Universitäten präsentieren Reformvorschläge

Die österreichischen Universitäten haben detaillierte Reformpläne für das Hochschulsystem vorgelegt. Gleichzeitig warnt die Universitätenkonferenz, dass strukturelle Änderungen keine ausreichende Finanzierung ersetzen können.
Die österreichischen Universitäten haben ihre Vorschläge für strukturelle Reformen im Hochschulsystem präsentiert. Bis 31. Oktober muss die Entscheidung über den finanziellen Rahmen für die Leistungsvereinbarungen 2028 bis 2030 fallen. Die Universitätenkonferenz (uniko) betont, dass Reformen zwar notwendig seien, aber keine ausreichende Finanzierung ersetzen könnten.
Brigitte Hütter, Präsidentin der uniko, warnt vor den Folgen einer Sparpolitik: „Ein falsch platzierter Sparkurs würde die Ausbildungschancen der jungen Generation aufs Spiel setzen, den Wirtschafts- und Innovationsstandort beschädigen und die wissenschaftliche Problemlösungskapazität bei drängenden Fragen wie dem Klimawandel und dem Einsatz künstlicher Intelligenz unterlaufen.“
Weitere Proteste nicht ausgeschlossen
Nach den drastischen Kürzungsankündigungen im Frühjahr und der breiten Unterstützung aus der Bevölkerung für den Protest der Universitäten habe es zuletzt Entspannungssignale aus der Politik gegeben. Hütter appelliert an die Entscheidungsträger, den Einsatz von Steuergeld für Universitäten als Investition in die Basis Österreichs zu betrachten.
„Wir haben Grund zur Hoffnung, dass es zu einer verantwortungsvollen Uni-Finanzierung kommen kann“, sagt Hütter. Sollte es jedoch bei der Sparpolitik bleiben, seien weitere Proteste programmiert. Die uniko sehe es als ihre Verantwortung, die Bevölkerung über die zu erwartenden Folgen aufzuklären.
Bei Sparmaßnahmen müssten sinnvolle Zeitachsen mitgedacht werden. So wären etwa bei der Auflassung von Studien entsprechende Übergangsfristen im Sinne des Vertrauensschutzes der Studierenden festzulegen. Zudem bestünden keine Möglichkeiten zur Versetzung von dem Kollektivvertrag unterliegendem Personal zwischen Hochschulen oder Standorten.
Reformpapier von JKU-Rektor koordiniert
Die Universitäten haben die Sommerpause genutzt, um ihre Reformvorschläge im Detail auszuarbeiten. Stefan Koch, Rektor der Johannes Kepler Universität, hat die Redaktion der uniko-Reformpapiere geleitet. Die Vorschläge basieren auf existierenden Reformpapieren und wurden durch Impulse von FORWIT sowie Hochschulexperten von WIFO und IHS ergänzt.
Koch betont, dass die 22 öffentlichen Universitäten 80 Prozent der Studierenden betreuen und 75 Prozent der wissenschaftlichen Publikationen verantworten. Die restlichen 20 beziehungsweise 25 Prozent entfallen auf die 55 weiteren Hochschuleinrichtungen. „Die viel kritisierte Kleinteiligkeit des Sektors ist also jedenfalls nicht bei den öffentlichen Universitäten zu verorten“, stellt Koch klar.
Kooperationen und Studiensystem im Fokus
Ein zentrales Element der Reformvorschläge ist die Entwicklung neuer Kooperationsformate für Lehre, Forschung, Third Mission und Verwaltung in einem differenzierten Hochschulsystem. Diese sollen sowohl zwischen als auch innerhalb der jeweiligen Sektoren etabliert werden, gekoppelt mit entsprechenden Rahmenbedingungen und Anreizsystemen.
Bei der Gestaltung des Studiensystems sieht die uniko ebenfalls Handlungsbedarf. Vorgeschlagen wird ein verbindlicheres Studienrecht mit einem klar geregelten Teilzeitstudium unter Berücksichtigung der Anforderungen unterschiedlicher Studienarten. Weitere Punkte umfassen teilweise rückzahlbare, leistungsbezogene Stipendien, mögliche institutionenübergreifende Einstiegs- und sektorenübergreifende Orientierungsphasen sowie ein Kapazitätsmanagement über abgestimmte Aufnahme- und Zulassungsverfahren.
Attraktivere Karrierewege gefordert
Die Weiterentwicklung und Attraktivierung von universitären Karrieren hat für die uniko einen zentralen Stellenwert. „Zeitgemäße, attraktive Stellenprofile mit klaren Kriterien, Evaluierungen und Zeithorizonten sind die Voraussetzung für Exzellenz in Forschung, Lehre, Dritter Mission und Administration“, erklärt Koch.
Notwendig sei die Diversifizierung von Leistungsprofilen bis zur Ebene der Professur, wobei Lehre, Forschung, Innovationskooperationen und Third-Mission-Tätigkeiten berücksichtigt werden müssen. Die Entwicklung klarer Perspektiven und Karrierepfade je nach Tätigkeitsprofil auf Basis kompetitiver Tracks mit Evaluierungs- und Kündigungsmöglichkeiten sei erforderlich.
Die kompetenzorientierte Definition und Weiterentwicklung hybrider Stellen an der Schnittstelle von wissenschaftlichen und administrativen Tätigkeiten mit eigenständigen Karrierepfaden führe bis zu einer Aufhebung der Unterscheidung zwischen den Kategorien „wissenschaftliches/künstlerisches“ und „allgemeines Universitätspersonal“.
Universitäten als Innovationslabore
Eine zentrale Vorreiterrolle komme den Universitäten als Innovationslaboren zu. Sie könnten Transformationsprozesse wie die sinnvolle Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Rahmen einer Sandbox vorantreiben, um sie in weiterer Folge mit hoher Geschwindigkeit breit in der Gesellschaft zu etablieren.
Die uniko-Reformpläne sind auf uniko.ac.at vollinhaltlich zugänglich.
Gespräche mit Wissenschaftsministerin geplant
Die uniko hat ihre Reformvorschläge bereits an Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner geschickt. Als Nächstes ist ein Treffen von uniko-Präsidentin Hütter mit der Ministerin geplant, bei dem es um mögliche Umsetzungsschritte gehen soll.
„Wir sind nicht nur gesprächsbereit, wir fordern sinnvolle Weiterentwicklungen nachdrücklich ein“, betont Hütter. Eines sei jedoch auch klar: „Reformen können eine ausreichende Finanzierung der Universitäten nicht ersetzen.“
Quelle: https://www.jku.at/news-events/news/detail/news/universitaeten-legen-reformplaene-vor
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