Vorarlbergs Dorfläden zahlen 207.000 Euro für Energie

Mathias FischerMathias Fischer
Nahversorger Treff in Bregenz mit Diskussionsrunde und Zuhörern
© Energieinstitut Vorarlberg

Vorarlbergs Dorfläden geben jährlich rund 207.000 Euro für Energie aus, fast 90 Prozent davon für Strom. Eine Erhebung mit dem Tool EKART.at zeigt: Die größten Einsparpotenziale liegen bei der Kühltechnik.

Eine Energiekostenerhebung 2026 mit dem kostenlosen Tool EKART.at hat die Ausgaben der Vorarlberger Dorfläden untersucht. Die Ergebnisse wurden am 15. Oktober 2026 beim Nahversorger-Treff „Sicher versorgt?!“ des Vereins Dorfleben in Bregenz präsentiert.

Beim Fachaustausch bei illwerke vkw trafen sich Betreiber, Bürgermeister, Vertreter aus Landespolitik, Wirtschafts- und Landwirtschaftskammer sowie Fachleute. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Nahversorgung wirtschaftlich abgesichert werden kann. Ein Schwerpunkt: die hohen Energiekosten.

Erhebung in 22 Dorfläden

Zwei geschulte Praktikanten besuchten 22 Dorfläden und dokumentierten Kühlgeräte, Typenschilder und Heizungen mit rund 1.000 Fotos. Die Energiedaten von 23 Läden aus den Jahren 2022 bis 2025 wurden in EKART.at erfasst. Das Energieinstitut Vorarlberg wertete die Daten KI-gestützt und fachlich begleitet aus. Jeder Laden erhielt einen Steckbrief mit Maßnahmen und Amortisationsrechnung.

Kühlung als größter Kostenfaktor

Kühlregale und Truhen laufen 8.760 Stunden im Jahr – auch wenn der Laden nur 10 bis 30 Stunden pro Woche offen hat. Jede eingesparte Kilowattstunde bringt rund 20 Cent, rund um die Uhr.

Die Unterschiede zwischen den Läden sind erheblich: Der teuerste zahlt 94 Euro Energiekosten je Quadratmeter und Jahr, mehr als das Doppelte des mittleren Ladens mit rund 44 Euro. Ursache ist fast immer die Kühltechnik.

Offene Kühlmöbel, alte Truhen und veraltete Technik treiben die Kosten. Mit Glasdeckeln auf Tiefkühltruhen lässt sich der Stromverbrauch um bis zu 50 Prozent senken, mit Türen an Kühlregalen um bis zu 35 Prozent. In mehreren Läden laufen Geräte und Aggregate, die über 25 Jahre alt sind. Teilweise wurden sie noch für das längst verbotene FCKW-Kältemittel R12 gebaut. Fällt so ein Gerät aus, ist die gesamte Kühlware gefährdet.

Sofortmaßnahmen ohne Investition

Drei einfache Schritte bringen über alle Läden 3.000 bis 5.000 Euro im Jahr: alte Eistruhen kostenlos beim Lieferanten tauschen, Werbekühler nachts per Zeitschaltuhr abschalten und leere Geräte außer Betrieb nehmen.

Investitionen mit Förderung schneller rentabel

Die Steckbriefe haben Investitionen von rund 180.000 Euro ergeben, ohne Heizungstausch. Das spart den Betrieben jährlich rund 18.000 Euro.

Nachrüstungen wie Glasdeckel, Nachtabdeckungen und Türen rechnen sich bereits in rund fünf Jahren. Der dringende Ersatz alter Kühlgeräte amortisiert sich über die Stromersparnis allein kaum, ist wegen Alter und Ausfallrisiko aber dringend nötig.

„In den Dorfläden liegt das Geld buchstäblich in der Kühlung. Vieles lässt sich sofort und ohne Kosten verbessern. Für den Ersatz alter Geräte brauchen die Betriebe aber ein Förderung, die geschlossene Kühlmöbel und natürliche Kältemittel voraussetzt. So bleibt die Ersparnis Jahr für Jahr im Laden“, sagt Andreas Hotz-Peter vom Energieinstitut Vorarlberg.

Nächste Schritte geplant

Beim Nahversorger-Treff wurde deutlich: Einsparpotenzial ist vorhanden, oft fehlen aber Eigenmittel oder eine Vorfinanzierung. Als nächste Schritte sind vorgesehen: gemeinschaftliche Strombezugsmodelle und zusätzliche Finanzierungswege prüfen sowie die regionalen Auswertungen bis voraussichtlich Ende Jänner 2027 aktualisieren.

Diskutiert werden außerdem ein Förderpaket für den Ersatz alter Kältetechnik, eine gemeinsame Sammelaktion „Kälte-Check“ mit Sammelbestellung von Abdeckungen und Deckeln sowie Unterstützung beim Heizungstausch.

Weitere Dorfläden sind eingeladen, sich zu beteiligen. Der erste Schritt: Energiedaten auf EKART.at erfassen. Die vollständige Dokumentation des Nahversorger-Treffs gibt es beim Verein Dorfleben auf nahversorgung.org.

Präsentation von Michael Müller zu Dorfläden in der Steiermark
© Energieinstitut Vorarlberg

Quelle: https://www.energieinstitut.at/aktuelles/dorflaeden-die-kuehlung-frisst-das-geld-und-genau-dort-liegt-die-chance

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