TU Graz eröffnet Labor für Eisenbahn-Gleisbauteile

Pia ProdingerPia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

An der Technischen Universität Graz ist am Donnerstag ein neues Prüflabor für Eisenbahninfrastruktur in Betrieb genommen worden. Im „Railway and Infrastructure Laboratory“ können Gleissysteme unter simulierten Realbedingungen getestet werden.

Tonnenschwere Waggons, hohe Geschwindigkeiten und steigende Fahrfrequenzen setzen Eisenbahnschienen extremen Belastungen aus. Das neue Railway and Infrastructure Laboratory (RaIL) am Institut für Eisenbahn-Infrastrukturdesign der TU Graz ermöglicht nun erstmals umfassende Tests von Gleissystemen unter Laborbedingungen. Die Einrichtung am Campus Inffeldgasse wurde am Donnerstag offiziell eröffnet.

In dem Labor können sogenannte Eisenbahn-Fahrwegsysteme auf Belastbarkeit und Haltbarkeit während des simulierten Realbetriebs geprüft werden. Die Tests umfassen alle Komponenten – von Schiene und Schwelle über Schotter und Unterbau bis in den Untergrund. Schienen müssen rund 50 Jahre lang bei allen Witterungsbedingungen dem Gewicht der Züge standhalten.

Vom Labor in die Praxis

Bisher basierte die Forschung auf Berechnungen, Simulationen und Messungen im realen Betrieb. Das neue Labor ermöglicht es nun, das Gesamtsystem sowie einzelne Entwicklungen wie Weichenkomponenten oder Befestigungssysteme zu testen, bevor aufwendige Prüfungen im laufenden Bahnbetrieb erfolgen. „Unser Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Praxis zu bringen und damit einen Beitrag zu einer leistungsfähigen und klimaresilienten Bahn zu leisten“, erklärte Ferdinand Pospischil, Leiter des Instituts für Eisenbahn-Infrastrukturdesign. Die Laborleitung übernimmt der stellvertretende Institutsleiter Julian Torggler.

Oberbau-Simulator als Herzstück

Kernstück der Anlage ist ein Oberbau-Simulator mit den Maßen fünf mal 3,5 mal 1,8 Meter. Mit hydraulisch und elektronisch angesteuerten Prüfzylindern können statische und dynamische Belastungen nachgebildet werden, denen Gleise ausgesetzt sind. Neben den Schienen selbst können auch Befestigungssysteme, elastische Zwischenlagen, Schwellen, Schotter und der gesamte Unterbau untersucht werden.

Für größere Systeme steht ein neun mal fünf Meter großes Aufspannfeld zur Verfügung. Dort können unter anderem Weichenbereiche und Auszugsvorrichtungen geprüft werden, die temperaturbedingte Längenänderungen von Schienen ausgleichen. In einer flexiblen Schotterbox können einzelne Komponenten wie Weichen-, Rahmen- oder Holzersatzschwellen untersucht werden, um das Verschleißverhalten des Schotters unter spezifischen Frequenzen und Lasten zu erforschen.

Klimawandel-Forschung möglich

Das Labor bietet als einzige Einrichtung die Möglichkeit, die Auswirkungen von Wassersättigung auf die Steifigkeit, Lastverteilung und das Langzeitverhalten des Ober- und Unterbaus zu prüfen. Damit können auch die Folgen des Klimawandels auf die Dauerhaftigkeit von Eisenbahninfrastruktur erforscht werden.

Teil des Research Clusters

Laut Rektor Horst Bischof gehört die TU Graz europaweit zu den Top-3-Universitäten im Bereich der Eisenbahnforschung. Bereits 2021 wurde von der TU Graz, voestalpine, ÖBB, Siemens Mobility Austria und Virtual Vehicle der Research Cluster Railway Systems (RCRS) gegründet, in dem die Partner ihre Eisenbahn-Kompetenzen bündeln. „Das Railway and Infrastructure Laboratory ist die logische Ergänzung dieser Forschungsinfrastruktur, die in ihrer Gesamtheit in Österreich einzigartig ist“, so Bischof.

Franz Kainersdorfer, Vorstandsmitglied der voestalpine AG, bezeichnete die Eröffnung des RaIL als „einen wichtigen nächsten Schritt in der Zusammenarbeit zwischen der TU Graz und der österreichischen Bahn- und ihrer Zulieferindustrie im Rahmen des Research Clusters Railway Systems“.

Die rund vier Millionen Euro teure Anlage wurde aus Mitteln der TU Graz, der Forschungsförderungsgesellschaft FFG und mit finanzieller Unterstützung der voestalpine realisiert. Die technischen Prüfmaschinen stammen vom deutschen Unternehmen Form + Test.

Quelle: APA

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