Trockenheit setzt Bauern zu: Kammer fordert faire Preise

Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich warnt vor den Folgen der anhaltenden Dürre und steigender Kosten. Bei der Vollversammlung am 6. Juli forderten die Funktionäre faire Rahmenbedingungen und bessere Erzeugerpreise für die heimischen Betriebe.
Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich hat bei ihrer Vollversammlung am 6. Juli auf die schwierige Lage der heimischen Landwirtschaft aufmerksam gemacht. Im Mittelpunkt standen die Folgen der Trockenheit, die Absicherung der Wasserversorgung, faire Bedingungen bei Importen sowie die tierärztliche Versorgung im ländlichen Raum. Ohne wirtschaftlich lebensfähige Höfe sei die Versorgungssicherheit gefährdet, betonten die Kammerfunktionäre.
Dürre und Hitze führen zu massiven Ernteausfällen
Die seit Wochen andauernde Trockenheit und die zusätzliche Hitze haben in weiten Teilen Niederösterreichs zu erheblichen Ertragseinbußen geführt. Betroffen sind sowohl der Ackerbau als auch die Grünlandwirtschaft, was die Futterversorgung vieler Viehbetriebe gefährdet. Die Kombination aus Dürre, Hitze und steigenden Kosten bringe die Betriebe an ihre Grenzen, erklärte Lorenz Mayr, Vizepräsident der Kammer.
Die Sicherung der Wasserversorgung sei mittlerweile eine der zentralen Zukunftsfragen für die heimische Landwirtschaft, so Johannes Schmuckenschlager, Präsident der Landwirtschaftskammer. Es brauche langfristige Lösungen – von regionalen Speicherprojekten bis hin zu großen Infrastrukturvorhaben. Positiv bewertet die Kammer den in dieser Woche vorgelegten Vorhabensbericht für das UVP-Verfahren des Projekts Donau-Pannonia-Wasserversorgung.
Nur ein Cent pro Semmel bleibt beim Bauern
Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe bleibt trotz hoher Anforderungen angespannt. Während die Produktionskosten steigen, kommt bei den Bauern nur ein geringer Teil des Verkaufspreises an. Am Beispiel einer Semmel zeige sich die Situation besonders deutlich: Vom Verkaufspreis bleibe für die Landwirte derzeit nur 1 Cent übrig, erklärte Mayr. Für eine nachhaltige Absicherung der heimischen Produktion bräuchte es aber zumindest 2 Cent.
Der Anteil der Landwirtschaft am Endprodukt sei sehr gering – der Großteil entfalle auf Verarbeitung, Energie, Personal, Transport und Handel. Wenn auch künftig hochwertige Lebensmittel aus heimischer Produktion gewünscht seien, müsse sich das in fairen Erzeugerpreisen niederschlagen, so Mayr.
Forderung nach Importstopp für Billigware
Die Landwirtschaftskammer bekräftigte ihre Forderung nach fairen Wettbewerbsbedingungen bei Agrarimporten. Österreichs Bauern produzierten nach höchsten Umwelt-, Tierwohl- und Qualitätsstandards weltweit und trügen die daraus entstehenden Mehrkosten. Gleichzeitig gelangten Lebensmittel auf den Markt, die unter Produktionsbedingungen erzeugt wurden, die in Österreich verboten seien.
Es könne nicht sein, dass Lebensmittel importiert werden, die unter Bedingungen erzeugt wurden, die in Österreich aus gutem Grund unzulässig seien, betonte Schmuckenschlager. Wer höchste Standards verlange, müsse dafür sorgen, dass diese auch für Importware gelten. Neben einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung fordert die Kammer einen konsequenten Importstopp für Lebensmittel, die unter in Österreich verbotenen Bedingungen produziert wurden. Das Beispiel Frankreich zeige, dass nationale und europäische Maßnahmen zum Schutz der heimischen Landwirtschaft rechtlich möglich und politisch durchsetzbar seien.
Mangel an Großtierärzten gefährdet Versorgung
Große Sorge bereite der zunehmend angespannte Mangel an Großtierärztinnen und Großtierärzten im ländlichen Raum, erklärte Andrea Wagner, Vizepräsidentin der Kammer. Der Mangel gefährde zunehmend die flächendeckende Betreuung landwirtschaftlicher Betriebe sowie die Sicherstellung von Tiergesundheit, Tierwohl und Lebensmittelsicherheit. Insbesondere Pensionierungen, fehlender Nachwuchs sowie die geringe Attraktivität der Nutztierpraxis führten zu einer Unterversorgung.
Die Kammer spricht sich für einen verbesserten Zugang zum veterinärmedizinischen Studium für angehende Nutztierärzte aus und setzt sich für die gezielte Förderung von Niederlassungen in unterversorgten Regionen sowie den Ausbau moderner Gemeinschaftspraxen ein. Gemeinsam mit dem Land Niederösterreich und der Tierärztekammer arbeite die Landwirtschaftskammer bereits an konkreten Lösungsansätzen, um die tierärztliche Versorgung langfristig sicherzustellen.
Quelle: OTS
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