Umbau nach Amoklauf am BORG Graz rechtzeitig fertig

Rund 15 Monate nach der Tragödie am BORG Dreierschützengasse können die Schülerinnen und Schüler am Montag in ihre umgestalteten Räume zurückkehren. Die Sanierung der belasteten Bereiche ist abgeschlossen, ein Ausweichquartier wird nicht mehr benötigt.
Die Umbauarbeiten am BORG Dreierschützengasse in Graz sind wenige Tage vor dem Start des neuen Schuljahres abgeschlossen worden. Alle Räumlichkeiten stehen den Schülerinnen und Schülern ab Montag wieder zur Verfügung. Die Adaptierungen wurden mit Rücksicht auf die emotionalen Belastungen durchgeführt, die mit den Räumen verbunden sind.
Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ), Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner und die Schulleitung präsentierten die fertiggestellten Räume bereits am Freitag. Damit soll der Druck von Schülerschaft und Lehrkräften genommen werden. Hermann bezeichnete die Rückkehr als „einen wichtigen, aber auch sehr emotionalen Schritt“. Der planmäßige Schulbetrieb könne nun wieder aufgenommen werden.
Das Gebäude wurde in wesentlichen Bereichen adaptiert, saniert und modernisiert. Ziel sei es gewesen, Voraussetzungen für die Rückkehr zu schaffen und einen Ort zu gestalten, der Sicherheit vermittle, gute Lernbedingungen biete, Begegnungen ermögliche, aber auch Raum für Rückzug und Erinnerung gebe, erklärte Hermann.
Drei Millionen Euro für 3.500 Quadratmeter
Meixner sprach von einem „sehr berührenden Moment“. Die Schule sei so umgestaltet worden, dass man sich emotional wohlfühle. Rund drei Millionen Euro aus Bundesmitteln flossen in die Umgestaltung von etwa 3.500 Quadratmetern Fläche. Heuer gab es eine Sonderfinanzierung für die Neugestaltung von rund 100 Quadratmetern Sanitärflächen. Im kommenden Jahr soll noch die Terrasse modernisiert werden.
Schulleiterin Liane Strohmaier kündigte für Montag einen Schulstart „fast so wie immer“ an, wobei es für viele Überraschungen geben werde. Architekt Peter Polding betonte, man habe die Identität der Schule bewahren wollen, da Schüler und Lehrer sie lieben. Belastete Bereiche seien aufgelöst worden: „In Räumen, die gewisse Dinge erlebt haben, kann man nicht Dienst nach Vorschrift machen.“
Raum der Stille und stiller Garten entstanden
Zwei besonders schwer belastete Klassenzimmer wurden umfunktioniert. Eines davon ist nun ein „Raum der Stille“ mit einem „stillen Garten“ und ins Freie geöffneten Wänden – „zum Durchatmen“, wie Polding schilderte. In diesem Gedenkraum wurden auch zehn stilisierte Spinde eingebaut, „für jene, die draußen im Gang keinen Spind mehr haben“.
Bei dem Amoklauf am 10. Juni 2025 hatte ein 21-jähriger Ex-Schüler neun Jugendliche sowie eine Lehrerin erschossen und sich dann selbst getötet.
Die beiden betroffenen Klassenräume, die nun komplett anders aussehen und nicht mehr als solche genutzt werden, wurden durch zwei ehemalige EDV-Räume ersetzt. Die EDV-Räume siedelten in die ehemalige Bibliothek um, die Bibliothek wurde in den Pausenraum integriert. Hinzu kamen zahlreiche weitere Veränderungen wie neue Böden, Decken, Lichter, Vorhänge und eine angepasste Farbauswahl.
Manche Schüler besichtigten Baustelle bereits
Für manche wird die Überraschung am Montag kleiner ausfallen: Einige Schülerinnen und Schüler wollten bereits vorab in die Schule, und zum Jahrestag des Amoklaufs im Juni nutzten mehr als 100 Jugendliche die Möglichkeit, die Baustelle zu besichtigen. Jene, die den fertigen Umbau bereits gesehen haben, seien begeistert gewesen, hieß es von der Schulleitung. Meixner berichtete allerdings auch von einer Schülerin, die aus emotionalen Gründen die Schule wechseln wird.
Quelle: APA
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