Umwidmungen in Wien: 317 Anträge

Mona HopfingerMona Hopfinger
Drei Personen stehen vor einem Wohnhaus in Wien, ein Auto parkt daneben.
© wien.gruene.at

In den ersten rund neun Monaten 2026 wurden in Wien 317 Anträge auf Umwidmung von Wohnungen in Beherbergungsstätten gestellt – mehr als im gesamten Jahr 2025. Die Grünen kritisieren Lücken in den neuen Regelungen.

Bis 10. Oktober 2026 sind in Wien 317 Anträge auf Umwidmung von Wohnraum in Beherbergungsstätten eingelangt. 85 davon wurden bereits bewilligt, 232 befinden sich noch in Bearbeitung. Im Vergleich dazu waren es im gesamten Jahr 2025 insgesamt 305 Anträge.

Die Grünen Wien sehen einen Zusammenhang mit Ankündigungen von Bürgermeister Michael Ludwig. Dieser habe im April, Juni und September Gesetzesänderungen angekündigt und damit Immobilieneigentümer vor kommenden Verschärfungen gewarnt.

„Wohnungen sind zum Wohnen da. Die Stadt muss den Wohnraub stoppen und unmissverständlich klarstellen, dass Wohnungen keine Hotels sind“, sagt Judith Pühringer, Stadträtin und Parteivorsitzende der Grünen Wien. Bürgermeister Ludwig verantworte durch sein Zaudern den Verlust von hunderten Wohnungen.

Über 12.000 Wohnungen auf Airbnb

Laut der Website „Inside Airbnb“ werden derzeit mehr als 12.000 Wohnungen in Wien dauerhaft als Tourismusappartements angeboten. Das entspricht mehr Wohnungen als im gesamten Bezirk Josefstadt vorhanden sind.

Ein konkretes Beispiel ist die Martinstraße 12 in Währing. Dort existiert bereits ein Beherbergungsbetrieb im hinteren Teil des Gebäudes. Nun sollen auch alle übrigen Wohnungen im Straßentrakt – mit Ausnahme der Dachgeschoße – umgewidmet werden. Insgesamt betrifft das 11 Wohnungen.

„Währing ist ein beliebter Wohnbezirk mit hoher Lebensqualität“, erklärt Silvia Nossek, Bezirksvorsteherin von Währing.

Neue Regeln mit Lücken

Die im Oktober 2026 im Landtag beschlossenen neuen Regelungen seien zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht ausreichend, so die Grünen. Von den rund 352.000 privaten Mietwohnungen und 140.000 Eigentumswohnungen in Wien unterliege die Mehrheit der Mietzinsregulierung des Mietrechtsgesetzes.

Der aktuelle Gesetzesvorschlag lasse für 20 Prozent dieser Wohnungen und rund 10 Prozent des gesamten Wiener Wohnungsbestandes die Umwandlung in Beherbergungsstätten weiterhin offen. Damit könnten insgesamt bis zu 100.000 Wohnungen umgewandelt werden.

Zusätzlich würden durch die Neuerungen neue Lücken entstehen, etwa durch eine unzureichende Definition des klassischen Hotels in der Wiener Bauordnung. Dadurch sei nicht klar geregelt, was als Hotel gelte und was nicht.

„Der Wohnraub durch Airbnb & Co. geht munter weiter“, kritisiert Georg Prack, Klubobmann der Grünen Wien und Wohnsprecher. Mit der Umwandlung von Wohnhäusern in Beherbergungsstätten versuchten Spekulanten offenbar, die strengeren Regeln zu umgehen.

Forderungen der Grünen

Die Grünen Wien fordern eine klare Abgrenzung von Wohnhäusern und Hotels. Die Ausnahmebewilligung für gewerbliche Nutzung zu kurzfristigen Beherbergungszwecken solle gestrichen werden. Laufende Ausnahmebewilligungen dürften nach Ablauf nicht verlängert werden.

Weiterhin möglich bleiben solle die vorübergehende Vermietung einer Wohnung für 90 Tage pro Kalenderjahr, ohne den Wohnsitz dauerhaft aufzugeben. Auf Grundstücken in Wohngebieten oder gemischten Baugebieten solle die Errichtung oder Umwandlung in Beherbergungsstätten nur mehr möglich sein, wenn dies in den Bebauungsbestimmungen explizit geregelt ist.

Zudem fordern die Grünen eine Harmonisierung von Bauordnung und gewerberechtlichen Landesvorschriften zur Beherbergung.

Quelle: https://wien.gruene.at/news/wien/wohnraub-in-wien-geht-ungebremst-weiter

Worüber spricht Wien morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.