Vida-Chef kritisiert „Ausbildungsstreik“ der Betriebe

Die Gewerkschaft vida wirft der Wirtschaft vor, zu wenige Lehrlinge auszubilden. Gewerkschaftschef Roman Hebenstreit spricht von einem „Ausbildungsstreik“ und sieht die Kosten beim Staat.
Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, übt scharfe Kritik an der heimischen Wirtschaft. Die Wirtschaftskammer beklage sich über zu wenige Lehrlinge, dabei seien die Jugendlichen vorhanden – es fehle an Lehrstellen, so Hebenstreit.
Aktuell bilden die Betriebe rund 95.000 Lehrlinge aus, das entspricht einem Rückgang von 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig wächst die überbetriebliche Lehrausbildung um 5 Prozent auf knapp 6.000 Jugendliche. In Wien übersteigt die Zahl der Lehrstellensuchenden das Angebot an offenen Lehrstellen um 5.163.
Staat zahlt die Rechnung
„Das ist kein Versagen der Jugend. Das ist ein Ausbildungsstreik der Wirtschaft“, erklärt der vida-Vorsitzende. Die Rechnung zahle man mit Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Arbeitslosigkeit und fehlende Fachkräfte verursachten Kosten, ebenso wie Aus- und Weiterbildung über das AMS.
Die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Lehrabschluss ist um 5 Prozent gestiegen. Hebenstreit kritisiert, dass die Wirtschaft zu wenige Fachkräfte ausbildet und dann über Fachkräftemangel klage. Statt höhere Löhne zu zahlen, rufe sie nach billigen Arbeitskräften aus Drittstaaten mittels Rot-Weiß-Rot-Karte, Saisonier-Kontingenten und anderen Instrumenten.
Vorwurf des Lohndrückerkartells
„Wer nicht ausbildet, nicht anständig zahlt und nach Zuzug ruft, handelt wie ein Lohndrückerkartell“, so Hebenstreit. Die Kritik richte sich gegen diese Politik, nicht gegen Menschen. Wer in Österreich arbeite, habe Anspruch auf denselben kollektivvertraglich abgesicherten Lohn, unabhängig von der Herkunft.
Die Einhaltung von Gesetzen und kollektivvertraglichen Regelungen werde zu wenig kontrolliert, weil die Behörden durch „schlanke Staat“-Ideologie ausgehungert würden, betont der Gewerkschafter.
Forderungen der Gewerkschaft
Die Gewerkschaft vida legt einen Forderungskatalog vor:
einen Ausbildungsbonus für Lehrlinge
ein Investitionspaket für Berufsschulen, an dem sich die Unternehmen finanziell beteiligen
einen Ausbildungsfonds, in den Betriebe ohne Lehrlinge einzahlen
faire Lehrlingsentschädigungen
mehr Ausbildung im eigenen Land: Erst selbst ausbilden und qualifizieren, bevor Fachkräfteverordnungen, Saisonier-Kontingente und Rot-Weiß-Rot-Karte ins Spiel kommen
„Wer heute keine Lehrlinge ausbildet, darf morgen nicht über fehlende Fachkräfte klagen“, unterstreicht Hebenstreit zum Abschluss.
Quelle: OTS
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