Uni Graz holt drei Millionen Euro EU-Förderung

Zwei Wissenschaftlerinnen der Universität Graz erhalten jeweils 1,5 Millionen Euro vom European Research Council. Die Humangeografin Heide Bruckner und die Sozialwissenschaftlerin Silvana Weiss wurden mit den begehrten Starting Grants ausgezeichnet.
Heide Bruckner und Silvana Weiss haben hochdotierte Fördermittel der EU eingeworben. Der European Research Council (ERC) unterstützt ihre Forschungsvorhaben mit jeweils 1,5 Millionen Euro.
Die Humangeografin widmet sich in ihrem Projekt der Bevölkerung der Fidschi-Inseln und der Salomonen im Pazifik. Ihr Fokus liegt auf der Beziehung zwischen den Menschen und den Mangrovenwäldern ihrer Heimat, die ein zentrales Element für den Erhalt dieser Ökosysteme darstellt.
Die Sozialwissenschaftlerin erforscht, wie der Faktor Zeit Chancen und Fairness in der Arbeitswelt prägt. Sie untersucht, wie organisatorische Anforderungen zusammen mit individuellen zeitlichen Möglichkeiten Ungleichheiten schaffen, verstärken oder reduzieren.
Rektor Peter Riedler gratulierte den beiden Forscherinnen zu dem großen Erfolg. Die Einwerbung internationaler Fördermittel sei für die Universität und den Wissenschaftsstandort Graz von großer Bedeutung, betonte er.
Indigene Stimmen für den Schutz der Mangroven
Die Südseestaaten Fidschi und Salomonen verfügen über die größten Mangrovenwälder der pazifischen Inseln. Diese Ökosysteme leisten wichtige Beiträge zum Klimaschutz: Sie binden CO2 aus der Atmosphäre und schützen die Küsten vor Erosion und Überflutung bei steigendem Meeresspiegel.
Dennoch ist ihr Fortbestand gefährdet. In Fidschi sollen Mangrovenwälder Sandstränden für Touristen weichen. Auf den Salomonen werden sie für Transportwege gerodet, die malaysische und chinesische Unternehmen für den Holzexport nutzen. Bereits während der britischen Kolonialisierung wurden Mangrovenwälder abgeholzt, um Häfen an der Küste zu errichten.
„Ausgehend von Archiv-Recherchen werden wir uns kritisch mit diesem Erbe auseinandersetzen und aufzeigen, wie es bis heute in Wirtschaft und Gesellschaft fortwirkt“, erklärte Bruckner. Die Inselbewohner sollen ihre eigenen Geschichten erzählen – über Traditionen, Erfahrungen und Emotionen, die ihre Gemeinschaften seit Jahrhunderten mit den Mangroven verbinden.
Diese Erzählungen sollen die Menschen befähigen, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Die Beziehung zu einer Landschaft beeinflusse die Art und Weise, wie man mit ihr umgehe, unterstrich die Wissenschaftlerin. Man müsse die Natur mit allen Sinnen wahrnehmen, um das Verhältnis zu ihr und die Sorge um sie zu vertiefen.
Zeitliche Mechanismen im Berufsleben
Abgabetermine, Projektfristen, Dienstpläne und persönliche Umstände – Zeit spielt im Arbeitsleben eine zentrale Rolle. Wie dieser Faktor Chancen und Fairness im Job beeinflusst, untersucht Weiss in ihrem Projekt.
Der Einfluss beginne bereits beim Bewerbungsprozess, zeigte die Forscherin auf. Wann wird ausgeschrieben? Wie lange läuft die Frist? Wann wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen? Hat eine Person Betreuungspflichten oder wird krank, könne das jemanden ausschließen, obwohl formal für alle Interessenten dieselben Bedingungen gelten, schilderte die Wissenschaftlerin am Institut für Personalpolitik der Uni Graz.
Zeitliche Mechanismen bestimmen den gesamten Job-Alltag. Das größere Augenmerk auf Work-Life-Balance sowie der zunehmende Einsatz von KI verändern zusätzlich die Sichtweise auf das Thema.
Weiss macht die Bedeutung des Faktors Zeit an mehreren Fragen fest: Wie lange wird gearbeitet? In welchem Tempo? Zu welcher Uhrzeit werden Meetings angesetzt? Entscheidend sei, wer diese Anforderungen erfüllen kann und wer dadurch benachteiligt oder begünstigt wird.
Antworten darauf will die Sozialwissenschaftlerin mit Hilfe von Fallstudien in unterschiedlichen Berufsfeldern erhalten, darunter die IT- und Softwarebranche sowie der Gesundheits- und Pflegesektor. Zusätzlich begleitet sie berufliche Verläufe in wiederholten Interviews und analysiert europäische Arbeitsmarktdaten.
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