Volksgruppengesetz: Mehrsprachigkeit im Fokus

Mathias FischerMathias Fischer
Brigitte Schimanko und Thomas Steiner bei der Veranstaltung "4+ Burgenland" in Eisenstadt.
© PPH Burgenland, außer Bild 1 (Büro LRin Winkler/Christoph Novak)

Bei der Jahrestagung des Forum4Burgenland in Oberwart diskutierten Vertreter aus Bildung, Wissenschaft und Volksgruppenbeiräten über 50 Jahre Volksgruppengesetz und die Zukunft autochthoner Minderheitensprachen im Burgenland.

Am 14. Oktober 2026 stand im Haus der Volksgruppen Burgenland in Oberwart das Jubiläum des Volksgruppengesetzes im Mittelpunkt. Die Jahrestagung des Forum4Burgenland widmete sich der historischen Entwicklung der Minderheitenpolitik und der Frage, wie die Sprachen und Kulturen der autochthonen Volksgruppen nachhaltig gestärkt werden können. Zudem wurden Ergebnisse der Jugendstudie „Lebenswelten 2025“ präsentiert.

Sabine Weisz, Rektorin der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland, betonte die Verantwortung der Bildungseinrichtungen: „Die sprachliche und kulturelle Vielfalt des Burgenlandes ist ein wertvoller Bestandteil unserer gemeinsamen Geschichte und Gegenwart. Als Pädagogische Hochschule tragen wir Verantwortung dafür, die Sprachen und Kulturen der autochthonen Volksgruppen durch Bildungsangebote zu stärken und Mehrsprachigkeit als Bereicherung zu vermitteln.“

Historischer Rückblick auf das Volksgruppengesetz

Der Historiker Gerhard Baumgartner beleuchtete in seinem Impulsvortrag die Entstehungsgeschichte des Volksgruppengesetzes von 1976. Er stellte Verbindungen zur österreichischen Südtirolpolitik und zum Kärntner Ortstafelsturm her und zeigte auf, dass Beharrlichkeit, Zivilcourage und außenpolitische Überlegungen zur Verabschiedung des Gesetzes führten. Baumgartner wies darauf hin, dass das Gesetz bis heute vieles offenlässt.

Bildungslandesrätin Daniela Winkler unterstrich die historische Verantwortung: „Die Vielfalt unserer autochthonen Volksgruppen prägt die burgenländische Identität seit Bestehen als eigenständiges Bundesland. 50 Jahre Volksgrupsengesetz erinnern uns an die historische Verantwortung, diese Sprachen und Kulturen mit gegenseitiger Wertschätzung zu bewahren.“ Sie verwies auf die Schlüsselrolle des Bildungssystems beim Erhalt von Burgenlandkroatisch, Ungarisch und Romani.

Sprache lebt durch aktive Nutzung

Bundesministerin für Europa, Integration und Familie Claudia Bauer betonte in einer Videobotschaft die Bedeutung der Bildungsarbeit. „Eine Sprache überlebt nicht, weil sie in der Verfassung steht. Sie überlebt, weil Kinder und Jugendliche sie sprechen“, erklärte die Ministerin. Kinder sollten die Sprachen ihrer Großeltern nicht nur als kulturelles Erbe kennenlernen, sondern auch aktiv im Alltag verwenden.

Volksgruppenbeiräte fordern mehr Engagement

Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma, hob die Bedeutung von Bildung für Chancengerechtigkeit hervor. Roma seien in Österreich im Bildungsbereich weiterhin mit Benachteiligungen konfrontiert. Geschichte, Kultur, Sprachen und Lebensrealitäten der Roma sollten stärker in Lehrplänen, Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien verankert werden, um Vorurteile abzubauen und Antiziganismus entgegenzuwirken.

Attila Somogyi, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats für die ungarische Volksgruppe, forderte ein breiteres Sprachangebot: „Einsprachigkeit ist heilbar. Wir brauchen dazu bessere und mehr Angebote sowohl in der Schule als auch in der Erwachsenenbildung.“

Josef Buranits, Präsident des Kroatischen Kulturvereins im Burgenland, sprach sich für eine Überarbeitung des Volksgruppengesetzes aus. Ein 50 Jahre altes Gesetz sei nicht mehr zeitgemäß und bedürfe einer Novellierung.

Jugendstudie zeigt Potenzial und Defizite

Jasmin Mersits-Linzer von der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland und Daniel Wutti von der Pädagogischen Hochschule Kärnten präsentierten zentrale Ergebnisse der Jugendstudie „Lebenswelten 2025“. An der Studie nahmen über 15.000 Jugendliche teil. Die Ergebnisse zeigen: 74 Prozent leben in einem mehrsprachigen Umfeld, 70 Prozent sehen andere Sprachen als Bereicherung an und 77 Prozent wünschen sich mehrsprachige Kinder.

Gleichzeitig gibt es einen großen Sprachverlust bei autochthonen und allochthonen Minderheitensprachen. Ein Drittel der befragten Jugendlichen kennt die sechs autochthonen Minderheiten nicht.

Die vorläufigen Ergebnisse für das Burgenland weisen auf ein stärkeres Bewusstsein hin: 80 Prozent der befragten Jugendlichen im Burgenland kennen die Minderheiten, gegenüber 64 Prozent in der Gesamtstudie. 53 Prozent berichten von persönlichem Kontakt, gegenüber 34 Prozent insgesamt. Die Einstellungen zu autochthonen Minderheitensprachen zeigen dennoch ein gemischtes Bild.

Bildungsauftrag für die Zukunft

Bildungsdirektor Alfred Lehner betonte in seinen abschließenden Worten: „Die sprachliche und kulturelle Diversität ist ein prägendes Merkmal des Burgenlandes. Mehrsprachigkeit ist eine wertvolle Ressource und ein wichtiger Bestandteil unserer Bildungslandschaft. Unsere Aufgabe im Bildungsbereich ist es, unsere Schülerinnen und Schüler dabei zu bestärken, sprachliche Vielfalt als Chance zu erkennen und die kulturellen Besonderheiten unserer Region wertzuschätzen.“

Die Veranstaltung wurde von Walter Reiss, Elizabeth Hausmann-Farkas und Marin Berlakovich moderiert. Für die musikalische Gestaltung sorgten der Schulchor der BAfEP Oberwart „VOX BAfEP“ und ein Ensemble der Zentralmusikschule Großwarasdorf.

Das Forum4Burgenland ist ein Bildungsforum der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland, der Bildungsdirektion Burgenland und der burgenländischen Volksgruppenbeiräte. Es wurde 2019 gegründet, um die autochthonen Minderheitensprachen Burgenlandkroatisch, Ungarisch und Burgenland-Romani stärker in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern.

Forum 4 Burgenland: Mann spricht auf Bühne in Eisenstadt, rechts steht ein Mann, links eine Frau am Laptop.
© PPH Burgenland, außer Bild 1 (Büro LRin Winkler/Christoph Novak)

Quelle: https://www.ph-burgenland.at/home/news-detail?tx_news_pi1[action]=detail&tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[news]=642&cHash=dae966bcf8d47d49f5fbe1d03432a721

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