Villach: 50-Millionen-Euro-Projekt für Quantenchips startet

Pia ProdingerPia Prodinger
© Mit KI (Gemini) generiert

In Villach fiel der Startschuss für CHAMP-ION, ein europäisches Pilotprojekt zur industriellen Fertigung von Ionenfallen-Chips. Die Initiative wird mit 50 Millionen Euro gefördert und soll Europas Position in der Quantentechnologie stärken.

Das CHAMP-ION-Konsortium hat am 27. Mai seine internationale Auftaktveranstaltung in Villach abgehalten. Dabei kamen führende Akteure aus dem europäischen Quantentechnologie-Sektor zusammen. Das Projekt trägt den vollständigen Namen „Championing A European Advanced Manufacturing Pilot Line of Ion-Traps“ und verfügt über ein Gesamtvolumen von 50 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt durch die Europäische Union (Chips JU) sowie durch nationale und regionale Förderstellen der teilnehmenden Mitgliedstaaten.

Ziel der Initiative ist der Aufbau einer kompletten europäischen Wertschöpfungskette für Ionenfallen-Chips. Diese umfasst Design, Mikrofabrikation, Integration, Test und Validierung. Das Projekt soll robuste und reproduzierbare Fertigungsprozesse etablieren, um Ionenfallen-Technologien vom Laborprototyp zur industriellen Serienproduktion zu bringen. Angestrebt wird der Technologiereifegrad 6 (TRL 6), der die Basis für eine spätere Großserienproduktion bilden soll.

Koordiniert wird CHAMP-ION von Silicon Austria Labs (SAL). Das Konsortium vereint 21 Partner aus Österreich, Deutschland, Finnland, Italien, Portugal und Tschechien. Beteiligt sind Forschungseinrichtungen, KMU, Industrieunternehmen, Metrologieinstitute und Universitäten.

Offene Pilotlinie für europäische Unternehmen und Forschung

Ionenfallen-Systeme gehören zu den führenden Plattformen für Quantencomputing, Quantensensorik, Quantenkommunikation und Quantensimulation. Der Übergang vom Laborprototyp zur industriellen Fertigung erfordert jedoch robuste Prozesse, Standardisierung und integrierte Lieferketten. CHAMP-ION begegnet diesen Anforderungen durch den Aufbau einer hochwertigen Pilotlinie für Ionenfallen-Chips mit Schwerpunkt auf Reproduzierbarkeit, Ausbeuteoptimierung und Prozessstabilität.

Die Pilotlinie wird nach einem offenen Modell mit einem einzigen Zugangspunkt betrieben. Unternehmen, KMU, Start-ups und Forschungsorganisationen in ganz Europa können Fabrikations- und Testdienstleistungen in Anspruch nehmen. Die Anlage wird Multi-Project-Wafer-Läufe (MPW) und Pilotproduktion unterstützen, um Einstiegshürden zu senken und den Technologietransfer von der Forschung in die Industrie zu beschleunigen.

Entwickelt werden zudem standardisierte Process Design Kits (PDKs) und skalierbare Integrationsrahmen, um zunehmend komplexe Quantensysteme zu unterstützen. Die Pilotlinie wird mehrere Ionenfallen-Architekturen unterstützen, darunter Oberflächenelektroden-, monolithische, gestapelte und MEMS-basierte Designs.

Statements der Beteiligten

Christina Hirschl, CEO von Silicon Austria Labs, betonte: „Wir sind stolz darauf, CHAMP-ION als wahrhaft europäische Initiative zu koordinieren, die führende Expertise aus dem gesamten Kontinent zusammenbringt, um Europas technologische Souveränität im Bereich der Quantentechnologien zu stärken. Durch den Aufbau eines offenen und skalierbaren Ionenfallen-Ökosystems schaffen wir das Fundament für Quantenexzellenz auf Weltklasseniveau – made in Europe.“

Isabel Tausendschön, CFO von Silicon Austria Labs, erklärte: „CHAMP-ION ist eine wichtige Investition in Europas künftige Wettbewerbsfähigkeit und schafft neue Chancen für industrielle Innovation, hochwertige Fertigung und resiliente Lieferketten. Projekte wie dieses sind unverzichtbar, um Spitzenforschung in nachhaltige wirtschaftliche Wertschöpfung zu überführen.“

Der österreichische Innovationsminister Peter Hanke sagte: „Mit CHAMP-ION zeigt Europa, dass wir bei Schlüsseltechnologien wie Quantencomputing nicht nur wissenschaftlich führend sein wollen, sondern auch industrielle Wertschöpfung gezielt in Europa aufbauen. Österreich übernimmt dabei mit Silicon Austria Labs, Infineon Austria, Alpine Quantum Technologies (AQT), der Universität Innsbruck und ParityQC eine zentrale Rolle.“ Das Projekt stärke die technologische Souveränität, schaffe hochqualifizierte Arbeitsplätze und bringe Spitzenforschung schneller in industrielle Anwendungen.

Technologischer Umfang und Konsortium

CHAMP-ION wird einen durchgängigen industriellen Workflow bereitstellen. Dieser umfasst Device Design und Process Design Kit, Mikrofabrikation von Ionenfallen-Chips, Photonik-, Elektronik- und MEMS-Integration, Metrologie, Test und Validierung sowie Pilotproduktion und Multi-Project-Wafer-Läufe. Ein zentrales Ziel ist die Entwicklung standardisierter PDKs und skalierbarer Integrationsrahmen, um die Interoperabilität in industriellen und wissenschaftlichen Ökosystemen zu gewährleisten.

Zum Konsortium gehören neben dem Koordinator Silicon Austria Labs unter anderem Infineon Technologies Austria AG, Alpine Quantum Technologies GmbH (AQT), Parity Quantum Computing GmbH, Eleqtron GmbH, VTT Technical Research Centre of Finland, die Universität Innsbruck, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und das International Iberian Nanotechnology Laboratory.

Quelle: https://silicon-austria-labs.com/champ-ion-pilot-line-kick-off

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