TU und MedUni Wien starten gemeinsamen Master Medical Informatics

Ab Wintersemester 2026/27 bieten die TU Wien und die Medizinische Universität Wien erstmals ein gemeinsames Masterstudium Medical Informatics an. Das englischsprachige Programm verbindet Informatik mit Medizin und bereitet auf die Digitalisierung des Gesundheitswesens vor.
Die TU Wien und die MedUni Wien führen ihre bisher getrennt angebotenen Masterstudien an der Schnittstelle von Informatik und Medizin zusammen. Mit dem Wintersemester 2026/27 startet ein gemeinsames Studium in englischer Sprache, das technische und medizinische Expertise enger verzahnt.
Das Studium richtet sich an Absolventinnen und Absolventen der Informatik oder verwandter Fächer. In vier Semestern mit 120 ECTS werden Kompetenzen vermittelt, die für die Digitalisierung im Gesundheitswesen gefragt sind. Die Bewerbung läuft über die MedUni Wien.
Schnittstellenkompetenz zwischen zwei Welten
Medizininformatik umfasst den Einsatz von Informationstechnologien in Medizin und Gesundheitswesen – von der elektronischen Verarbeitung medizinischer Daten über KI-gestützte Diagnosen und Therapien bis zu digitalen Gesundheitsanwendungen und medizinischer Robotik.
Georg Dorffner, Curriculumsdirektor des Masterstudiums an der MedUni Wien, betont: „Bei Medical Informatics geht es nicht darum, Informatik einfach auf die Medizin anzuwenden. Vielmehr geht es darum, beide Welten zu verstehen, um gemeinsam mit Mediziner_innen und anderen Expert_innen sinnvolle Lösungen entwickeln zu können.“
Die Kooperation ermöglicht es Studierenden, sowohl technische Grundlagen als auch medizinische und klinische Anwendungskontexte kennenzulernen. Neben Basiswissen in Softwareentwicklung, medizinischer Datenanalyse, digitaler Gesundheit und Medizin können sie sich spezialisieren – etwa in Bioinformatik, Neuroinformatik, Public Health Informatics, mobilen und tragbaren Gesundheitstechnologien oder Künstlicher Intelligenz für klinische Entscheidungsprozesse.
KI wird unverzichtbar in der Medizin
Tiefgreifende Veränderungen stehen im Gesundheitswesen bevor. Moderne Diagnostik, Forschung und Versorgung produzieren immer größere Datenmengen, die Künstliche Intelligenz schon heute auswerten und auf Muster hin prüfen kann. Künftig rückt die Frage in den Vordergrund, wie sich solche Technologien sicher und sinnvoll in medizinische Prozesse einbinden lassen.
Dorffner betont: „Die KI spielt bereits jetzt eine tragende Rolle und wird aus der zukünftigen Medizin nicht mehr wegzudenken sein. KI wird Ärzt_innen nie ersetzen, denn es wird immer Menschen in der medizinischen Versorgung brauchen. Aber Mediziner_innen werden ohne KI nicht mehr adäquat im Sinne der Patient_innen handeln können.“
Zugleich gewinnt die Vernetzung von Gesundheitsdaten an Bedeutung. Initiativen wie der European Health Data Space wollen Nutzung und Austausch dieser Daten über Einrichtungen und Staatsgrenzen hinweg erleichtern. Damit wachsen die Ansprüche an Datenschutz, Sicherheit, gemeinsame Standards und Datenqualität.
Vielfältige Berufsperspektiven
In der Medizininformatik geht es um mehrere Fragen. Wie bringt man Daten aus verschiedenen Systemen zusammen? Wie setzt man Künstliche Intelligenz kontrolliert und zum Wohle der Patientinnen und Patienten ein? Und wie baut man digitale Systeme so, dass sie dem medizinischen Personal wirklich helfen?
Michael Wimmer ist Studienkommissionsvorsitzender an der TU Wien. Für ihn ist es eine besondere Stärke, dass technisches und medizinisches Wissen von Anfang an gemeinsam gedacht werden.
Absolventinnen und Absolventen haben viele berufliche Möglichkeiten. Sie können zum Beispiel mit Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen arbeiten, in der Bio- und Neuroinformatik, in Public Health, in der medizinischen Forschung, in der Pharmazeutik oder im Gesundheitsdatenmanagement. Sie können neue diagnostische Verfahren mitentwickeln, medizinische Daten auswerten, digitale Gesundheitsanwendungen entwickeln oder Forschungsprojekte an der Schnittstelle von Informatik und Medizin unterstützen.
Dorffner fasst zusammen: „Denken Sie daran, was Sie für die Menschheit leisten können, wenn Sie die Medizin technologisch weiterbringen.“
Weitere Informationen zu Curriculum, Zulassung, Studienaufbau und Berufsperspektiven gibt es unter www.tuwien.at.
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