Überfall auf Seniorin: Geschworene beraten über Urteil

In St. Pölten wird über das Schicksal dreier Männer entschieden, die im September 2025 eine 74-Jährige in Amstetten überfallen haben sollen. Der Hauptangeklagte muss sich auch wegen Mordversuchs an zwei Polizisten verantworten.
Am Mittwoch ging am Landesgericht St. Pölten ein Prozess um einen bewaffneten Raubüberfall und Schüsse auf Beamte in die entscheidende Phase. Drei Männer im Alter zwischen 50 und 59 Jahren sollen im Vorjahr eine Seniorin in ihrem Haus in Amstetten bedroht und Geld erpresst haben. Der 59-jährige Hauptangeklagte soll bei der Flucht auf zwei Polizisten gefeuert haben. Die Geschworenen zogen sich am Vormittag zur Beratung zurück.
Alle drei Beschuldigten wiesen die Vorwürfe des bewaffneten Raubes zurück. Sie sprachen laut Dolmetscherin von einem Einbruchsdiebstahl. Ermittler stellten eine Tasche sicher, die einer der Angeklagten am Tattag bei sich trug. Darin befanden sich Einbruchswerkzeug und Klebeband. Auch den Mordversuch bestritt der 59-Jährige.
Staatsanwaltschaft fordert strenge Strafen
Der Staatsanwalt bezeichnete die Tat in seinem Schlussvortrag als "geplante, arbeitsteilige, rücksichtslose" Aktion und einen "Fall der Schwerstkriminalität". Das Trio habe 1,5 Millionen Euro erbeuten wollen. Die Schüsse auf die Polizisten seien keine Panikreaktion gewesen, sondern "gezielte Schussabgaben".
Der 59-Jährige hatte bereits 1999 in der Schweiz einen Raubmord begangen und dabei einen Sicherheitsmann erschossen. 2022 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen. Die Opfer hätten die Vorfälle glaubwürdig geschildert, die Frau leide noch immer unter den Folgen, betonte der Staatsanwalt.
Verteidigung spricht von Einbruch ohne Gewaltabsicht
Die Verteidiger argumentierten, ihre Mandanten hätten lediglich einen Einbruch geplant. "Die Gewaltanwendung war geringfügig", es habe keine Verletzungen gegeben, sagte Rechtsanwalt Rudolf Mayer, der den 50-Jährigen vertritt. Sein Mandant habe keine Waffe dabeigehabt.
Der Verteidiger des Hauptangeklagten bestritt einen Mordvorsatz. "Für einen Mordversuch fehlt jegliches Tatsachensubstrat", so der Jurist. Die Angeklagten seien "stümperhaft vorgegangen", sagte der Rechtsvertreter des 56-Jährigen. Das Brecheisen sei für den Einbruch und nicht zur Gewaltanwendung gedacht gewesen. Eine Privatbeteiligtenvertreterin hielt dagegen: "Die Schussabgaben waren beinhart", es sei um Leben und Tod gegangen.
Maskiertes Trio drang in Haus ein
Der 59-jährige Kosovare und ein 56-jähriger Albaner waren laut Anklage im Sommer 2025 aus dem Ausland eingereist. Gemeinsam mit dem seit längerem in Österreich lebenden 50-jährigen Kosovaren sollen sie das Haus ausgespäht haben. Am 5. September 2025 in der Früh drangen die Maskierten in das Gebäude ein, während der Ehemann der Seniorin mit dem Hund spazieren war.
Die 74-Jährige berichtete als Zeugin, dass einer der Männer sie am Oberarm gepackt und niederdrücken wollte. Sie habe sich gewehrt. Der Maskierte habe einen Kabelbinder in der Hand gehabt, ein Komplize ein Brecheisen erhoben. Das Klingeln eines Spediteurs habe die drei gestört und "Schlimmeres verhindert", so der Staatsanwalt. Das Trio flüchtete mit einem geringen Geldbetrag über die Terrassentür. In einer polizeilichen Einvernahme sprach die Seniorin von "Todesangst".
Schüsse aus zwölf Metern Entfernung
Auf der Flucht soll der 59-Jährige den Polizisten nahe einer Böschung knieend aufgelauert haben. Aus zwölf Metern Distanz habe er auf zwei Beamte geschossen. "Es war richtig knapp", berichtete einer der Uniformierten als Zeuge. Laut einem Gutachter bestand "unmittelbare Lebensgefahr". Der Angeklagte behauptete hingegen, er habe in die Luft geschossen. Die Polizisten blieben unverletzt, der Verdächtige ließ sich festnehmen. In der Folge wurden auch seine mutmaßlichen Komplizen gefasst.
Quelle: APA
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