Tscheche stürzt in gesperrtem Birgkar schwer ab

Ein 27-jähriger Bergsteiger aus Tschechien ist am Dienstagabend beim Abstieg vom Matrashaus im hochalpinen Birgkar gestürzt und schwer verletzt worden. Die Bergrettung Mühlbach/Dienten benötigte rund zehn Stunden für die Rettung unter extremen Bedingungen.
Die Ortsstelle Mühlbach wurde um 17.40 Uhr alarmiert. Der 27-Jährige war im tiefwinterlichen Birgkar auf etwa 2300 Metern Höhe zu Sturz gekommen und in eine Rinne gerutscht. Das Gelände ist im oberen Bereich seit Längerem gesperrt.
Weil der Verletzte angab, nicht mehr weiterzukommen, forderte Einsatzleiter Wolfgang Haggenmüller auch die Ortsstelle Dienten samt Bergrettungsarzt an. Die Rettungskräfte konnten den Verunglückten zunächst nicht finden, obwohl seine Position im Einsatzsystem angezeigt wurde. „Er war rund 180 Meter neben dem steilen, felsigen und verschneiten Birgkaraufstieg in einer kleinen Mulde zu liegen gekommen“, erklärt Haggenmüller. Das Team musste per Funkkontakt zum Absturzort gelotst werden.
Aufwendige Bergung im Steilgelände
Erst um 22.30 Uhr erreichten die Bergretter den Mann. Er hatte schwere Verletzungen an beiden Händen, Rippen und Wirbelsäule erlitten. Nach notärztlicher Versorgung wurde er mittels Dyneemaseilen mehrere Hundert Meter abgeseilt. „Er ist sogar selbst gegangen, weil es nicht anders ging“, so der Einsatzleiter.
Ein Rettungshubschrauber konnte wegen dichter Nebeldecke im Tal nicht starten. 34 Bergretter aus Mühlbach und Dienten waren bis 4.10 Uhr im Einsatz, um den Verletzten ins Tal zu bringen und der Rettung zu übergeben.
Mangelhafte Tourenplanung als Ursache
Der Tscheche hatte die Tour laut eigenen Angaben in einer App gefunden. Dort sei ein Rundweg von der Mitterfeldalm zum Arthurhaus mit Abstieg über das Birgkar beschrieben gewesen. Bezirksleiter Gerhard Kremser kritisiert: „Das Birgkar ist allerdings seit Längerem im oberen Teil – oberhalb des Notausstieges vom Königsjodler Klettersteig – gesperrt.“
Kremser warnt eindringlich: „Erneut führte eine Fehleinschätzung der eigenen Möglichkeiten und der geplanten Abstiegsroute zu einer lebensgefährlichen Situation. Dass der Bergsteiger diesen Absturz überlebt hat, grenzt an ein Wunder.“ Mangelhafte Tourenplanung gefährde nicht nur Menschenleben, sondern bringe auch Einsatzkräfte in Situationen mit enormem Risiko.
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