Universitäten warnen vor Stellenabbau und Studienkürzungen

Die Universitätenkonferenz übt scharfe Kritik am geplanten Globalbudget von 16 Milliarden Euro für 2028 bis 2030.
Österreichs Universitäten wehren sich gegen die Budgetpläne der Bundesregierung für die kommende Leistungsperiode. Die angekündigten knapp 16 Milliarden Euro für die Jahre 2028 bis 2030 seien keine konstante Finanzierung, sondern eine massive Kürzung, erklärte Brigitte Hütter, Präsidentin der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko), bei einer Pressekonferenz.
Die Regierung rechne sich die Zahlen schön, kritisierte Hütter. Es fehle der Inflationsausgleich, zudem würden die 16 Milliarden Euro Ausgaben enthalten, die bisher aus Sondermitteln finanziert worden seien – etwa Ärztinnen- und Ärztegehälter sowie die neue IT:U in Linz.
Bis zu 6800 Stellen gefährdet
Die Uniko-Präsidentin rechnet mit gravierenden Konsequenzen für Lehre, Forschung und Verwaltung. Fixkosten wie Mieten könnten nicht entsprechend gesenkt werden. Die aktuelle Inflation liege mit 3,6 Prozent über den ursprünglichen Annahmen. „Unter diesen Umständen können wir nicht mehr dieselben Leistungen erbringen“, so Hütter.
Sie warnte vor einem möglichen Abbau von rund 6800 Stellen, Einschränkungen im Studienangebot sowie Schließungen von Studien. Besonders betroffen seien kostenintensive Bereiche wie die MINT-Fächer sowie Forschungsprojekte, die umfangreiche Infrastruktur und zusätzliche Mittel benötigten.
Rektoren sehen Abkehr von erfolgreicher Politik
Peter Riedler, Rektor der Universität Graz, widersprach der Annahme der Bundesregierung, dass sich die finanzielle Lage der Universitäten nach Erreichen des staatlichen Sparziels verbessern werde. „Wenn die Regierung in anderen Bereichen des Budgets keine Einsparungen erzielt, wird sich die Situation der Universitäten auch nach 2031 nicht entspannen“, erklärte er.
Er sieht im Budgetvorschlag eine Abkehr von einer zielorientierten Wissenschafts- und Forschungspolitik, die bisher sehr erfolgreich gewesen sei, wie die zahlreichen ERC-Grants und Exzellenzcluster zeigten. Auch an der Universität Graz rechnet Riedler mit Einschnitten beim Personal. Natürliche Abgänge dürften nicht genügen. Sie fallen nämlich nicht unbedingt dort an, wo Stellen eingespart werden müssen.
Riedler warnt: Sobald das Graz Center of Physics fertig gebaut ist, könnte das Geld für die nötige Ausstattung fehlen. Gemeint ist die Forschungsinfrastruktur, die die Universität gemeinsam mit der TU Graz betreibt.
Uni Wien: Erfolge werden mit Kürzungen beantwortet
Sebastian Schütze, Rektor der Universität Wien, betonte, dass die Universitäten grundsätzlich bereit seien, zu Sparmaßnahmen beizutragen. Schütze sagt, die Kürzungen seien viel zu hoch. Die bisherigen Investitionen hätten sich nämlich klar gelohnt. Die Universitäten haben deutlich mehr Drittmittel und EU-Gelder eingeworben. Das Betreuungsverhältnis ist besser geworden, und in den Rankings sind sie deutlich nach oben gerückt. „Genau das haben frühere Regierungen von uns verlangt, und wir haben es geschafft. Als Antwort auf diese Erfolge drohen uns jetzt harte Kürzungen“, so Schütze.
Er sieht Spielraum für Verbesserungen, doch dafür sei vor allem die Politik zuständig. Eine umfassende Hochschulstrategie müsse alle 77 Hochschulen im Blick haben. Außerdem müsse sie klarer regeln, welche Aufgaben Universitäten, Fachhochschulen und Privatuniversitäten haben.
TU-Vertreter: Einschnitt für Industrie und Wirtschaft
Jens Schneider ist Rektor der TU Wien und spricht für die TU Austria. Er sagt, die drohenden Kürzungen seien ein schwerer Schlag für Industrie und Wirtschaft. Technische Universitäten könnten künftig weniger zur Industriestrategie beitragen, auch weniger zu Start-ups und Innovationen. Das gelte ebenso für Zukunftsfelder wie künstliche Intelligenz und Cybersecurity. „Gerade Technische Universitäten brauchen moderne Labore und teure Ausstattung“, erklärte er.
Schneider findet es sehr unfair, dass die Beschäftigten als ineffizient hingestellt werden. Die Universitätsbediensteten seien sehr motiviert und leisteten oft viel mehr, als im Vertrag steht. „Ich komme aus der Privatwirtschaft, und so effizient wie an den Unis habe ich dort nicht gearbeitet gesehen“, so der TU-Rektor.
Es schmerze ihn besonders, dass die Unis wegen des kurzfristigen Budgets vor allem bei befristeten Stellen kürzen müssten. Das treffe vorwiegend jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Vertrauensverlust und Großdemo angekündigt
Uniko-Vorsitzende Hütter sieht in dem Budgetvorschlag einen massiven Vertrauensverlust gegenüber der Wissenschaftsministerin und kritisierte, dass die Einschätzungen der Fachbeamtinnen und Fachbeamten offenbar wenig Niederschlag in politischen Entscheidungen fänden.
Die uniko kündigte an, die Folgen der Kürzungen weiterhin öffentlich zu thematisieren. Am kommenden Donnerstag will sie gemeinsam mit Studierendenvertretungen, Senaten, Gewerkschaften und Lehrenden bei der Groß-Demo in Wien auf die Straße gehen.
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