TU Wien leitet Projekt für grüne Treibstoffe aus Holz

Mona HopfingerMona Hopfinger
© Sebastian Philipp, TU Wien

Die Technische Universität Wien hat im Herbst die Führung eines Forschungsprojekts übernommen, das nachhaltige Kraftstoffe aus Forstbiomasse entwickeln soll. Das Reallabor in der Steiermark wird mit 28 Millionen Euro gefördert.

Die TU Wien führt seit Herbst 2026 das Konsortium des Projekts Advanced Bioenergy Lab Austria – Phase 1. Ziel ist der Aufbau eines Reallabors, in dem aus forstlicher Biomasse und biogenen Rohstoffen nachhaltige Kraftstoffe produziert werden sollen. Die Forschungsinfrastruktur wird gemeinsam mit führenden österreichischen Einrichtungen im Bereich fortgeschrittener Biokraftstoffe umgesetzt.

Das Labor soll Energieträger wie Fischer-Tropsch Diesel (FT-Diesel) und Synthetic Natural Gas (SNG) erzeugen. Weltweit ist es die erste Anlage dieser Art, die beide Produktionslinien – SNG und FT-Diesel – vereint. Die Förderung beträgt 28 Millionen Euro.

Kreislaufwirtschaft für Land- und Forstwirtschaft

Ausgangspunkt war die Idee, den Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft voranzubringen. Reststoffe aus diesen Bereichen sollen in einem Kreislauf zu fossilfreien Kraftstoffen verarbeitet und den Betrieben wieder zur Verfügung gestellt werden. Eine Machbarkeitsstudie der TU Wien im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) kam zum Ergebnis, dass die Produktion grüner Energieträger aus forstlicher Biomasse wesentlich zur Erreichung der österreichischen Klimaziele beitragen kann.

Das Reallabor soll zeigen, dass fossile Treibstoffe in der Land- und Forstwirtschaft zu 100 Prozent ersetzt werden können. Zudem soll die Markteinführung von Technologien zur thermo-chemischen Nutzung von holzartiger Biomasse und biogenen Reststoffen beschleunigt werden. Auch die energieintensive Industrie in Österreich könnte von klimaneutralem Erdgas profitieren.

Ein Vorteil der entwickelten Kraftstoffe: Sie können als „Drop-in Fuels“ ohne Anpassung von Verteilernetzen oder Fahrzeugflotten eingesetzt werden. Sie erfüllen die Anforderungen der erneuerbaren Energierichtlinie und sparen im Vergleich zu fossilen Produkten bis zu 90 Prozent der Treibhausgasemissionen.

Technologie aus Wien für Standort Zeltweg

Die im Projekt angewandte Gaserzeugungstechnologie wurde am Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften der TU Wien maßgeblich entwickelt. Stefan Müller übernahm im September 2026 die Konsortialführung. Die Technologie bildet die Basis für die Herstellung von synthetischem Erdgas und flüssigen Kraftstoffen.

Mit einem Zweibett-Wirbelschichtgaserzeuger wird aus holzartiger Biomasse oder Reststoffen ein Syngas erzeugt, das gereinigt und dann entweder zu Fischer-Tropsch Diesel (Holzdiesel) oder zu synthetischem Erdgas (SNG / Holzgas) weiterverarbeitet wird. Die SNG-Synthese erfolgt in einer Wirbelschicht, die FT-Synthese als „Slurry Bubble Column Reactor“. Nach diesem ersten Schritt kann die Anlage zu einer Technologieplattform weiterentwickelt werden, um etwa auch nachhaltiges Kerosin (SAF) zu produzieren.

Die TU Wien forscht seit Jahrzehnten an der nachhaltigen Nutzung und Weiterentwicklung der Wirbelschichttechnologie sowie der Erzeugung nachhaltiger Energieträger. Das Reallabor wird in Zeltweg in der Steiermark umgesetzt. Im aktuellen Projekt stellte die TU Wien Grundlagen in Form von computergestützten Berechnungen sowie Massen- und Energiebilanzen bereit.

Lücke zur industriellen Umsetzung schließen

Das Reallabor soll die technische Skalierung hin zu industriellen Anlagen unterstützen, die ökonomische Skalierung absichern und Unternehmen im Anlagenbau sowie Investoren und künftigen Betriebsgesellschaften Vertrauen in die Prozessketten geben. Bei den Forschungspartnern existieren bereits Labor- und Pilotanlagen für die Produktion von FT-Diesel und SNG im Kilowatt-Bereich. Das Reallabor mit 5 Megawatt Brennstoffwärmeleistung soll nun die Lücke zur industriellen Umsetzung schließen und den letzten Schritt zur Marktreife sowie zum Bau kommerzieller Anlagen ermöglichen.

Das Projekt hat ein FFG-Fördervolumen von 28 Millionen Euro. Neben der TU Wien sind folgende Institutionen im Konsortium vertreten: AIT Austrian Institute of Technology GmbH, BEST - Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH, BOKU - Universität für Bodenkultur Wien, Fachhochschule Wiener Neustadt GmbH (FHWN), Güssing Energy Technologies GmbH (GET), Josephinum Research (JR) und Montanuniversität Leoben (MUL). Bau und Betrieb des Reallabors übernimmt die eigens gegründete Advanced Bioenergy Lab eGen.

Quelle: https://www.tuwien.at/tu-wien/aktuelles/news/news/reallabor-fuer-nachhaltige-treibstoffe

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