Vom Büro in die Behindertenarbeit: Neustart mit 37

Bettina Hassold (37) hat nach 15 Jahren im Bürojob an der Schule für Sozialbetreuungsberufe eine berufsbegleitende Ausbildung absolviert. Kurz vor ihrem Abschluss als Fachsozialbetreuerin erzählt sie von ihrem Weg in die Behindertenarbeit.
Nach anderthalb Jahrzehnten im Bürobetrieb wollte Bettina Hassold beruflich noch einmal neu durchstarten. Die 37-Jährige entschied sich für eine berufsbegleitende Ausbildung an der Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB) am Campus:Inklusiv in Feldkirchen. Nun steht sie kurz vor dem Abschluss als Fachsozialbetreuerin in der Behindertenarbeit – und hat nach eigenen Angaben ihren Traumjob gefunden.
15 Jahre lang arbeitete Hassold in einem Bürobetrieb. Irgendwann sei jeder Tag gleich gewesen, es habe wenig Abwechslung und kaum Weiterentwicklung gegeben, erzählt sie. Während der Karenz mit ihrem Sohn habe sie sich immer wieder gefragt, ob sie wirklich in dieses Berufsbild zurückkehren wolle. „Ich wollte einfach Veränderung“, sagt Hassold.
Nach der Karenz informierte sie sich über Ausbildungsmöglichkeiten und stieß auf die SOB. Zunächst erkundigte sie sich über den Altenbereich und die Pflegeassistenz. Vor etwa einem Jahr entschied sie sich zusätzlich für die Ausbildung zur Fachsozialbetreuerin in der Behindertenarbeit. „Das war die beste Entscheidung“, resümiert sie.
Berufsbegleitend mit kleinem Kind
Für die Wahl der SOB waren mehrere Faktoren ausschlaggebend. Zwei Personen aus ihrer unmittelbaren Wohnumgebung hätten die Ausbildung bereits vor Jahren absolviert und von der Qualität berichtet, erzählt Hassold. Entscheidend sei aber gewesen, dass die Ausbildung berufsbegleitend möglich ist.
Sie habe nicht Vollzeit in der Schule sitzen wollen, weil ihr Sohn damals noch klein gewesen sei. Gleichzeitig sei es ihr wichtig gewesen, das Praktikum nebenbei machen und Theorie gleich mit Praxis verbinden zu können. Ihr Sohn ist mittlerweile sieben Jahre alt und besucht die erste Klasse. „Jetzt halten wir beide unser Zeugnis in die Luft – das ist schon ein sehr schöner Moment“, sagt Hassold.
Der Wiedereinstieg ins Lernen sei am Anfang ungewohnt gewesen, berichtet sie. Man müsse erst wieder hineinfinden und das Lernen wieder erlernen. Beim ersten Durchlesen der Skripten und Fachbücher seien viele Fragezeichen aufgetaucht. Aber man komme relativ schnell hinein, und die Schule begleite einen sehr gut. Es starte nicht gleich mit vollem Tempo, man lerne zuerst auch verschiedene Lerntypen kennen.
Praxisbezug vom ersten Tag an
Vom ersten Ausbildungstag an begegnen die Studierenden am Campus:Inklusiv Menschen mit Behinderungen – die Stadtwerkstatt liegt nur wenige Türen von den Klassenräumen entfernt. Für Hassold war das anfangs ungewohnt, da sie zuvor kaum Kontakt zu Menschen mit Behinderungen hatte. Die Begegnung sei jedoch von Herzlichkeit geprägt gewesen.
Gerade in der Stadtwerkstatt treffe man die Klientinnen und Klienten jeden Tag. Sie begegneten einem mit so viel Freundlichkeit und Herzlichkeit. „Man fühlt sich hier am Campus wirklich wohl – nach drei Jahren ist es fast schon wie ein Zuhause geworden“, sagt Hassold.
Der Praxisbezug sei für sie total wichtig gewesen, betont sie. Es mache einen großen Unterschied, ob man nur Theorie lerne oder ob man zeitgleich in die Praxis gehen könne, um zu sehen: Liegt mir das überhaupt? Passt das wirklich zu mir? Für sie sei es wichtig gewesen, die Praxis gleich nebenbei zu haben und zu merken, ob sie das umsetzen könne und ob das zu ihr passe.
Viele Aha-Momente im Praktikum
In den Praktika habe es viele Aha-Momente gegeben, in denen sie gedacht habe: Genau, das haben wir in der Theorie besprochen – jetzt probiere ich das aus, erzählt Hassold. Und dann merke man, dass es funktioniere. Besonders bei der Kommunikation mit Menschen mit Beeinträchtigungen sei ihr eine Begegnung in Erinnerung geblieben: Sie sei mit null Vorwissen hineingegangen und habe am Anfang manchmal angepasst mit den Menschen gesprochen. Dann sei ihr aber auch direkt gesagt worden: „Du kannst mit mir aber ganz normal reden.“
Nach Abschluss ihrer Ausbildung ist Hassold auch fertige Pflegeassistentin. Ein Job in der Altenpflege sei nicht ausgeschlossen, sagt sie. Aber mittlerweile sei es schon so, dass sie sehr gerne in die Behindertenarbeit gehen würde. Wer wisse, was später noch komme – aber im Moment ziehe es sie klar in diesen Bereich.
Berufsziel Tagesstätte oder Werkstätte
Ihr Berufsziel wäre auf jeden Fall eine Tagesstätte oder eine Werkstätte für Menschen mit Behinderungen, sagt Hassold. Sie habe gesehen, wie viel Potenzial in jedem Menschen stecke und wie viel man gemeinsam machen könne. Sie sei selbst sehr kreativ und setze gerne Dinge um. Deshalb würde ihr die Arbeit in diesem Bereich sehr gefallen.
Rückblickend betrachtet habe sie in der Ausbildung das richtige Werkzeug mitbekommen, um gut und sicher im Beruf arbeiten zu können, sagt Hassold. Das gelte unabhängig davon, ob man später in einer Tagesstätte, im Wohnbereich oder in der Schulassistenz arbeite. Gerade an der SOB gebe es sehr viele Möglichkeiten, sich zu entwickeln und zu festigen. Man werde sehr vielfältig vorbereitet und könne danach wirklich in unterschiedlichen Bereichen arbeiten.
Ihr Rat an alle, die über eine berufliche Veränderung – vielleicht mit dem Ziel eines Sozialberufes – nachdenken: „Trau dich einfach, etwas Neues zu machen!“
Die Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB) der Diakonie de La Tour in Feldkirchen richtet sich als berufsbegleitendes Bildungsangebot an Erwachsene. Ausbildungsschwerpunkte sind Behindertenarbeit, Behindertenbegleitung und Altenarbeit – die Ausbildungsdauer beträgt je nach Schwerpunkt und Abschluss zwei bis vier Jahre.
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