Ungarn-Aufstand 1956: Burgenland als Tor zur Freiheit

Vor 70 Jahren flüchteten rund 200.000 Menschen aus Ungarn nach Österreich, nachdem der Volksaufstand blutig niedergeschlagen wurde. Etwa 70.000 von ihnen überquerten die Grenze beim burgenländischen Andau, so der ORF.
Am 23. Oktober 1956 begann in Budapest eine Studentendemonstration, die sich zu einem Volksaufstand entwickelte. Wenige Wochen später wurde die Erhebung von der ungarischen Geheimpolizei und sowjetischen Truppen gewaltsam beendet. Rund 200.000 Menschen flohen daraufhin aus Ungarn.
Grenzgemeinden leisteten erste Hilfe
Circa 70.000 Flüchtlinge gelangten über die österreichisch-ungarische Grenze bei Andau und nutzten die dortige Brücke über den Einser-Kanal. Das Burgenland öffnete seine Grenzen und versorgte die Ankommenden. Der Historiker Herbert Brettl berichtete von einem Tag im November, an dem allein mehr als 8.000 Personen ins Burgenland geflüchtet seien.
Das österreichische Innenministerium war damals auf eine Flüchtlingswelle von etwa 7.000 Personen vorbereitet gewesen. In den ersten Tagen übernahmen daher die Grenzgemeinden die erste Betreuung der Geflüchteten. Mit Zügen wurden die Menschen nach Eisenstadt und Mattersburg transportiert, wo große Versorgungsstationen eingerichtet waren.
Nicht nur im Bezirk Neusiedl am See, sondern im gesamten Burgenland überquerten ungarische Flüchtlinge die Grenze und erhielten Hilfe von der Bevölkerung. Die Mehrheit reiste jedoch weiter nach Wien, Deutschland und in die USA.
Sprengung und Wiederaufbau der Brücke
Am 21. November 1956 zerstörten sowjetische Soldaten die Brücke von Andau, die sich auf ungarischem Staatsgebiet befindet. Dennoch wurde sie zum Symbol für die Ereignisse von 1956. Der US-Autor und -Journalist James Mitchener war damals vor Ort und hielt die Geschehnisse in seinem Buch „Die Brücke von Andau“ fest. Auch Richard Nixon, damals US-Vizepräsident, besuchte Andau und lenkte damit mediale Aufmerksamkeit auf das Grenzdorf.
40 Jahre später wurde die Brücke von Andau in Zusammenarbeit österreichischer und ungarischer Soldaten wiedererrichtet und im September 1996 feierlich eröffnet. Seither musste sie bereits zweimal erneuert werden. Zuletzt wurde sie 2022 von Ungarn originalgetreu nachgebaut.
Die Brücke von Andau ist heuer der Burgenland-Kandidat bei der ORF-Show „9 Plätze – 9 Schätze“, bei der am 26. Oktober wieder Österreichs schönster Platz gekürt wird.
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