Vorarlberg: Eltern sollen bei kranken Babys bleiben können

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

In den Landeskrankenhäusern Dornbirn und Bregenz wird die Geburtshilfe neu organisiert. Mütter sollen künftig gemeinsam mit ihren Neugeborenen auf einer Station untergebracht werden, auch wenn die Kinder intensivmedizinische Betreuung benötigen, so der ORF.

Derzeit werden Mütter und ihre Neugeborenen oft auf getrennten Stationen versorgt, wenn das Baby medizinische Hilfe braucht oder die Mutter nach einem Kaiserschnitt selbst Pflege benötigt. Diese Trennung kann laut Michael Rohde, Leiter der Geburtshilfe in Dornbirn und Bregenz, wenige Stunden, manchmal aber auch mehrere Tage andauern.

Die Verantwortlichen planen nun eine grundlegende Änderung der Betreuung. Selbst wenn ein Neugeborenes intensivmedizinisch behandelt werden muss, soll die Mutter bei ihrem Kind aufgenommen und dort mitversorgt werden. Auch der Vater soll die Möglichkeit erhalten, zu bleiben.

Hautkontakt als Teil der Therapie

Das neue Modell orientiert sich an einem internationalen Versorgungskonzept, das Eltern direkt in die Behandlung einbindet. Sie halten ihr Baby, ermöglichen Hautkontakt und übernehmen unter Anleitung Teile der Betreuung. Die elterliche Nähe ergänzt dabei die medizinische Versorgung.

Rohde vergleicht die Wirkung mit einem Medikament: „Wenn wir ein Medikament hätten, das all diese positiven Wirkungen hätte, würde kein Mensch danach fragen, warum wir dieses Medikament nicht einsetzen.“ Der Hautkontakt wirke beruhigend und unterstütze das Kind beispielsweise dabei, seine Körpertemperatur zu regulieren.

Die Dornbirner Kinderprimaria Edda Haberlandt verweist auf Vorteile für kranke Neugeborene und Frühgeborene. Früher Körperkontakt könne Schmerzen und Stress reduzieren sowie Stillen und Ernährung fördern. Die positiven Effekte könnten sich bis in die spätere Entwicklung zeigen.

Gemeinsame Betreuung statt getrennter Zuständigkeiten

Das Konzept verändert auch die Abläufe im Krankenhaus. Bisher ist die Geburtshilfe für die Mutter zuständig, die Kinderheilkunde für das kranke Baby. Künftig sollen die Fachkräfte beider Bereiche ihre Arbeit gemeinsam koordinieren.

Haberlandt beschreibt gemeinsame Besprechungen und Visiten von Ärzten und Pflegepersonal beider Abteilungen. Mutter und Kind würden zusammen betreut, Entscheidungen gemeinsam gefällt. Sie zeigt sich zuversichtlich, dass die Umstellung funktioniert. Die Teams seien engagiert.

Rohde betont gleichzeitig, dass Veränderungen Vorbereitung erfordern. Mitarbeitende gingen unterschiedlich schnell mit neuen Abläufen um. Die leitenden Ärzte müssten die Beschäftigten einbeziehen und ein gemeinsames Verständnis schaffen.

Neue Räume für Familien geplant

Für die gemeinsame Unterbringung sind entsprechende Räumlichkeiten nötig. Rohde stellt zwei Modelle gegenüber: einen großen Saal mit mehreren Inkubatoren und kleinere, abgetrennte Zimmer, in denen Eltern bei ihrem Kind bleiben können.

Die technische Ausstattung für die Neugeborenen-Intensivversorgung werde weiterhin benötigt. Zusätzlich müsse aber Platz für Mutter, Vater und deren Versorgung eingeplant werden. Um diesen Raum bemühten sich die Abteilungsleiter in Gesprächen mit den Verantwortlichen. Die gemeinsame Aufnahme soll ein Angebot sein. Niemand werde dazu gezwungen, betont der Bregenzer Chefarzt Christian Huemer.

Umsetzung bis 2030 angestrebt

Das Konzept sei zwischen den beteiligten Abteilungsleitungen ausführlich abgestimmt worden, sagt Huemer. Auch bei den Planungsverantwortlichen sehe er Verständnis für die angestrebte Veränderung.

Auf die Frage nach den zusätzlichen Kosten antwortet er: „Ich habe da schon den Eindruck, dass man bereit ist, hier auch echt Mittel in die Hand zu nehmen.“ Eine konkrete Summe nennt er nicht.

Für die Zusammenführung nennt Huemer den politischen Zieltermin 2029, spätestens 2030. Das sei ein „sportlicher Zeitplan“. Die Gespräche über die Zusammenführung der Teams liefen intensiv.

Die Landesregierung hat die Verlegung nach Bregenz trotz heftiger Proteste und 17.605 Unterschriften bei einem Volksbegehren bekräftigt. Sie begründet die Bündelung unter anderem mit spezialisierten Teams, Patientensicherheit und der langfristigen Sicherung der Versorgung. Für die leitenden Ärzte steht nun die konkrete Gestaltung der Betreuung im Mittelpunkt. Rohde formuliert es so: „Jetzt geht es ums Wie. Wie werden wir zukünftig arbeiten?“

Quelle: https://vorarlberg.orf.at/stories/3376531/

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