Über 15.000 Pilzarten in Österreichs Schutzgebieten entdeckt

Mathias FischerMathias Fischer
Gelbe Austernpilze wachsen auf einem Holzuntergrund, gehalten von einer Hand in einem Pullover.
© Vungi

Das Forschungsprojekt MetaFung hat die Pilzvielfalt in acht österreichischen Großschutzgebieten untersucht. Die Ergebnisse zeigen eine bisher unbekannte Artenvielfalt im Boden und belegen die Bedeutung der Schutzgebiete für die Biodiversität.

Im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft wurden die Resultate des Forschungsprojekts MetaFung präsentiert. Die Studie dokumentiert erstmals großflächig die Vielfalt von Bodenpilzen und Bodenarthropoden in österreichischen Großschutzgebieten und macht deutlich, wie umfangreich die bislang kaum erforschte Biodiversität im Boden tatsächlich ist.

Viele biologische Prozesse, die für funktionierende Ökosysteme unverzichtbar sind, finden im Boden statt und bleiben dem menschlichen Auge verborgen. Das Projekt untersuchte diese verborgene Welt erstmals mit modernen eDNA-Methoden in acht Großschutzgebieten: Nationalpark Thayatal, Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel, Nationalpark Donau-Auen, Nationalpark Kalkalpen, Nationalpark Gesäuse, Nationalpark Hohe Tauern, Biosphärenpark Wienerwald und Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal.

Wissenschaftliche Zusammenarbeit mehrerer Institutionen

An der Erhebung waren mehrere Wissenschaftler beteiligt. Alexander Urban von der Universität Wien, Department für Botanik und Biodiversitätsforschung, führte die Erhebung und Auswertung der Pilze durch. Markus Gorfer vom Austrian Institute of Technology übernahm die genetische Analyse. Kerstin Michel und Barbara Kitzler vom Bundesforschungszentrum für Wald analysierten die Bodenproben. Irmgard Krisai-Greilhuber von der Universität Wien war an der Diskussion der Ergebnisse beteiligt.

Zentrale Rolle der Pilze in Ökosystemen

Pilze erfüllen in Ökosystemen zentrale Aufgaben. Als Destruenten bauen sie abgestorbenes Holz, Laub und andere organische Stoffe ab und stellen damit Nährstoffe für andere Organismen bereit. Zahlreiche Arten leben als Mykorrhiza-Pilze in enger Verbindung mit Pflanzenwurzeln, wo sie durch den Austausch von Photosyntheseprodukten, Wasser und Nährstoffen essenzielle Leistungen erbringen. Pilze beeinflussen damit nicht nur Stoffkreisläufe und Humusbildung, sondern auch die Stabilität ganzer Lebensräume.

Beeindruckende Artenvielfalt nachgewiesen

Die Resultate zeigen, wie groß die Wissenslücke zur Pilzvielfalt bislang war. In Österreich sind derzeit rund 13.000 Pilzarten bekannt, nur etwa 4.500 Arten sind bisher genetisch analysiert. Im Rahmen von MetaFung wurden in 320 Bodenproben aus 190 Probeflächen insgesamt 15.695 genetisch unterscheidbare Pilzeinheiten entdeckt.

5.101 dieser Einheiten konnten vorläufig einer bekannten Art zugeordnet werden. Außerdem wurden 205 Arten aus der österreichischen Roten Liste dokumentiert, darunter 25 vom Aussterben bedrohte Pilzarten.

Diese hohe Zahl an genetisch unterscheidbaren Einheiten übersteigt die Zahl der bisher bekannten Pilzarten in Österreich. Diese Einheiten, sogenannte Operational Taxonomic Units, werden anhand ähnlicher DNA-Sequenzen zusammengefasst und bilden in grober Annäherung die vorkommende Artenzahl ab, auch wenn diese nicht automatisch den tatsächlich vorkommenden Arten entspricht. In den 15.695 genetisch unterscheidbaren Pilzeinheiten sind sowohl bekannte Großpilze wie Parasol oder Fliegenpilz ebenso wie Schimmelpilze und Hefen enthalten, aber auch Einheiten, die nicht als Arten beschrieben werden können.

Bedeutung für Biodiversitätsschutz betont

Finanziert wurde MetaFung durch den Biodiversitätsfonds des BMLUK. Bei der Abschlussveranstaltung hob Sektionschef Jürgen Schneider, Leiter der Sektion VI – Umwelt und Klima im BMLUK, die Bedeutung wissenschaftlicher Grundlagen für den Schutz der Biodiversität hervor: „Die Biodiversitätskrise betrifft nicht nur sichtbare Arten und Lebensräume, sondern auch jene Vielfalt, die verborgen liegt. Projekte wie MetaFung zeigen, wie moderne Methoden helfen können, Biodiversität besser zu erfassen und damit langfristig zu sichern.“

Christian Übl, Direktor des Nationalparks Thayatal, der das Projekt initiiert hat, freut sich über die Ergebnisse: „Neben der naturwissenschaftlichen Erforschung von Tieren und Pflanzen fand die Pilz-Forschung lange Zeit deutlich weniger Beachtung. Erst in den letzten Jahren steigt, unterstützt durch neue Forschungstechnologien, die Zahl der Untersuchungen des Pilz-Reiches.“ Die Ergebnisse früherer Studien hätten gezeigt, dass die österreichischen Nationalparks Hotspots der Biodiversität sind. Mehr als zwei Drittel der Pflanzenarten und mehr als vier Fünftel der Wirbeltierarten Österreichs konnten bisher in den österreichischen Nationalparks nachgewiesen werden. 5.101 bekannte Arten (39 Prozent der Pilzarten in Österreich) und insgesamt mehr als 15.695 genetisch unterscheidbare Pilzeinheiten in den österreichischen Großschutzgebieten unterstreichen die Bedeutung des Schutzes natürlicher und naturnaher Lebensräume in Österreich.

Moderne eDNA-Methodik ermöglicht tiefe Einblicke

Ein besonderer Schwerpunkt der Methodik lag auf eDNA-Metabarcoding. Dabei werden nicht die Organismen selbst untersucht, sondern ihre genetischen Spuren in Bodenproben. Dadurch lassen sich auch Pilze und Bodentiere nachweisen, die mit freiem Auge nicht sichtbar sind, nur selten Fruchtkörper bilden oder mit klassischen Methoden schwer zu erfassen sind.

Alexander Urban von der Universität Wien erklärt: „Klassische Kartierungen bleiben unverzichtbar, erfassen aber immer nur einen Teil der tatsächlichen Pilzvielfalt. Mit eDNA-Methoden können wir erstmals sehr tief in die verborgene Biodiversität der Böden blicken.“ Das Projekt erbrachte wesentliche neue Daten zu schwierig zu erforschenden und wenig bekannten Pilzgruppen – stellvertretend für viele andere seien hier die trüffelartigen Pilze (Hypogäen) sowie insektenpathogene Pilze genannt. Besonders spannend: bei den Hypogäen (trüffelähnliche Pilze) fanden sich auch Neuentdeckungen für Österreich, mit der Großsporigen Trüffel (Tuber macrosporum) auch eine kulinarisch wertvolle Art.

Jedes Schutzgebiet mit eigener Pilzwelt

Julian Haider, Projektleiter und Biologe im Nationalpark Thayatal, hebt die Bedeutung der Zusammenarbeit hervor: „MetaFung zeigt, dass jedes Schutzgebiet eine eigene, unverwechselbare Pilzwelt besitzt. Gerade deshalb ist es wichtig, Schutzgebiete als verbundenes Netzwerk unterschiedlicher Lebensräume zu betrachten. Jedes Gebiet trägt einen eigenen Teil zur biologischen Vielfalt Österreichs bei.“

Die Untersuchungen machten deutlich, dass die acht Großschutzgebiete Österreichs jeweils eigene Pilzgemeinschaften beherbergen. Viele Pilzgruppen sind eng an bestimmte Bodeneigenschaften, Baumarten oder ökologische Prozesse gebunden und müssen dementsprechend in ihrer Gesamtheit geschützt werden. Die Ergebnisse liefern damit eine wichtige Grundlage für zukünftiges Biodiversitätsmonitoring und zeigen, wie wertvoll naturnahe Schutzgebiete auch für jene Vielfalt sind, die im Verborgenen lebt.

Um die gewonnenen Einblicke in die Pilzwelt weiterzugeben, wurde im Rahmen des Projekts eine Broschüre erstellt, welche die Ergebnisse unter dem Titel „Verborgene Vielfalt – Die unsichtbare Welt der Pilze“ veröffentlicht.

Quelle: OTS

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