Volkswagen-Aufsichtsrat beschließt Zukunftsplan 2030

Pia ProdingerPia Prodinger
Abstrakte blaue Kurven mit Lichteffekten
© Porsche Holding GmbH

Der Aufsichtsrat der Volkswagen Group hat einstimmig dem Zukunftsplan 2030 zugestimmt. Das Transformationsprogramm sieht den Abbau von rund 50.000 Stellen weltweit vor und umfasst zwölf Initiativen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.

Nach intensiven Beratungen hat das Kontrollgremium der Volkswagen Group am 3. September 2026 grünes Licht für den umfassenden Zukunftsplan gegeben. Der Konzernvorstand will nun gemeinsam mit den Marken, Gesellschaften und Arbeitnehmervertretern die Umsetzung vorantreiben. Das Programm gilt als das strategisch tiefgreifendste in der Geschichte des Automobilkonzerns.

CEO Oliver Blume bezeichnete die einstimmige Zustimmung als starkes Signal für die Zukunft. „Wir übernehmen Verantwortung für unser gesamtes Team, für unsere Partner und für Industriearbeitsplätze weltweit“, erklärte er. In den kommenden Jahren wolle man eine dreistellige Milliardensumme investieren, um die Marken attraktiver und wettbewerbsfähiger zu machen.

Operative Umsatzrendite von neun Prozent angestrebt

Das Unternehmen plant bis 2030 mit einem Absatz von 9 Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Finanzielles Kernziel ist eine operative Umsatzrendite von 9 Prozent, was einem operativen Ergebnis von rund 31 Milliarden Euro entspricht. Für Investitionen in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung sind im Planungszeitraum 2027 bis 2031 insgesamt 135 Milliarden Euro vorgesehen.

Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des Aufsichtsrats, zeigte sich überzeugt: „Mit dessen Umsetzung wird die dauerhafte Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Volkswagen Konzerns gesichert“, sagte er nach der Sitzung.

Modellpalette wird drastisch reduziert

Bis 2035 will die Volkswagen Group ihre Modellpalette um rund 50 Prozent straffen, die Angebotskomplexität sogar um rund 75 Prozent verringern. Die fokussierten Modelle sollen von höheren Stückzahlen, niedrigeren Kosten und stärkeren Skaleneffekten profitieren. Plattformen, Elektronik-Architekturen und Software werden konsequent auf die westliche und östliche Hemisphäre ausgerichtet.

Ein konzernweites Programm für Operative Exzellenz soll die Effizienz deutlich steigern. Schlankere Führungsstrukturen, klare Verantwortlichkeiten und kürzere Entscheidungswege sollen mehr Geschwindigkeit in der Umsetzung bringen. Ein einheitliches Performance- und Bonussystem für Führungskräfte wird eingeführt.

Überkapazität von 500.000 Fahrzeugen in Europa

Der Aufsichtsrat hat zur Kenntnis genommen, dass eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen in Europa besteht. Für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm kann aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden. Bis Ende Juni 2027 soll ein Konzept für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entwickelt werden. Parallel werden alternative Verwendungsmöglichkeiten für die betroffenen Werke geprüft.

Weltweiter Stellenabbau von 50.000 Arbeitsplätzen

Über bestehende Programme hinaus ist eine weitere grundlegende Anpassung der weltweiten Personalkapazitäten notwendig. Die dem Zukunftsplan zugrundeliegende Erhebung sieht eine konzernweite Anpassung der Beschäftigtenzahl in Höhe von rund 50.000 abzubauenden Stellen – inklusive Management-Positionen – vor. Dies wird mit dem zunehmenden globalen Wettbewerbsdruck, veränderten Nachfragestrukturen und dem technologischen Wandel begründet.

Christiane Benner, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Erste Vorsitzende der IG Metall, sprach von intensivem Ringen um gute Lösungen. „Volkswagen trägt dabei als größter Industriekonzern weiterhin eine enorme Verantwortung für seine Beschäftigten und Standortregionen“, betonte sie.

Reaktionen aus Politik und Betriebsrat

Olaf Lies, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, bezeichnete die Herausforderungen angesichts des internationalen Wettbewerbs als enorm. Von dem Beschluss gingen wichtige Signale aus: kräftige Investitionen in Zukunftsfähigkeit und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig müssten für die Standorte langfristige Perspektiven entwickelt werden. Auch die Politik müsse wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen schaffen.

Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats, nannte den Zukunftsplan eine Notwendigkeit, um den Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen. „Volkswagen wahrt damit einmal mehr die Gleichrangigkeit von Beschäftigungssicherung und Wirtschaftlichkeit als gemeinsame Unternehmensziele“, sagte sie. Die Mitbestimmung übernehme auch in dieser Situation Verantwortung.

Weitere Maßnahmen geplant

In Nordamerika konzentriert sich der Konzern künftig auf die profitabelsten Segmente. Das China-Geschäft wird an die veränderte Erwartung an das Gesamtwachstum des chinesischen Automobilmarkts angepasst, das Exportgeschäft in Richtung „globaler Süden“ ausgebaut.

Das Portfolio der Beteiligungen und Geschäfte soll um rund ein Drittel gestrafft werden. Nicht-strategische Aktivitäten werden veräußert oder neu strukturiert. Auch das Immobilienportfolio wird überprüft. Ziel sind eine schlankere Struktur und ein effizienterer Einsatz des Kapitals.

Der Aufsichtsrat bittet den Konzernvorstand, ein Modell für eine fortentwickelte Entscheidungs- und Konzernstruktur zu entwickeln. Die Zustimmungsvorbehalte sollen auf Maßnahmen von wesentlicher Bedeutung für den Gesamtkonzern beschränkt und die Schwellenwerte an die übliche Unternehmenspraxis im DAX angepasst werden.

Bereits angestoßene Maßnahmen werden konsequent fortgeführt, weitere Schritte unmittelbar eingeleitet. Wo Vereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretern erforderlich sind, werden die zuständigen Gremien eingebunden und die Gespräche zügig aufgenommen. Der Aufsichtsrat wird regelmäßig über die Fortschritte informiert.

Quelle: https://www.porscheholding-newsroom.at/pressemeldungen/detail/2026-09-04-aufsichtsrat-stimmt-zukunftsplan-2030-zu-starkes-signal-fuer-die-volkswagen-group

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