Urteil nach Babytod in Nickelsdorf erwartet

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

Am Landesgericht Eisenstadt wird am Donnerstag das Urteil gegen fünf Angeklagte erwartet. Sie sollen im Jänner 2026 ein Neugeborenes am Grenzübergang Nickelsdorf getötet und entsorgt haben. Alle bestreiten die Vorwürfe.

Am Landesgericht Eisenstadt wurde am Donnerstag der Prozess um ein totes Neugeborenes fortgesetzt, das im vergangenen Jänner am Grenzübergang Nickelsdorf im Bezirk Neusiedl am See entdeckt worden war. Für den Abend war ein Urteil gegen die fünf Angeklagten geplant. Die Beschuldigten – eine mittlerweile 18-jährige Frau, ihre Mutter, ihre Schwester, ihr Bruder und ihr Schwager – wiesen die Vorwürfe zurück.

Der jungen Frau, die zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt war, wird Tötung eines Kindes bei der Geburt zur Last gelegt. Ihren vier Verwandten wirft die Staatsanwaltschaft Beteiligung an einem Mord vor.

Ermittler kamen über Videoüberwachung auf die Spur

Drei Polizisten schilderten am Donnerstag den Ermittlungsverlauf. Das tote Baby war am 18. Jänner 2026 von zwei Männern hinter einer Trafostation am Grenzübergang entdeckt worden. Daneben lag blutgetränkte Kleidung. Über die Videoaufzeichnungen einer Tankstelle am Grenzübergang und das Kennzeichen eines darauf sichtbaren Kleinbusses konnten die Ermittler die fünf Verdächtigen identifizieren.

Laut Anklage war die rumänische Familie am 17. Jänner 2026 in einem Kleinbus von Rumänien nach Deutschland unterwegs, als bei der damals 17-Jährigen die Wehen begannen. Die Familie hielt deshalb auf einem Parkplatz beim Grenzübergang an, wo das Kind im Fahrzeug geboren worden sein soll. Die Mutter soll das Neugeborene noch unter dem Einfluss des Geburtsvorgangs gewürgt und erschlagen haben.

Obduktion: Baby lebte mehrere Minuten

Eine Obduktion ergab, dass das Mädchen gesund war und mindestens mehrere Minuten gelebt hatte. Die Todesursache war ein Schädel-Hirn-Trauma.

Auf den Überwachungsaufnahmen ist laut Staatsanwaltschaft zu sehen, wie die mittlerweile 18-Jährige kurz nach 22.00 Uhr mit einer Tasche aus dem Kleinbus steigt und von ihrer Mutter zu der Trafostation geführt wird, hinter der das tote Baby am Folgetag gefunden wurde. Die übrigen Familienmitglieder sollen während der Geburt Wache gehalten haben. Später sind sie auf dem Video unter anderem beim Wegwerfen einer blutigen Matratze zu sehen.

Angeklagte bestreiten Tatvorwürfe

Die Angeklagten präsentierten vor Gericht eine andere Darstellung. Die junge Frau habe ihre Schwangerschaft verschwiegen, möglicherweise aus Scham, weil sie keinen Partner hatte. Sie habe das Kind allein entbunden. Mutter, Schwester, Bruder und Schwager hätten nichts davon bemerkt. Das Blut habe die Erstangeklagte mit ihrer Menstruation erklärt.

Die 18-Jährige bestreitet auch, das Kind getötet zu haben. Sie habe angenommen, es sei eine Totgeburt gewesen. Die Kopfverletzungen seien entstanden, als ihr das Baby beim Ablegen hinter der Trafostation aus der Hand gerutscht sei.

Bis zu lebenslange Haft möglich

Der zum Tatzeitpunkt jugendlichen Erstangeklagten drohen bei einer Verurteilung bis zu zweieinhalb Jahre Haft. Ihre Verwandten könnten zu zehn bis 20 Jahren verurteilt werden, mit Ausnahme des 20-jährigen Bruders auch zu lebenslanger Haft. Ein älterer Mann, der auf den Videoaufnahmen ebenfalls im Kleinbus zu sehen ist, konnte laut Staatsanwaltschaft bisher nicht ausgeforscht werden.

Quelle: APA

Worüber spricht Neusiedl am See morgen?

Kostenloses News Briefing aus deiner Region – jeden Morgen um 6 Uhr.

Mit der Anmeldung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

austria.com auf Google bevorzugen.