Uni Innsbruck fördert drei neue Digitalisierungsprojekte

Mona HopfingerMona Hopfinger
Digitale Archivierung mit Lupe, Tablet und Universitätsgebäude als Symbol
© Mit KI (Gemini) generiert

Die Universität Innsbruck treibt die digitale Transformation voran: Der Innovationsfonds Digitalisierung unterstützt heuer drei Projekte zur Digitalisierung in der Verwaltung. Zugleich liegen die Ergebnisse der ersten Förderrunde vor, die 2025 auf Lehre fokussiert hatte.

Im zweiten Jahr des Innovationsfonds Digitalisierung hat die Universität Innsbruck drei neue Vorhaben ausgewählt, die 2026 umgesetzt werden. Nachdem die erste Ausschreibung 2025 den Schwerpunkt auf Lehre gelegt hatte, stand diesmal die Digitalisierung in der Verwaltung im Mittelpunkt. Mitarbeitende der Universität waren aufgerufen, ihre Ideen einzureichen.

KI erschließt historisches Fotoarchiv

Das Projekt FACE-EFA widmet sich dem Archiv des European Forum Alpbach, das rund 12.000 historische Fotografien aus den Jahren 1945 bis 2015 umfasst. Bislang war der Bestand nur schwer durchsuchbar. Eine lokal betriebene, datenschutzkonforme KI-Lösung zur Gesichtserkennung soll die Bilder nun systematisch erschließen. Erkannte Gesichter werden gruppiert und können Personen zugeordnet werden, wobei Mitarbeitende die Vorschläge der KI überprüfen und ergänzen. Mit jedem Durchlauf verbessert sich die Erkennungsleistung. Ziel ist eine effizientere Recherche und wissenschaftliche Nutzung des Bestands, etwa über Kulturpool und Europeana, sowie eine nachhaltige Infrastruktur für die digitale Archivarbeit.

Automatisierung für das Innsbrucker Zeitungsarchiv

Das Innsbrucker Zeitungsarchiv (IZA) zählt mit rund 1,5 Millionen Zeitungsartikeln zu Literatur, Theater und dem Literaturbetrieb im deutschsprachigen Raum zu den international einzigartigen Sammlungen der Universität. Ein neues Projekt entwickelt ein Multi-Agenten-System, das zentrale Arbeitsschritte weitgehend automatisiert – vom Sammeln digitaler Zeitungsausgaben über die Auswahl relevanter Artikel bis zur Extraktion von Metadaten.

Künftig sollen Artikel schneller verfügbar sein, mit strukturierten Metadaten und Zusammenfassungen angereichert und über ein modernes Such- und Webinterface zugänglich werden. Das Vorhaben schafft nicht nur einen unmittelbaren Mehrwert für die literatur- und theaterwissenschaftliche Forschung, sondern eröffnet auch anderen Sammlungs- und Archivbereichen der Universität neue Perspektiven für den Einsatz KI-gestützter Workflows.

Intelligente Automatisierung mit UPLIFT

Verwaltungsmitarbeitende stehen häufig vor wiederkehrenden Aufgaben, die sie gerne automatisieren würden – ohne über die nötigen Ressourcen zu verfügen. Das Projekt UPLIFT setzt hier an: ZID-Automatisierungsfachkräfte arbeiten, geleitet von Human-Factors-Theorie, direkt mit Verwaltungsmitarbeitenden zusammen. Mithilfe lokaler Drag-and-Drop-Werkzeuge und – wo sinnvoll – DSGVO-konformer KI-Dienste werden intelligente, visuelle Ablaufautomatisierungen gestaltet.

Das Projekt begegnet damit auch Bedenken hinsichtlich Datenschutz, Autonomie und digitaler Souveränität, die bei rein cloudbasierten Lösungen oft bestehen. Ab Mai 2026 durchläuft UPLIFT zwei sechsmonatige Phasen mit Co-Design-Sitzungen zwischen ausgewählten Mitarbeitenden und Automatisierungsfachkräften. Als Ergebnis sollen die Mitarbeitenden besser mit KI umgehen können. Außerdem entstehen eine Sammlung einfacher Werkzeuge für Arbeitsabläufe und Leitlinien für intelligente Automatisierung, die sich immer wieder nutzen lassen.

Ergebnisse der ersten Förderrunde

Während die neuen Vorhaben starten, haben die drei Siegerprojekte aus der ersten Ausschreibungsrunde – Agentic AI, NEXTlearn und Prompt Lab – bereits Ergebnisse geliefert. Mit Fokus auf Digitalisierung in der Lehre gestartet, zeigen sie nun handfeste Resultate.

Lokale KI-Infrastruktur für Maschinenbau

Im Projekt Agentic AI hat das Institut für Mechatronik eine eigene, lokal betriebene KI-Infrastruktur aufgebaut. Sie dient der Forschung, der Lehre und der Verwaltung im Bereich Maschinenbau. Damit lassen sich Sprachmodelle, RAG-Systeme (KI-Systeme, die ihre Antworten auf Basis eigener Dokumente erstellen) und KI-gestützte Arbeitsabläufe kontrolliert nutzen, zum Beispiel für die Suche nach wissenschaftlicher Literatur, das Auswerten von PDFs oder Verwaltungsaufgaben. Das Team hat mehrere Demonstratoren (Vorführmodelle) entwickelt und dazu dokumentierte Softwarepakete erstellt, die man mehrfach verwenden kann.

Das Team hat vor allem eines gelernt: Ob KI im Alltag gut funktioniert, hängt weniger vom einzelnen Modell ab. Wichtiger sind einfache Schnittstellen, anschauliche Beispiele, praxisnahe Schulungen und die Einbindung in die bestehenden Arbeitsabläufe.

Neue Lern- und Prüfungskultur in Volkswirtschaftslehre

Das Projekt NEXTlearn hat die Art, wie in zwei volkswirtschaftlichen Einführungsmodulen gelernt und geprüft wird, grundlegend verändert. Sein Leitsatz lautet: Die Digitalisierung bildet die Grundlage, das Ziel ist die persönliche Betreuung. Nach jeder Vorlesung lösen die Studierenden digitale Übungsaufgaben. Diese stammen aus einem flexiblen Aufgabenpool, der auf der frei verfügbaren Software R/exams aufbaut. Die Rückmeldung kommt sofort und automatisch. Im Proseminar muss deshalb weniger vorgerechnet werden, und es bleibt mehr Zeit zum Diskutieren.

Im Wintersemester 2025/26 haben rund 900 Studierende das neue Format ausprobiert. Die Forschenden haben den Versuch wissenschaftlich begleitet und die Ergebnisse mit klassisch unterrichteten Gruppen verglichen. Die Rückmeldungen waren großteils positiv. Es gab lebhaftere Diskussionen und mehr aktive Mitarbeit. Viele Studierende hatten außerdem das Gefühl, während des ganzen Semesters „am Ball zu bleiben“. In der NEXTlearn-Gruppe wuchs zudem das Interesse an volkswirtschaftlichen Themen. Die Studierenden beschäftigten sich länger mit den wöchentlichen Aufgaben und traten häufiger zur ersten Prüfung an.

Seit dem Sommersemester 2026 gehört NEXTlearn zum Regelbetrieb. Als Nächstes arbeitet das Team daran, Prüfungsfragen mithilfe von KI zu erstellen.

Reflektierter Einsatz von Large Language Models

Das Projekt PromptLab wollte erreichen, dass Large Language Models (LLMs, also große KI-Sprachmodelle) in der Hochschullehre kompetent und reflektiert genutzt werden. Alle geplanten Ziele wurden erreicht. Im Sommersemester 2025 lief zunächst eine Testphase in sechs Lehrveranstaltungen aus den Bildungswissenschaften, der italienischen Linguistik und der Fremdsprachendidaktik. Im Wintersemester 2025/26 kamen 22 weitere Lehrveranstaltungen dazu.

Insgesamt wurde das Konzept in 28 Kursen mit rund 200 Studierenden angewendet. Drei studentische Prompt-Tutor:innen standen dabei zur Seite. Die Forschenden werteten Fragebögen und die Prompts der Studierenden aus. Dazu kamen etwa 150 schriftliche Reflexionen über den Lerngewinn, die Prompting-Strategien und die Grenzen, fachliche Aufgaben an LLMs abzugeben. Aus den Ergebnissen entstanden ein offener, durchsuchbarer Prompt-Katalog und umfangreiche OER-Materialien (frei nutzbare Bildungsmaterialien) für Lehrende.

Weitere Entwicklungen verfolgbar

Die Siegerprojekte 2026 zeigen, wie vielfältig die Ansätze zur digitalen Transformation an der Universität Innsbruck sind – von der KI-gestützten Erschließung historischer Archive bis zur intelligenten Automatisierung von Verwaltungsprozessen.

Quelle: https://www.uibk.ac.at/de/newsroom/2026/innovationsfonds-digitalisierung-bilanz-neue-projekte

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