Unternehmensübernahmen in NÖ steigen um 18 Prozent

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

In Niederösterreich wurden 2025 insgesamt 1.364 Betriebe übernommen – ein Plus von 11,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Innerhalb von zwei Jahren ergibt sich ein Zuwachs von rund 18 Prozent bei den Betriebsnachfolgen.

Die Zahl der Unternehmensübernahmen in Niederösterreich entwickelt sich positiv: Im Jahr 2025 wechselten 1.364 Betriebe den Eigentümer. Das entspricht einer Steigerung um 142 Unternehmen beziehungsweise 11,6 Prozent im Vergleich zu 2024. Bereits im Jahr davor war die Zahl von 1.155 auf 1.222 gestiegen. Über zwei Jahre betrachtet ergibt sich damit ein Anstieg von rund 18 Prozent.

Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer NÖ, betont die Bedeutung gelungener Nachfolgen: „Jede gelungene Nachfolge bewahrt etwas, das über Jahre aufgebaut wurde: Kundenbeziehungen, Wissen, Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung. Gleichzeitig bringen die Übernehmerinnen und Übernehmer neue Ideen und frischen Unternehmergeist in den Betrieb.“

Fast jede sechste Übernahme österreichweit in NÖ

Von den österreichweit 8.202 Unternehmensübernahmen entfielen 16,6 Prozent auf Niederösterreich. Rechnerisch wechselte etwa jedes 85. aktive Unternehmen im Bundesland im Laufe des Jahres den Besitzer. Bei den übernommenen Einzelunternehmen lag der Frauenanteil bei 42,3 Prozent.

Ecker hebt die Vorteile einer Betriebsübernahme hervor: „Wer einen bestehenden Betrieb übernimmt, startet nicht bei null. Ein bewährtes Geschäftsmodell, ein bestehender Kundenstock und erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden ein starkes Fundament.“

Praxisbeispiel: Tischlerei in Drosendorf

Wie erfolgreiche Nachfolge funktioniert, zeigt die Tischlerei Sebastian Hahn in Drosendorf. Sebastian Hahn übernahm mit knapp 21 Jahren eine bestehende Tischlerwerkstatt mit zwei Mitarbeitern von Wolfgang Cerny. Heute beschäftigt der Betrieb bereits acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bildet zwei Lehrlinge in Tischlerei und Tischlereitechnik aus.

„Für mich war die Übernahme die Chance, früh Verantwortung zu übernehmen und meinen eigenen Weg zu gehen. Ich konnte auf einer bestehenden Werkstatt aufbauen und gleichzeitig meine Vorstellungen von Qualität, Nachhaltigkeit und einem fairen Miteinander umsetzen“, erklärt Hahn.

Übernahmen steigern Umsatz und schaffen Arbeitsplätze

Österreichweite Untersuchungen zeigen das wirtschaftliche Potenzial: 61 Prozent der Nachfolgerinnen und Nachfolger konnten den Umsatz steigern, 60 Prozent investierten mehr als ihre Vorgänger. In 36 Prozent der übernommenen Betriebe wurde zusätzliches Personal eingestellt.

Bundesweit fanden die meisten Übernahmen in den Sparten Gewerbe und Handwerk mit 30,5 Prozent, Tourismus und Freizeitwirtschaft mit 25,1 Prozent sowie Handel mit 19,9 Prozent statt.

52.500 Betriebe suchen bis 2034 Nachfolger

Die Bedeutung des Themas wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Österreichweit stehen bis 2034 rund 52.500 kleine und mittlere Unternehmen vor der Herausforderung, eine geeignete Nachfolgerin oder einen geeigneten Nachfolger zu finden. Erfolgreiche Übergaben können dabei rund 705.000 Arbeitsplätze absichern.

„Eine Betriebsübergabe ist kein einzelner Stichtag, sondern ein Prozess, der gut vorbereitet werden muss. Je früher sich Unternehmerinnen und Unternehmer damit beschäftigen, desto größer sind die Chancen auf eine tragfähige Lösung“, erklärt Ecker. Die Wirtschaftskammer NÖ führte im Jahr 2025 rund 450 Nachfolgeberatungen durch.

Neue Veranstaltungsreihe startet im September

Mit der neuen Veranstaltungsreihe „Nachfolge 2026+“ bringt die Wirtschaftskammer NÖ Information und Beratung gezielt in die Regionen. Expertinnen und Experten vermitteln einen kompakten Überblick über die entscheidenden Faktoren einer erfolgreichen Übergabe sowie rechtliche, steuerliche und finanzielle Fragen.

Die nächsten Veranstaltungen finden am 21. September 2026 in der WKNÖ-Bezirksstelle Amstetten und am 3. November 2026 in der WKNÖ-Außenstelle Purkersdorf statt – jeweils von 18.30 bis 21 Uhr. Neben Fachvorträgen gibt es Gelegenheit, individuelle Fragen mit den Expertinnen und Experten zu besprechen.

Zusätzlich gibt es Beratungsangebote im Rahmen des Gründerland NÖ, einer gemeinsamen Initiative des Landes NÖ und der Wirtschaftskammer NÖ, sowie von der NÖ Bürgschaften und Beteiligungen GmbH (NÖBEG). Über die kostenlose österreichweite Nachfolgebörse können übergabebereite Betriebe und potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger zusammenfinden. Aktuell sind dort mehr als 1.000 Inserate abrufbar.

Weitere Informationen unter www.gruenderservice.at und www.nachfolgeboerse.at

Quelle: OTS

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