Entscheidungsträgerinnen von morgen“, erklärte Direktor Christoph Thoma. Mit dem PolicyLab werde die Verbindung zur Heimat lebendig gehalten und gezeigt, welche Chancen der Standort Vorarlberg biete. Im Mentoring geben erfahrene Unternehmerinnen und Unternehmer ihr Wissen an die nächste Generation weiter.

Dem Landesvorstand gehören neben Tittler die Stellvertreter Karlheinz Kopf, Markus Comploj, Jürgen Rauch und Christine Schwarz-Fuchs sowie Landesfinanzreferent Andreas Gapp und Vorstandsmitglied Petra Kreuzer an.

Quelle: https://www.wirtschaftsbund-vbg.at/2026/10/29/marco-tittler-mit-100-prozent-bestaetigt-wirtschaftsbund-macht-tempo-fuer-den-standort

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