Vorarlberg: Gleichstellung macht kaum Fortschritte

Mathias FischerMathias Fischer
© Mit KI (Gemini) generiert

In Vorarlberg schreitet die Gleichstellung von Männern und Frauen nur sehr langsam voran. Ein am Montag präsentierter Bericht zeigt: Traditionelle Rollenbilder führen zu Lohnunterschieden, Teilzeitarbeit und niedrigeren Pensionen für Frauen.

Das Land Vorarlberg hat gemeinsam mit Arbeiterkammer und ÖGB einen Gleichstellungsbericht vorgelegt, der am Montag präsentiert wurde. Die Ergebnisse zeigen: Trotz einiger Fortschritte bleibt das in Vorarlberg stark ausgeprägte traditionelle Rollenbild ein zentrales Hindernis. Für Frauen bedeutet dies ungleiche Bezahlung, häufige Teilzeitbeschäftigung und deutlich geringere Pensionen. Landesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) kündigte als Reaktion einen Aktionsplan an.

Zwar sind mehr Frauen erwerbstätig, verfügen über gute Ausbildung und sind in politischen Ämtern vertreten als in der Vergangenheit. Die strukturellen Probleme bleiben jedoch bestehen: Frauen sind überdurchschnittlich häufig in schlechter bezahlten Berufen tätig. Diese Benachteiligung beginnt bereits beim Berufseinstieg und setzt sich bis zur Pension fort.

Massive Unterschiede bei Pension und Arbeitszeit

Der geschlechtsspezifische Pensionsunterschied liegt in Vorarlberg bei 45 Prozent. 58 Prozent der erwerbstätigen Vorarlbergerinnen arbeiten in Teilzeit, bei Müttern steigt die Quote auf 82 Prozent. Die Studie der L&R Sozialforschung zeigt: 45 Prozent der Befragten nannten Betreuungspflichten als Grund für Teilzeitarbeit. Weitere Gründe waren fehlende Vereinbarkeit, Gesundheit und der Wunsch nach mehr Freizeit.

Hinzu kommt die Mehrfachbelastung: Vorarlbergerinnen leisten mit über vier Stunden täglich rund zwei Stunden mehr unbezahlte Haus- und Sorgearbeit als Männer.

Höchster Gehaltsunterschied in ganz Österreich

Bei einer Pressekonferenz bezeichnete Schöbi-Fink den zu langsam sinkenden Gender Pay Gap als „besorgniserregend“. Mit 44 Prozent ist er weiterhin der höchste in ganz Österreich. Die Landesrätin betonte, dass es nicht allein an der Vereinbarkeit liege. Beim Ausbau des ganztägigen Kinderbetreuungsangebots sei viel geschehen, doch Eltern nützten es aufgrund traditioneller Geschlechterbilder und Vorbehalten gegenüber institutioneller Betreuung zu wenig.

Die ganztägige Besuchsquote liegt in Vorarlberg mit 15 Prozent deutlich unter dem Österreichschnitt von 55 Prozent. Dies müsse man genau ansehen, so Schöbi-Fink. Sie nannte dies einen der Ansätze für einen ressortübergreifenden Aktionsplan. Der Bericht nennt den Abbau traditioneller Rollenbilder als zentrales Handlungsfeld. Hier brauche es auch kritische Männerarbeit in Bildungs- und Berufsorientierung, Jugendarbeit und Gewaltschutz.

Konservative Einstellung zur Erwerbstätigkeit von Müttern

AK-Präsident Bernhard Heinzle (ÖAAB/FCG) verwies auf eine AK-Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF), die für Vorarlberg eine konservativere Einstellung zur Erwerbstätigkeit von Müttern nachwies. Männer stehen ihr demnach noch kritischer gegenüber als Frauen selbst. „Das ist kein Frauenthema, sondern eine Männerfrage“, so Heinzle.

Er forderte einen regelmäßigen Vorarlberger Gleichstellungsbericht zumindest alle zwei Jahre, um gezieltere Maßnahmen setzen zu können. Es handle sich um „eines der wichtigsten Themen in unserer Gesellschaft“, an dem alle gemeinsam arbeiten müssten. Gleichstellung müsse als Chance begriffen werden.

Forderungen nach verbindlichen Maßnahmen

AK-Vizepräsidentin und ÖGB-Landesgeschäftsführerin Manuela Auer (FSG) bezeichnete die Entwicklung bei Einkommens- und Pensionsunterschieden als „ernüchternd“. Von „Schneckentempo“ zu sprechen, sei noch untertrieben. „Frauen sind die Verliererinnen der Nation, in allen Bereichen“, lautete ihr Fazit.

Sie forderte die Umsetzung der Lohntransparenz, eine verbindliche Quote für Führungspositionen und günstigere Kinderbetreuungstarife. Man brauche dringend einen Aktionsplan und das Thema dürfe nicht allein im Frauenressort bleiben – „alle sind gefragt“.

Quelle: APA

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