TU Wien begrüßt sechs Gastprofessoren im Wintersemester

Mona HopfingerMona Hopfinger
KI-Gebäude mit Datenströmen aus Wissenschaft, Technik und Architektur vor Erdkugel
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Technische Universität Wien holt für das Wintersemester 2026/27 sechs internationale Expertinnen und Experten an die Hochschule. Die Gastprofessoren lehren in Bereichen von Quantentechnologie über Architektur bis zu Software Engineering.

Im laufenden Wintersemester verstärken Hansjörg Dittus, Bernd Euler-Rolle, Dietmar Feichtinger, Carlo Ghezzi, Anna Mölk und Arnon Sturm die Lehre an der TU Wien. Die Gastprofessuren sollen internationale Perspektiven und aktuelles Fachwissen in die Universität bringen sowie den wissenschaftlichen Austausch fördern.

Die thematischen Schwerpunkte der Lehrenden umfassen ein breites Spektrum: Von Quantentechnologie in der Raumfahrt über wissenschaftliche Ethik und verantwortungsvolle Softwareentwicklung bis hin zu architektonischen Fragen der Denkmalpflege und dem Verhältnis von Entwurf und Konstruktion.

Quantensensoren im Weltraum

Hansjörg Dittus, pensionierter Professor für Raumfahrtsysteme an der Universität Bremen, lehrt von 1. Oktober 2026 bis 31. Jänner 2027 am Atominstitut der Fakultät für Physik. Seine Lehrveranstaltung trägt den Titel „Quantum Sensors on Spacecraft“.

Dittus promovierte an der LMU München in Geophysik und wechselte 1987 zum Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen. Dort leitete er den Aufbau des Mikrogravitationslabors Fallturm Bremen und war an der Planung von Satellitenmissionen zum Test der Allgemeinen Relativitätstheorie beteiligt. Er initiierte das Projekt QUANTUS, bei dem 2008 erstmals Bose-Einstein-Kondensate unter Schwerelosigkeit erzeugt wurden. 2008 wurde er Gründungsdirektor des Instituts für Raumfahrtsysteme des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), 2011 Vorstand für Raumfahrt-Forschung und -Technologieentwicklung des DLR.

In seiner Vorlesung behandelt Dittus die Entwicklung von Quantentechnologie für die moderne Raumfahrt sowie deren Einsatz in fundamentalphysikalischen Experimenten, die nur unter Weltraumbedingungen möglich sind. Themen sind unter anderem historische Beispiele, Sensortechniken sowie spezifische Methoden zu Satellitenbau und Lage- und Orbit-Kontrolle. Neben Uhrenentwicklungen für Navigationssatelliten werden auch technische Möglichkeiten für Quantensensoren zur Untersuchung physikalischer Theorien vorgestellt.

Architektur zwischen Entwurf und Konstruktion

Dietmar Feichtinger ist Architekt. Seit 2023 ist er Professor für Hochbau, Konstruktion und Entwerfen an der TU Wien. Im Wintersemester unterrichtet er die „VU Hochbau 2" am Institut für Architektur und Entwerfen.
Er studierte Architektur an der TU Graz. 1994 gründete er in Paris sein Büro Dietmar Feichtinger Architects. 2002 kam eine Niederlassung in Wien dazu. Das Büro setzt internationale Projekte um, etwa Bildungs- und Kulturbauten, Büro- und Wohngebäude sowie Brücken und öffentliche Bauwerke. Bekannt ist unter anderem die Fußgängerbrücke zum Mont Saint-Michel. Feichtinger erhielt viele Preise, darunter den Kunstpreis Berlin und den Österreichischen Bauherrenpreis. Von 1994 bis 1998 war er Lehrbeauftragter an der ENSA École d’Architecture La Villette Paris und an der Universität Innsbruck.
In der Lehrveranstaltung gibt er seine lange Erfahrung aus der internationalen Architekturpraxis weiter. Die Studierenden lernen, wie Entwurf, Konstruktion und bauliche Umsetzung zusammenspielen.

Wissenschaftliche Ethik in turbulenten Zeiten

Carlo Ghezzi, emeritierter Professor für Software Engineering am Politecnico di Milano, lehrt von 12. Oktober bis 8. November 2026 an der Fakultät für Informatik. Seine Lehrveranstaltung heißt „Being a researcher—in turbulent times“.

Ghezzi war am Politecnico di Milano unter anderem Rektoratsdelegierter für Forschung sowie Vorsitzender des Ethikkomitees. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind Software Engineering und Programmiersprachen. In seinem Buch „Being a Researcher: An Informatics Perspective” beschreibt er wichtige Seiten der wissenschaftlichen Arbeit. Dazu gehören Forschungsmethoden, Publikationskultur, Evaluation und Ethik.
Die Lehrveranstaltung gibt Studierenden einen Einblick in Forschungsmethodik und wissenschaftliche Ethik. Außerdem geht es darum, wie sich die Bedingungen für akademisches Arbeiten verändern. Ghezzi bezieht auch ein, wie künstliche Intelligenz ethische und institutionelle Veränderungen auslöst.
Am 16. Oktober 2026 hält Ghezzi einen Gastvortrag. Das Thema lautet „Responsible Design of the Digital World: Challenges for Software Engineering”.

Denkmalpflege und Bauen im Bestand

Anna Mölk und Bernd Euler-Rolle lehren von 1. Oktober 2026 bis 31. Jänner 2027 am Forschungsbereich Denkmalpflege und Bauen im Bestand der Fakultät für Architektur und Raumplanung. Ihre Lehrveranstaltungen heißen „Großes Entwerfen: Schloss Drosendorf Reloaded“ und „Kleines Entwerfen – Kirche ohne Kirche. Denkmalpflegerisches Entwerfen Liebfrauenkirche Schwechat“.

Die Gastprofessuren setzen sich mit den Zusammenhängen zwischen den in der Denkmalpflege verankerten Instrumenten und ihrer Anwendung für künstlerische und technische Fragen im Architekturentwurf auseinander. Gemeinsam mit den Studierenden werden architektonisch-denkmalpflegerische Lösungen für die Transformation von Denkmal und Bestand entwickelt. Dabei soll geklärt werden, was Denkmalpflege heute bedeuten kann.
Anna Mölk bringt viel Lehrerfahrung und Praxiswissen zum Bauen im Bestand mit, vor allem zu Konstruktion, Materialität und Detail. Bernd Euler-Rolle hat jahrzehntelang praktisch in der Denkmalpflege am Bundesdenkmalamt gearbeitet. Er kennt außerdem Geschichte, Theorie und Methodik des Faches sehr gut.
Im Mittelpunkt steht ein gemeinsames Modell für das denkmalpflegerische Entwerfen. Es entsteht aus Beispielen für gute Praxis. Es wird nicht nur in der Lehre angewendet, sondern es entstehen auch Lernmaterialien. Johannes Paintner und Heike Oevermann, die den Forschungsbereich leitet, unterstützen das Team.
Das Ziel ist eine Methode, die im Sinne des Management of Change alle wichtigen Sichtweisen auf ein Baudenkmal im Entwerfen vereint. Konkret wird sie durch Werkzeuge der Denkmalpflege und gute architektonische Lösungen für den Erhalt des Bestands.

Requirements Engineering und generative KI

Arnon Sturm, Professor an der Ben-Gurion University of the Negev, lehrt von 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 an der Fakultät für Informatik. Seine Lehrveranstaltung heißt „Research in Requirements Engineering“.

Sturm leitet das Programm an der Stein Faculty of Computer and Information Science. Seine Forschung konzentriert sich unter anderem auf Domain Engineering, Modellierung, Requirements Engineering und empirisches Software Engineering.
Sturm beschäftigt sich unter anderem damit, wie man Domänenmodelle aus User Stories gewinnt. Dabei setzt er auch Machine Learning und generative KI ein. Eine aktuelle Studie vergleicht, wie Menschen und Maschinen beim Ableiten von Domänenmodellen vorgehen und worin sie sich unterscheiden.
In seiner Lehrveranstaltung zeigt er Forschungsansätze im Requirements Engineering. Auch ihre Anwendung im Zeitalter von Generative AI ist Thema. Die Studierenden lernen, Forschung in diesem Bereich kritisch zu beurteilen. Außerdem erarbeiten sie eigene wissenschaftliche Beiträge.

Am 23. November 2026 hält Sturm einen Gastvortrag zum Thema „From Requirements to Domain Models: A Journey Through Human and Machine Derivation“.

Quelle: https://www.tuwien.at/tu-wien/aktuelles/news/news/gastprofessuren-im-wintersemester-2026-27

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