Vier Ukrainer in Wien wegen Spionage-Verdachts festgenommen

Mona HopfingerMona Hopfinger
Zeiterfassung Wien Ukraine Lupe mit Dokumenten und Stadtbild
© Mit KI (Gemini) generiert

In der österreichischen Hauptstadt sind vier ukrainische Staatsbürger unter dem Verdacht der Spionage in Gewahrsam genommen worden. Darunter befindet sich auch ein bekannter Investigativjournalist, der mittlerweile wieder freigelassen wurde.

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) hat am Freitag die Festnahme von vier Ukrainern in Wien bestätigt. Zwei der Verdächtigen wurden bereits zu Beginn der Woche verhaftet und befinden sich in Untersuchungshaft. Am Donnerstag erfolgten zwei weitere Festnahmen: Ein in der Ukraine prominenter Journalist und sein Kameramann wurden in Gewahrsam genommen. Während der Kameramann weiterhin angehalten wird, ist der Journalist bereits wieder auf freiem Fuß, erklärte Karner am Rande einer Pressekonferenz.

Investigativjournalist nach zwölf Stunden freigelassen

Bei dem festgenommenen Journalisten handelt es sich um Mychajlo Tkatsch, der als Leiter des Investigativressorts der „Ukrajinska Prawda“ arbeitet. Er hatte Recherchen über den geflohenen ukrainischen Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko durchgeführt, wie das Medium mitteilte.

Tkatsch wurde nach zwölf Stunden in Behördengewahrsam um 4.00 Uhr früh am Freitag freigelassen. Dies teilte Sewhil Musajewa, Chefredakteurin der „Ukrajinska Prawda“, am Freitagvormittag auf Facebook mit. Der ebenfalls festgenommene Kameramann Jaroslaw Bondarenko wurde bei der Festnahme verletzt und befand sich im Krankenhaus. Seine Vernehmung begann erst in den Nachtstunden, so Musajewa.

Medien und Botschaft fordern Aufklärung

„Die Vorwürfe, die gegen unsere Kollegen während ihrer Festnahme erhoben wurden, ähneln nichts, mit dem die Redaktion früher zu tun hatte. Das wirft ernste Fragen auf“, schrieb die Chefredakteurin. Sie erwarte von den österreichischen Strafverfolgern Erklärungen.

Auch die ukrainische Botschaft in Wien forderte eine Stellungnahme. Eine Sprecherin erklärte gegenüber der APA: „Wir erwarten von den zuständigen österreichischen Behörden eine zeitnahe offizielle Stellungnahme zu den Umständen und den rechtlichen Grundlagen seiner Festnahme.“

Staatsanwaltschaft: Tatverdacht hat sich nicht erhärtet

Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, erklärte gegenüber der APA, dass sich im Zuge anderer Ermittlungen ein Verdacht gegen zwei weitere Personen ergeben habe, dieser sich aber nicht erhärtet habe. Eine Person sei wieder auf freiem Fuß, bei einer zweiten liefen noch Einvernahmen. Auch hier deute derzeit vieles darauf hin, dass sich der Tatverdacht nicht erhärte. Weitere Angaben könne sie nicht machen.

Recherchen zu geflohenen Amtsträgern

Mychajlo Tkatsch hat sich seit mehr als zehn Jahren durch Recherchen einen Namen gemacht, bei denen er führende ukrainische Politiker und politisch einflussreiche Geschäftsleute im öffentlichen Raum aufspürt und mit unangenehmen Fragen konfrontiert. Zu Beginn des russischen Aggressionskriegs gegen sein Heimatland beschäftigte er sich insbesondere mit aus der Ukraine nach Europa übersiedelten oder geflohenen Amtsträgern. Zuletzt interessierte er sich unter anderem für den ukrainischen Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko, der sich nach Ermittlungen von ukrainischen Antikorruptionsermittlern mutmaßlich nach Wien abgesetzt hat.

Quelle: APA

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