TU Graz macht Rohstoffe in Gebäuden sichtbar

Die TU Graz hat ein digitales Werkzeug entwickelt, das zeigt, welche wiederverwertbaren Materialien in Bestandsbauten stecken. Der „Urban Mining Screener“ soll Recycling erleichtern und die Planung von Baustoffströmen verbessern.
Gebäude enthalten große Mengen an wiederverwertbaren Rohstoffen. Um diese zurückzugewinnen, muss bekannt sein, welche Materialien verbaut wurden und wie sie miteinander verbunden sind. Das Institut für Architekturtechnologie der TU Graz hat gemeinsam mit dem Projektpartner Revitalyze den „Urban Mining Screener“ entwickelt. Das Tool ermöglicht es, in österreichischen Bestandsbauten vorhandene Rohstoffe und Bauelemente wie Beton, Ziegel und Holz auszulesen, wie die Technische Universität am Donnerstag mitteilte.
In der Baubranche gewinnt kreislaufwirtschaftliches Denken zunehmend an Bedeutung. Durch Wiederverwendung und Recycling lassen sich der Verbrauch von Rohstoffen und Emissionen reduzieren. Gleichzeitig können mit durchdachten Re-use- und Recycling-Konzepten Kosten gespart werden.
Geodaten und Gebäude-Archetypen als Basis
Matthias Lang-Raudaschl vom Institut für Architekturtechnologie leitet das Projekt. „Das Wissen um vorhandene Ressourcen, die in Gebäuden verbaut sind, ist sehr wertvoll“, erklärte er. Mit Informationen über künftig verfügbare Materialien in einer Region könnten etwa Rückbauunternehmen ihre Aufwände und die Logistik besser kalkulieren. Baustoffhersteller könnten die Produktion von Recyclingbeton präziser planen, und Bauträger hätten die Möglichkeit, Teile wie Holzträger oder Fenster wiederzuverwenden.
Die methodische Grundlage bildet die Kombination von öffentlich zugänglichen Geodaten mit sogenannten Gebäudearchetypen. Ein eigens entwickelter Algorithmus nutzt dreidimensionale Informationen aus der frei nutzbaren Geodaten-Plattform OpenStreetMap, um Grundfläche, Umfang und Höhe eines Objekts zu bestimmen. Der „Urban Mining Screener“ verknüpft diese Daten mit einem von 154 Gebäude-Archetypen, die in der Arbeitsgruppe Nachhaltiges Bauen am Institut für Tragwerksentwurf ausgearbeitet wurden.
Für diese Archetypen sind spezifische Kennwerte wie Baujahr, verbautes Material oder Energieklasse hinterlegt. Das Projektteam hat die Werte um drei Grade an getroffenen Umbaumaßnahmen erweitert, um Änderungen gegenüber dem ursprünglichen Bestand zu erfassen.
Genauigkeit bei mineralischen Baustoffen
Nutzer können in der Eingabemaske des Tools durch Eingabe einer Adresse eine Einschätzung der verbauten Materialien erhalten. Bei einem Testlauf an einem realen Gebäude zeigte sich, dass insbesondere bei mineralischen Baustoffen die Einschätzung recht genau ist. Bei Materialien wie Kunststoff oder komplexen Metallkonstruktionen wie Handläufen waren die Ergebnisse noch nicht so präzise, da diese mit Archetypen noch nicht abgebildet sind. Hier will das Team nachbessern.
„Auch wenn es noch ein paar Herausforderungen gibt, hat der Urban Mining Screener das Potenzial, eine schnelle Alternative zu aufwendigen Erhebungsverfahren zu werden“, so Lang-Raudaschl. Speziell auf Stadt- oder Regionsebene könne das Tool die Ressourcen wesentlich schneller darstellen. Auf dieser Ebene wäre die Genauigkeit der Einschätzungen wohl sogar höher als für Einzelgebäude.
Die Daten könnten für Simulationen zukünftiger Baustoffströme genutzt werden und die Kreislaufwirtschaft mit präzisen Prognosen unterstützen. Damit werde der Gebäudebestand erstmals systematisch als wertvolles Ressourcendepot sichtbar gemacht. Die Dateien des Urban Mining Screener sind auf GitHub öffentlich zugänglich.
Quelle: APA
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