Volksanwaltschaft kritisiert Luxus-Bau am Wolfgangsee

Die Volksanwaltschaft stellt einen Missstand bei der Bewilligung eines Neubaus in St. Gilgen fest. Laut Grünen wurde das Naturschutzverfahren für das Projekt im Landschaftsschutzgebiet nicht ordentlich geprüft.
Im Juni wurde in St. Gilgen in prominenter Seelage das historische Seetorhaus abgerissen. An seiner Stelle soll im Landschaftsschutzgebiet ein deutlich größerer Neubau entstehen. Der grüne Raumordnungssprecher Simon Heilig-Hofbauer hatte bereits zwei Landtagsanfragen zu dem Projekt eingebracht.
Eine aktuelle Missstandsfeststellung der Volksanwaltschaft verschärft nun die Kritik an dem Vorhaben. Die Behörde kommt zu dem Schluss, dass „der Amtssachverständige im naturschutzrechtlichen Bewilligungsverfahren offenkundig falsche Zahlen übernommen hat“. Die Maße der offiziellen Bauplatzerklärung der Gemeinde St. Gilgen seien nicht herangezogen worden. Es sei „verabsäumt“ worden, die Abrissfläche anhand der offiziellen Unterlagen zu prüfen.
Abrissfläche größer dargestellt
Laut Volksanwaltschaft sei es „offenkundig“, dass es im Interesse der Projektwerber liege, die Abrissfläche größer darzustellen als in der Bauplatzerklärung ausgewiesen, „um den prozentuellen Umfang der Vergrößerung des Gesamtbauwerks zu minimieren“. Die Nichtheranziehung und Nichtnachmessung stelle einen Missstand in der Verwaltung dar.
Heilig-Hofbauer kritisiert, dass der Luxus-Neubau direkt am See im Naturschutzverfahren nicht ordentlich geprüft und einfach durchgewunken worden sei. Er spricht von einer möglichen Sonderbehandlung für finanzkräftige Bauherren.
Massive Vergrößerung geplant
Der Neubau soll in allen Dimensionen deutlich wachsen. Die Ansichtsfläche soll um 47,5 Prozent, die Grundfläche um 92,49 Prozent und die Baumasse um 156,6 Prozent vergrößert werden. Am Ende würde ein Haus mit mehr als doppelt so viel Volumen wie zuvor entstehen.
Laut Heilig-Hofbauer gibt das Land selbst an, dass gemäß der langjährigen Verwaltungspraxis von einer untergeordneten Vergrößerung nur bei einem Verhältnismaß von einem Drittel ausgegangen werden könne. Diese Grenzen seien hier in jeder Hinsicht gesprengt worden. Der Abgeordnete fordert Aufklärung, wie es zu dieser Fehlleistung kommen konnte.
Grüne fordern Baustopp
Die Grünen verlangen angesichts der Entwicklungen einen sofortigen Baustopp. Die Baustelle musste im Juli und August wegen der Urlaubssaison ruhen und soll im September fortgesetzt werden. Heilig-Hofbauer fordert einen sofortigen Baustopp sowie die Wiederaufnahme des Naturschutzverfahrens. In Salzburg müsse gleiches Recht für alle gelten, es dürfe keine Sonderbehandlungen für Superreiche geben.
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